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HHLA verlässt die Börse nach fast 19 Jahren Notierung

Nach einem turbulenten Aktionärstreffen besiegeln MSC und Hamburg den Squeeze-Out der verbliebenen Kleinaktionäre für 21 Euro.

HHLA verlässt die Börse nach fast 19 Jahren Notierung

Der Hamburger Hafenlogistiker HHLA hat sich nach fast 19 Jahren von der Börse verabschiedet. Bei einer mehr als zehn Stunden dauernden virtuellen Hauptversammlung stimmten die Großaktionäre MSC und die Stadt Hamburg für den Zwangsausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre. Damit verschwindet der HHLA-Teilkonzern Hafenlogistik endgültig vom Kurszettel.

MSC und die Stadt Hamburg halten zusammen mehr als 95 Prozent der Anteile und brachten den sogenannten Squeeze-Out damit problemlos durch. Aktionärsvertreter hatten zuvor über 200 Fragen eingereicht und scharfe Kritik am Vorgehen geübt. Die Generaldebatte zog sich entsprechend in die Länge.

Kleinaktionäre erhalten 21 Euro je Aktie

Die verbliebenen Einzelaktionäre erhalten eine Abfindung von 21,16 Euro je A-Aktie des börsennotierten Teilkonzerns Hafenlogistik. Das entspricht gut einem Viertel mehr als beim Übernahmeangebot aus dem Jahr 2024. Der Preis orientiert sich am Dreimonats-Durchschnittskurs der Aktie.

Für viele Kleinaktionäre ist das dennoch ein herber Verlust. Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einem „traurigen Tag" und bezeichnete das Vorgehen als „schäbig". Viele der betroffenen Anleger seien Hamburger Bürger, die beim Börsengang im November 2007 zu einem Preis von 53 Euro eingestiegen seien. Nun würden sie für 21 Euro „rausgeschmissen", so Unrau.

Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) nannte den Squeeze-Out eine „Enteignung" und warf der Stadt Hamburg vor, sich an einem „Raubzug" zu beteiligen. Markus Dufner vom Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre sah im Delisting das Ende der „Bürger-HHLA" und stellte Fragen zur Kontrolle kritischer Infrastruktur.

Umstrittener MSC-Einstieg als Ausgangspunkt

Der Ursprung des Konflikts liegt im September 2023, als der Plan für den Einstieg der Mediterranean Shipping Company (MSC) bei der HHLA bekannt wurde. In Hamburg war damals von „verscherbeltem Tafelsilber" und einem „historischen Fehler" die Rede — nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch wegen der engen Verbindung des Hafens mit der Identität der Hansestadt.

Die in der Schweiz ansässige MSC gehört der Familie des italienischstämmigen Gründers Gianluigi Aponte und ist als weltgrößte Containerreederei eine direkte Rivalin der Hamburger Hapag-Lloyd. Die HHLA betreibt drei der vier Containerterminals in Hamburg, Deutschlands größtem Seehafen.

HHLA-Chef Jeroen Eijsink verteidigte den MSC-Einstieg bei der Hauptversammlung. Der Konzern profitiere unter anderem durch zusätzliche Ladung an den HHLA-Terminals. Den ebenfalls beschlossenen Verzicht auf eine Dividende für 2025 begründete Eijsink mit einem Rückgang des Jahresüberschusses durch steuerliche Belastungen sowie dem Bedarf an Investitionen — insbesondere in die fortschreitende Automatisierung der Terminalanlagen, die in der Belegschaft kritisch gesehen wird.

Börsenabgang mit regulatorischen Argumenten begründet

Die scheidende Finanzchefin Annette Geiß beantwortete über Stunden hinweg die zahlreichen Fragen der Aktionärsvertreter. Auf die Frage, welcher Nachteil durch einen Verbleib an der Börse entstanden wäre, verwies Geiß auf den erheblichen organisatorischen und regulatorischen Aufwand. Dazu zählten insbesondere die Durchführung von Hauptversammlungen sowie umfangreiche Berichts- und Transparenzpflichten.

Für Privatanleger, die noch HHLA-Aktien halten, ist die Lage nun klar: Mit dem beschlossenen Squeeze-Out erhalten sie die Abfindung von 21,16 Euro je Aktie. Wer beim Börsengang 2007 zu 53 Euro eingestiegen ist, realisiert damit einen Verlust von rund 60 Prozent — ein bitteres Ende für eine Aktie, die einst als Hamburger Volksaktie galt.

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