Iran-Friedenshoffnung treibt US-Futures – Brent fällt unter 100 Dollar
Berichte über eine grundsätzliche Einigung zwischen Washington und Teheran beflügeln die Märkte – Ölpreise sinken, Gold legt zu.

Die Hoffnung auf ein baldiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran sorgt am Montag für deutliche Kursgewinne an den Futures-Märkten. Medienberichte, die sich auf einen hochrangigen Beamten des Weißen Hauses berufen, deuten darauf hin, dass sich Washington und Teheran grundsätzlich auf eine Einigung zur Beendigung ihres mehr als zweimonatigen Krieges verständigt haben. Gleichzeitig dämpfen Kommentare beider Seiten die Erwartungen an eine unmittelbar bevorstehende offizielle Bekanntgabe.
Bis 03:44 Uhr ET (07:44 Uhr GMT) stieg der Dow-Future um 399 Punkte oder 0,8 Prozent. Die S&P 500-Futures kletterten um 70 Punkte oder 0,9 Prozent, während die Nasdaq 100-Futures sogar um 407 Punkte oder 1,4 Prozent zulegten. Auch die Aktienmärkte in Asien und Europa verzeichneten Kursgewinne. Die Liquidität dürfte jedoch gering bleiben, da die wichtigsten US-Börsen heute aufgrund des Feiertags Memorial Day geschlossen sind und erst am Dienstag wieder öffnen.
Straße von Hormus im Fokus
Der entscheidende Punkt des gemeldeten Abkommens ist die geplante Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die strategisch bedeutsame Meerenge vor der Südküste des Irans ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – etwa ein Fünftel des weltweiten Erdöls wird durch sie transportiert. Seit Wochen ist die Wasserstraße für den Tankerverkehr so gut wie gesperrt, was die Ölpreise zuletzt stark in die Höhe getrieben hatte.
Die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Meerenge lässt die Ölpreise nun deutlich fallen. Brent-Rohöl rutschte unter die Marke von 100 US-Dollar. Parallel dazu gibt der US-Dollar nach, während Gold als sicherer Hafen an Wert gewinnt – ein klassisches Muster, wenn geopolitische Spannungen nachlassen.
Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen
Trotz der positiven Marktstimmung mahnen Experten zur Vorsicht. Einige Analysten geben zu bedenken, dass die Märkte einen Frieden möglicherweise bereits eingepreist haben könnten, was die Auswirkungen einer tatsächlichen Einigung abschwächen würde. „Die Chancen auf eine große, breit angelegte Erleichterungsrallye im Falle einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus haben sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich verringert, auch wenn einige Märkte mehr Aufwärtspotenzial haben als andere", erklärten Analysten von Capital Economics in einer Mitteilung.
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Zur AktienanalyseAuch am Anleihemarkt sind die Auswirkungen spürbar. Die Futures auf 30-jährige US-Staatsanleihen legten am Montag um einen vollen Punkt zu. Kassahandel findet aufgrund des Feiertags nicht statt. Bemerkenswert: In der vergangenen Woche war die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe – ein viel beachteter Indikator für die geopolitische und wirtschaftliche Risikostimmung – vorübergehend auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen. Renditen und Kurse entwickeln sich dabei in der Regel gegenläufig.
Die Entwicklungen verdeutlichen, wie stark geopolitische Faktoren derzeit die globalen Finanzmärkte beeinflussen. Für deutsche Anleger ist die Lage rund um die Straße von Hormus besonders relevant, da Europa stark von Energieimporten aus der Golfregion abhängig ist. Eine dauerhafte Entspannung könnte die Energiepreise spürbar entlasten – sofern ein Abkommen tatsächlich zustande kommt und hält.


