Iran-Konflikt treibt Inflation auf drei Prozent – das neue Normal?
Gestiegene Öl- und Gaspreise heizen die Teuerung in der Eurozone an. Experten warnen vor Inflationsraten bis vier Prozent.

Seit Ende Februar dieses Jahres belasten der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus den Welthandel massiv. Besonders die Öl- und Gaspreise sind seitdem deutlich gestiegen – und eine schnelle Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Fast drei Monate dauert die Eskalation nun schon an.
Die Folgen zeigen sich direkt in den Inflationsdaten: In der Eurozone kletterte die Teuerungsrate im April laut Eurostat auf 3,0 Prozent. In Deutschland lag sie laut Statistischem Bundesamt bei 2,9 Prozent – weit entfernt vom Zwei-Prozent-Ziel der Notenbanken, das als Maßstab für Preisstabilität gilt.
Experten erwarten weitere Preissteigerungen
Eine baldige Entspannung ist nicht zu erwarten. Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel, warnt deutlich: „Die Perspektive ist, dass wir, sollte sich gar nichts ändern, in den nächsten Monaten Inflationsraten zwischen drei und vier Prozent haben. Es könnte auch noch etwas höher gehen."
Denn am Energie-Markt bleibt die Lage angespannt. Höhere Energiepreise verteuern zudem die Produktion von Gütern. Das zeigt sich bereits in den deutschen Erzeugerpreisen: Sie stiegen im April laut Statistischem Bundesamt um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der stärkste Anstieg seit drei Jahren.
Werden diese Kosten an die Verbraucher weitergegeben, droht eine breite Teuerungswelle. Maximilian Wienke von der Investmentplattform eToro erklärt: „Man geht davon aus, dass auch viele andere Bereiche teurer werden. Vor allem aufgrund der Transport- und Logistikkosten werden die Lebensmittelpreise im Supermarkt steigen, es können auch die Neben- und Wohnkosten steigen. Auch der ganze Dienstleistungsbereich – wer in den Urlaub fährt, Freizeitaktivitäten, Restaurantbesuche – kann teurer werden."
Lohnforderungen heizen die Spirale weiter an
Neben den Energiepreisen droht auch eine Lohn-Preis-Spirale. Wienke betont: „Die Arbeitnehmer werden sicherlich höhere Löhne fordern, um überhaupt mit dieser Inflation klarzukommen." Die Gewerkschaften sind bereits aktiv: ver.di fordert in der laufenden Tarifrunde bei der Telekom 6,6 Prozent mehr Lohn. Bei der Postbank kämpft die Gewerkschaft sogar für acht Prozent mehr.
EZB unter Zugzwang – Zinserhöhung im Juni erwartet
Die Europäische Zentralbank dürfte angesichts dieser Entwicklung nicht untätig bleiben. Chefvolkswirt Mumm ist überzeugt: „Das ist ziemlich sicher, dass wir im Juni eine Leitzinserhöhung durch die EZB sehen werden." Laut ECB-Watch rechnen Marktteilnehmer derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent damit, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung Mitte Juni die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf dann 2,25 Prozent anhebt.
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Zur AktienanalyseHöhere Zinsen verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage – was die Inflation dämpfen kann, aber gleichzeitig das Wirtschaftswachstum belastet. Und das leidet bereits. Mumm warnt: „Natürlich sorgt auch diese Unsicherheit, die die ganze Iran-Eskalation mit sich bringt, dafür, dass Konsum und Investitionen zurückgehalten werden. Die Wirtschaft wird dadurch schon ein Stück weit ausgebremst."
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung haben ihre Wachstumsprognosen für Deutschland in den vergangenen Wochen denn auch deutlich nach unten korrigiert. Das Szenario aus hoher Inflation und schwachem Wachstum – in der Fachsprache als Stagflation bekannt – rückt damit näher.
Für Privatanleger bedeutet das ein schwieriges Umfeld: Anleihen verlieren bei steigenden Zinsen an Wert, während Aktien unter dem Druck schwächerer Konjunkturaussichten leiden. Wienke bringt es auf den Punkt: „Solange es keine Lösung gibt im Iran-Konflikt oder zumindest irgendwie positive Signale daherkommen, dann wird sich auch die Lage nicht entspannen."


