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Indische Anleger retten Börse vor dem freien Fall

Während Ausländer Milliarden abzogen, investierten heimische Investoren netto 91 Milliarden Dollar und stabilisierten den BSE Sensex.

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Indische Anleger retten Börse vor dem freien Fall

Inländische Anleger haben den indischen Aktienmarkt vor einem „freien Fall" bewahrt – das erklärte Sundararaman Ramamurthy, Geschäftsführer der Bombay Stock Exchange (BSE), am Dienstag gegenüber dem Sender CNBC. Während ausländische Investoren im vergangenen Jahr Aktien im Wert von 35 Milliarden US-Dollar verkauften, pumpten indische institutionelle Anleger netto 91 Milliarden Dollar in die heimischen Aktienmärkte.

„Dies hat nicht nur den Abfluss [ausländischen Kapitals] kompensiert, sondern auch den Sensex in hohem Maße gestärkt und ihn vor einem freien Fall bewahrt", sagte Ramamurthy am Rande des Motilal Oswal India Corporate Day 2026 in Singapur. Der BSE-Chef sprach damit offen über eine strukturelle Verschiebung, die den indischen Kapitalmarkt grundlegend verändert.

Kräfteverhältnis hat sich umgekehrt

Früher dominierten ausländische Investoren den indischen Aktienmarkt. Ihr Anteil übertraf lange Zeit den der inländischen Institutionen. „Heute hat sich das Verhältnis umgekehrt", betonte Ramamurthy. Diese Entwicklung zeigt, wie stark das Vertrauen der heimischen Bevölkerung in die eigenen Kapitalmärkte gewachsen ist.

Allein im vergangenen Jahr registrierten sich 35 Millionen neue indische Anleger über die BSE. Ramamurthy sieht darin erst den Anfang: „Indien wächst, und ein erheblicher Teil der Bevölkerung steht noch vor dem Eintritt in die Kapitalmärkte." Das Wachstumspotenzial der Anlegerbasis gilt damit als weiterhin enorm.

Auch die Zuflüsse in Aktienfonds unterstreichen diesen Trend. Laut lokalen Medienberichten stiegen die Gesamtzuflüsse in indische Aktienfonds im April auf 384,4 Milliarden Rupien – umgerechnet knapp 4 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr und belegt die anhaltend hohe Investitionsbereitschaft der Bevölkerung.

Ausländische Investoren bleiben skeptisch

Trotz der starken Binnennachfrage bleibt die Stimmung ausländischer Investoren gegenüber Indien gedämpft. Als Gründe gelten schwache Unternehmensgewinne sowie die wirtschaftlichen Belastungen durch steigende Weltölpreise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Indien ist als großer Ölimporteur besonders anfällig für solche externen Schocks.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Thema Künstliche Intelligenz. Obwohl Indien weltweit führend in der Informationstechnologie ist, fehlen dem Land große Unternehmen im Bereich des KI-Ökosystems. Laut einem Bericht von HSBC Research vom Dienstag mangelt es Indien an einer klaren „KI-gestützten Story". Der indische Markt sei auf US-Dollar-Basis um etwa 10 Prozent gefallen.

Im Vergleich dazu sind KI-fokussierte Märkte wie Korea und Taiwan seit Jahresbeginn um rund 80 beziehungsweise 40 Prozent gestiegen, so der HSBC-Bericht weiter. „Asiatische Aktien wurden weitgehend von der optimistischen Stimmung rund um das Thema KI getrieben", heißt es darin. Indien profitiert von diesem globalen Trend bislang kaum.

BSE Sensex gehört zu Asiens Schlusslichtern

Der BSE Sensex, der wichtigste Leitindex der indischen Börse, hat seit Jahresbeginn rund 11 Prozent verloren – gemessen in US-Dollar sogar etwa 10 Prozent. Damit zählt er laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG zu den schwächsten Märkten in ganz Asien. Für deutsche Anleger, die in Indien-ETFs oder Schwellenländerfonds investiert sind, ist diese Entwicklung unmittelbar relevant.

Dennoch zeigt das Beispiel Indien, wie eine wachsende inländische Investorenbasis externe Schocks abfedern kann. Die strukturelle Stärke des heimischen Kapitalmarkts könnte langfristig ein stabilisierender Faktor bleiben – auch wenn kurzfristige Herausforderungen bestehen bleiben.

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