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GSK übernimmt Nuvalent für 10,6 Milliarden Dollar im Krebsbereich

Der britische Pharmariese GSK stärkt sein Onkologie-Portfolio mit der bisher größten Übernahme seit Jahren und zahlt einen Aufschlag von 40 Prozent.

GSK übernimmt Nuvalent für 10,6 Milliarden Dollar im Krebsbereich

GSK übernimmt den Lungenkrebsspezialisten Nuvalent für rund 10,6 Milliarden US-Dollar. Die Bartransaktion bewertet Nuvalent mit etwa 124 Dollar je Aktie – ein Aufschlag von 40 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs. Die Aktien von Nuvalent sprangen im vorbörslichen US-Handel um fast 40 Prozent nach oben, während GSK-Papiere in London um 1,5 Prozent nachgaben.

Der Deal markiert eine deutliche Abkehr von der bisherigen Akquisitionsstrategie des britischen Pharmaunternehmens. GSKs bisher größte Übernahme der vergangenen 18 Monate war der Kauf von RAPT Therapeutics für 2,2 Milliarden Dollar – ein Bruchteil des aktuellen Volumens. Abzüglich der übernommenen Barmittel beziffert GSK die Nettoinvestition auf 9,4 Milliarden Dollar.

Mutiger Schritt des neuen CEO

GSK-Chef Chris Miels, der im Januar die Nachfolge von Emma Walmsley antrat, verteidigt die Transaktion als außergewöhnlichen Schritt. „Es ist größer als der übliche Rahmen, weil es außergewöhnlich war", sagte Miels gegenüber Reportern. „Es handelt sich im Wesentlichen um drei Produkte in einem." Er betonte zudem, dass die Umsatzziele von GSK nicht von der Übernahme abhängig seien.

Miels hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Jahresumsatz von GSK bis 2031 auf 40 Milliarden britische Pfund zu steigern. Er hat versprochen, die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen und gezielt neue Vermögenswerte zu erwerben, um die Pipeline im Spätstadium zu stärken. Besonders dringend ist dies angesichts des bevorstehenden Patentablaufs für das wichtige HIV-Medikament Dolutegravir im Jahr 2028.

Analyst James Eugene von Verso Investment Management erklärte, die Größe des Deals könnte Investoren überrascht haben, die Transaktionen im Bereich von 2 bis 4 Milliarden Dollar erwartet hatten. Analysten betonten jedoch, dass die Übernahme strategisch sinnvoll sei, da sie Wirkstoffe gegen Krebs im Spätstadium in einem Bereich hinzufüge, in dem GSK bereits tätig ist. „Wir betrachten den Deal als mutigen Schritt des neuen CEO im Bereich Onkologie, der zwei unmittelbar bevorstehende Wachstumstreiber hinzufügt", schrieben die Analysten der Bank of America.

Zwei Blockbuster-Kandidaten kurz vor der Zulassung

Im Mittelpunkt der Übernahme stehen die beiden wichtigsten Lungenkrebsmedikamente von Nuvalent: Zidesamtinib und Neladalkib. Für beide werden US-Zulassungsentscheidungen im September beziehungsweise November erwartet. Im Falle einer Zulassung könnten beide Medikamente noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. GSK ist überzeugt, dass die Präparate das Potenzial für mehrere Blockbuster-Produkte besitzen.

Miels gab an, GSK habe Nuvalent bereits seit über einem Jahr beobachtet, nachdem das Unternehmen von den Onkologie- und Geschäftsentwicklungsteams identifiziert worden war. Intern sei das Projekt unter dem Codenamen „Nashville" bekannt gewesen. Daten von Nuvalent auf einer wichtigen medizinischen Konferenz in der vergangenen Woche hätten ihn schließlich überzeugt, das Geschäft voranzutreiben.

Die Übernahme soll zudem eine Plattform für den Ausbau des experimentellen Antikörper-Wirkstoff-Konjugats Ris-Rez schaffen, das sich derzeit in der Spätphase der klinischen Prüfung befindet. GSK erwartet, dass der Deal ab 2027 zum Umsatz und zum Betriebsergebnis sowie ab 2029 zum bereinigten Gewinn je Aktie beitragen wird.

Aufholjagd gegenüber AstraZeneca

Der Deal reiht sich ein in eine wachsende Welle von Übernahmen vielversprechender Therapien durch große Pharmakonzerne – von Krebsbehandlungen über seltene Krankheiten bis hin zu Adipositas. GSK meldete für das vergangene Jahr einen Umsatzanstieg im Onkologie-Portfolio um 43 Prozent auf knapp unter 2 Milliarden britische Pfund, was rund 6 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht.

Damit liegt GSK noch weit hinter dem britisch-schwedischen Rivalen AstraZeneca zurück, dessen Onkologie-Umsätze im vergangenen Jahr 44 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten. Mit der Nuvalent-Übernahme und dem Versprechen, die Lücke zu schließen, sendet Miels ein klares Signal: GSK will im globalen Krebsmarkt künftig eine deutlich gewichtigere Rolle spielen. GSK hat in diesem Jahr bereits zwei kleinere Deals abgeschlossen und unterstreicht damit den strategischen Fokus auf externes Wachstum.

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