Hedgefonds verlieren Schutzfunktion: Korrelation zu Aktienmärkten auf Fünfjahreshoch
Hohe Gleichlaufrate schürt Sorgen vor mangelndem Schutz bei Marktcrashs trotz Premiumgebühren

Hedgefonds bewegen sich so synchron mit den globalen Aktienmärkten wie seit mindestens fünf Jahren nicht mehr. Eine aktuelle Studie von BNP Paribas zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Die Korrelation zwischen Hedgefonds-Renditen und dem MSCI World Index erreichte 2025 Rekordwerte. Dies wirft Fragen auf, ob die Branche Anleger bei einem scharfen Marktabschwung noch schützen kann – traditionell eines ihrer wichtigsten Verkaufsargumente.
Die Hedgefonds-Industrie verzeichnete 2025 mit 12,5 Prozent ihr bestes Jahr seit 2009. Gleichzeitig strömten Anleger mit den höchsten Zuflüssen seit 2007 in die Branche, während das Interesse an Private Equity nachließ. Doch hinter den glänzenden Renditen verbirgt sich ein strukturelles Problem: Long-Short-Aktien-Hedgefonds wiesen eine Korrelation von 0,98 zum Markt auf – der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung 2019. Der historische Dreijahresdurchschnitt liegt bei 0,92, der Fünfjahresdurchschnitt bei nur 0,86.
"Es ist ein wenig beängstigend, besonders wenn man sich ansieht, wann dies schon einmal passiert ist", warnt Jon Caplis, Gründer des Analyseunternehmens PivotalPath. Er bezieht sich dabei auf frühere Phasen hoher Korrelation, die Marktabschwünge verschärften. Anleger müssen sich bewusst sein, wie hoch ihr tatsächliches Aktienengagement durch Hedgefonds-Investments ist.
Premiumgebühren ohne Schutzwirkung
Hedgefonds verlangen traditionell hohe Gebühren – etwa 2 Prozent Verwaltungsgebühr plus 20 Prozent Performancegebühr. Diese sollen hohe Renditen bei geringer Volatilität belohnen und Portfolios vor Marktcrashs schützen. Die aktuelle Entwicklung stellt dieses Versprechen infrage. Die gesamte Hedgefonds-Branche wies 2025 eine Korrelation von 0,92 zum MSCI World auf, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von nur 0,76.
Marlin Naidoo, Global Head of Capital Introduction bei BNP Paribas, rät Investoren zur Vorsicht: "Asset-Allocators müssen prüfen, ob ihr Portfolio durch ihren Mix an Hedgefonds-Managern geschützt wird, falls es plötzlich zu einem Rückgang des Aktienmarktes kommt." Gleichzeitig betont er, dass Aktien-Hedgefonds die Volatilität ihrer Renditen trotz steigender Korrelation recht gut gemanagt hätten.
Lehren aus vergangenen Krisen
Die Geschichte zeigt die Risiken hoher Korrelationen deutlich: Anleger erlitten bereits 2022 und 2011 Verluste, als Hedgefonds parallel zu den Aktienmärkten einbrachen. Der S&P 500 erreichte am Mittwoch einen neuen Rekordwert von über 7.000 Punkten und setzt damit seinen historischen Lauf fort. Doch einige Experten warnen vor überhöhten Bewertungen im KI-Sektor, der einen Großteil der Rallye antreibt.
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Zur AktienanalyseDie BNP-Paribas-Studie basiert auf einer Umfrage unter 246 Hedgefonds-Investoren, die zusammen 1,1 Billionen Dollar an Hedgefonds-Vermögen investieren oder beraten. PivotalPath kam in eigenen Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen beim S&P 500. Eine Korrelation von 1 bedeutet perfekten Gleichlauf, während 0 keine Beziehung impliziert.
Für deutsche Privatanleger bedeutet dies: Wer Hedgefonds zur Portfoliodiversifikation nutzt, sollte sein tatsächliches Aktienengagement überprüfen. Die vermeintliche Absicherung könnte sich bei einem Marktcrash als Illusion erweisen.


