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Iran-Krieg treibt Rohstoffkosten: Industrie weltweit unter Druck

Der Iran-Krieg erschüttert globale Lieferketten, treibt Rohstoffpreise auf Vierjahreshochs und spaltet die Weltindustrie in Gewinner und Verlierer.

Iran-Krieg treibt Rohstoffkosten: Industrie weltweit unter Druck

Der von den USA und Israel geführte Krieg gegen den Iran, der Ende Februar begann, hinterlässt tiefe Spuren in der Weltwirtschaft. Europäische Fabriken kämpfen mit einbrechender Nachfrage und explodierenden Rohstoffkosten, während US-amerikanische und asiatische Konkurrenten von Lagerkäufen profitieren. Das zeigen Einkaufsmanagerumfragen vom Montag, die ein gespaltenes globales Industriebild zeichnen.

Der Konflikt hat den internationalen Handel massiv gestört, die Finanzmärkte verunsichert und Sorgen über die weltweite Energie- und Rohstoffversorgung geschürt. Besonders kritisch ist die Lage an der Straße von Hormus – einer Schlüsselroute für Öl- und Gaslieferungen. Die Chefs von IWF, Weltbank, IEA und WTO hatten bereits vor den Belastungen für die globale Energieversorgung gewarnt.

Eurozone: Wachstum verlangsamt sich spürbar

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone fiel im Mai auf 51,6 Punkte, nachdem er im April noch ein fast vierjähriges Hoch von 52,2 erreicht hatte. Der Wert lag damit zwar über der vorläufigen Schätzung von 51,4 und signalisiert mit einem Stand über 50,0 weiterhin Wachstum – doch die Dynamik lässt nach.

„Obwohl die Hersteller in der Eurozone im Mai den vierten Monat in Folge eine Expansion meldeten, zeigt der Sektor Anzeichen dafür, unter der Last steigender Preise und Lieferunterbrechungen infolge des Krieges im Nahen Osten zu leiden", sagte Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global Market Intelligence. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, stagnierte das verarbeitende Gewerbe. Französische Fabriken verzeichneten sogar zum ersten Mal seit November einen Rückgang.

Auch britische Hersteller spüren den Druck: Sie hoben ihre Preise im vergangenen Monat als Reaktion auf einen massiven Kostenanstieg so schnell wie seit Juni 2022 nicht mehr an. Die Europäische Zentralbank (EZB) plant laut einer Reuters-Ökonomenumfrage, ihren Einlagenzins in diesem Monat und mindestens ein weiteres Mal in diesem Jahr anzuheben – um zu verhindern, dass höhere Energiepreise auf die Kerninflation durchschlagen. Offizielle Inflationsdaten, die am Dienstag erwartet werden, dürften zeigen, dass die Teuerung weiter über das 2-Prozent-Ziel der EZB gestiegen ist.

USA und Asien: Lagerkäufe befeuern Industrieaktivität

Ein anderes Bild zeigt sich in den USA: Die US-Industrieproduktion erreichte den höchsten Stand seit vier Jahren. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im Mai von 52,7 auf 54,0 – den höchsten Wert seit Mai 2022. Die Auftragseingänge kletterten auf ein Viermonatshoch, da Kunden angesichts steigender Preise und kriegsbedingter Engpässe Lagerbestände aufbauten. Die Umfrage wies zudem die längsten Lieferzeiten seit vier Jahren aus.

In Asien zeigt sich ein ähnliches Muster: Unternehmen bauen gezielt Puffer gegen potenzielle kriegsbedingte Störungen auf. Der Caixin China General Manufacturing PMI fiel im Mai zwar leicht auf 51,8 von 52,2 im April, lag aber über der Analystenprognose von 51,6. Dies stand im Kontrast zu einer offiziellen chinesischen Umfrage, die für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt eine Stagnation der Fabrikaktivität auswies.

Japan meldete ebenfalls eine Ausweitung der Fabrikaktivität mit einem PMI von 54,5 im Mai, nach einem über vierjährigen Hoch von 55,1 im April. Japanische Unternehmen verzeichneten jedoch aufgrund höherer Rohstoffpreise den stärksten Anstieg der Vorleistungskosten seit September 2022. Südkorea übertraf alle Erwartungen: Der PMI stieg von 53,6 auf 54,8 – den höchsten Stand seit März 2021.

Regionale Unterschiede in Südostasien

Auch in Südostasien zog die Industrieaktivität an. In Vietnam stieg der PMI für das verarbeitende Gewerbe von 50,5 auf 52,8, in Taiwan kletterte er von 55,3 auf 56,1. Die Philippinen verzeichneten mit einem Sprung von 48,3 auf 50,8 sogar den Übergang von Kontraktion zu Wachstum.

Das globale Bild bleibt damit gespalten: Während Europa unter den direkten Folgen des Konflikts leidet, profitieren viele Regionen kurzfristig von vorgezogenen Bestellungen und Lagerkäufen. Ob diese Dynamik anhält oder sich in eine breitere Konjunkturabkühlung verwandelt, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts und der Entwicklung der Energiepreise ab.

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