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Jamie Dimon warnt: Märkte unterschätzen Risiken bei Aktien und Anleihen

JPMorgan-Chef sieht geopolitische und fiskalische Gefahren als größer an, als die Märkte derzeit einpreisen.

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Jamie Dimon warnt: Märkte unterschätzen Risiken bei Aktien und Anleihen

Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase und Chef der nach Marktkapitalisierung größten Bank der Welt, hat in einem einstündigen Interview mit Wilfred Frost eindringlich vor unterschätzten Risiken gewarnt. Dimon erklärte, er würde zu den aktuellen Kursen weder Aktien noch langlaufende US-Staatsanleihen kaufen. Das Interview wurde am späten Montag im „The Master Investor Podcast" veröffentlicht.

„Ich glaube, dass diese Risiken wahrscheinlich größer sind, als andere Leute denken", sagte Dimon. Er verwies dabei auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China sowie steigende Militärausgaben in einer Zeit wachsender Staatsdefizite. Die Märkte würden diese wachsende Liste geopolitischer und fiskalischer Bedrohungen nicht vollständig einpreisen.

Dimons Skepsis gegenüber Aktien und Anleihen

Auf die Frage, ob die Märkte die Wahrscheinlichkeit eines schweren Schocks zu niedrig bewerten, gab sich Dimon vorsichtig. „Es ist möglich, dass einiges eingepreist ist, aber was nicht eingepreist ist, ist das, was tatsächlich passiert", sagte er. Diese Aussage steht im deutlichen Kontrast zur aktuellen Stimmung vieler Investoren, die Kriege, Zölle und andere Schocks zuletzt weitgehend ignorierten.

Der S&P 500 hat in diesem Jahr fast 10 Prozent an Wert gewonnen. Als Treiber gelten anhaltende Konsumausgaben, eine nachlassende Inflation sowie der Boom rund um künstliche Intelligenz. Auch JPMorgan Chase selbst meldete in der vergangenen Woche glänzende Quartalsergebnisse, getragen von steigenden Erträgen im Handel und im Investmentbanking.

Bei US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit sieht Dimon kaum Aufwärtspotenzial. Selbst wenn die Inflation auf das 2-Prozent-Ziel der US-Notenbank Federal Reserve zurückfalle, „sollte die 10-jährige Anleihe wahrscheinlich bei 4 bis 4,5 Prozent liegen", sagte er. Auf direkte Nachfrage, ob er langlaufende Staatsanleihen kaufen würde, antwortete Dimon klar: „Persönlich, nein."

Haushaltsdefizite als langfristige Gefahr

Anhaltende US-Haushaltsdefizite würden letztlich eine Abrechnung erzwingen und die Zinssätze in die Höhe treiben, warnte Dimon. Er prognostizierte, dass sogenannte „Bond Vigilantes" – also Anleihe-Wächter, die als Reaktion auf ausufernde Staatsschulden höhere Renditen fordern – zunehmend Druck auf die Märkte ausüben würden. „Meiner Ansicht nach wird es zu einem Problem werden", sagte er.

Gleichzeitig räumte Dimon ein, dass die Weltwirtschaft widerstandsfähiger geworden sei als in früheren Jahrzehnten, unter anderem wegen einer geringeren Energieabhängigkeit. Er warnte jedoch, dass dies einen plötzlichen Wendepunkt nicht ausschließe. „Man braucht vielleicht mehr Tropfen, die das Fass zum Überlaufen bringen", sagte er. „Selbst wenn dieser aktuelle Krieg erneut aufflammt, reicht das vielleicht noch nicht aus."

KI-Boom: Dimon zieht Vergleich mit dem Internetzeitalter

Auch beim Thema künstliche Intelligenz schlug Dimon einen abwägenden Ton an. Er verglich den aktuellen Investitionsboom mit den frühen Tagen des Internets. „Die Summen, die ausgegeben werden, sind gewaltig. Wird es sich insgesamt auszahlen? Wahrscheinlich schon, genau wie das Internet", sagte er.

Dimon erinnerte jedoch daran, dass während des Internetbooms große Akteure der ersten Stunde wie Yahoo und Netscape später verblassten, während spätere Gewinner wie Google und Facebook erst deutlich später auftauchten. „Wird es sich so auszahlen, wie Sie es erwarten, und in dem Zeitrahmen, den Sie erwarten? Definitiv nicht", sagte Dimon. Für Anleger ist dies eine klare Mahnung zur Vorsicht – auch in einem scheinbar unaufhaltsamen Aufwärtstrend.

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