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Griechischer Finanzminister gibt Deutschland Reformempfehlungen

Kyriakos Pierrakakis sieht Deutschland als inspiriert durch griechische Reformen – trotz Schuldenrekord und schwachem Wachstum.

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Griechischer Finanzminister gibt Deutschland Reformempfehlungen

In einem Interview mit dem Handelsblatt hat der griechische Finanzminister Kyriakos Pierrakakis Deutschland zu Reformen ermutigt. Die Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesrepublik mit Rekordschulden und stagnierendem Wirtschaftswachstum kämpft – während Griechenland, einst Epizentrum der Euro-Schuldenkrise, heute als Reformvorbild gilt.

Pierrakakis, der zugleich Präsident der Eurogruppe ist, vermied jedoch direkte Ratschläge an seinen deutschen Kollegen Lars Klingbeil. „Er ist ein großartiger Kollege und braucht keinen Rat von mir“, sagte der Grieche. „So funktioniert Politik ohnehin nicht: Reformen, die in einem Land helfen, werden nicht unbedingt an anderer Stelle erfolgreich sein. Politik dreht sich mehr um Inspiration.“

Griechenlands beeindruckende Wende

Pierrakakis verwies auf die bemerkenswerte Entwicklung seines Landes. „Ich finde es inspirierend, dass wir in der Lage waren, ein Jahrzehnt der Not zu überwinden. Griechenland befand sich mitten in einer existenziellen Krise. Jetzt stehen wir kurz davor, einen historischen Tiefstand bei der Arbeitslosigkeit zu erreichen“, so der Minister.

Tatsächlich sind die Zahlen eindrucksvoll: Griechenland erwirtschaftet primäre Haushaltsüberschüsse, die Wirtschaftswachstumsraten liegen doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Eurozone, und die Arbeitslosigkeit ist auf 7,9 Prozent gesunken – der niedrigste Stand seit 2008. Zudem sind die griechischen Anleiherenditen inzwischen niedriger als die Frankreichs oder Italiens.

„Das ist meiner Ansicht nach die Inspiration, die Griechenland zu bieten hat: Reformen mögen zunächst schmerzhaft sein, aber sie zahlen sich sowohl politisch als auch wirtschaftlich aus“, betonte Pierrakakis.

Deutschland als „industrieller Motor Europas“

Auf die Frage nach seiner Besorgnis über das schwache Wachstum der größten Volkswirtschaft der Eurozone zeigte sich der Eurogruppen-Präsident zuversichtlich. „Deutschland ist der industrielle Motor Europas. Das Land verfügt über enormes Potenzial, Wachstum zu generieren – sowohl im Inland als auch in ganz Europa“, sagte er.

Mit seinem vergleichsweise niedrigen Schuldenstand stehe Deutschland auf einem sehr soliden Fundament. „Ich bin zuversichtlich, dass die Regierung die von ihr angestrebten Reformen umsetzen wird – Reformen, die von der Wirtschaft gewünscht werden“, so Pierrakakis weiter.

Keine neue Staatsschuldenkrise in Sicht

Angesichts weltweit fallender Staatsanleihekurse und steigender Renditen, die in einigen Ländern Niveaus der Finanzkrise erreicht haben, warnte Pierrakakis vor voreiligen Schlüssen. Der Anstieg der Renditen sei kein spezifisches Problem der Eurozone, sondern Folge globaler Faktoren: höhere Energiepreise, steigende Inflationserwartungen und eine hohe Nachfrage nach Kapital, getrieben durch Investitionen in künstliche Intelligenz.

„Die Fundamentaldaten der Eurozone bleiben solide. Regierungen können sich im Vergleich zu den USA oder Großbritannien zu niedrigeren Zinssätzen finanzieren“, stellte der Minister klar. Zudem blieben die Risikoaufschläge zwischen den Ländern der Eurozone begrenzt – ein Ergebnis der Arbeit, die Europa in den letzten Jahren geleistet habe.

Symbolträchtiger Rollentausch

Dass Griechenland heute den Vorsitz der Eurogruppe innehat, ist ein Zeichen dafür, wie radikal sich die Verhältnisse geändert haben. Zwar ist die griechische Wirtschaft immer noch deutlich kleiner als im Jahr 2007 – doch jener Boom vor der Finanzkrise war wohl eher eine Illusion, verursacht durch den Beitritt zum Euro im Jahr 2001 und die darauffolgende Schuldenflut.

Pierrakakis plädierte zudem für „schnelle Fortschritte“ bei der Spar- und Investitionsunion sowie für die Beseitigung intraeuropäischer Handelshemmnisse. Er bedauerte, dass verschiedene „nationale Vorbehalte“ die notwendigen Reformen verlangsamen würden. Die fiskalische Politik werde „zunehmend wichtig“, so der griechische Finanzminister.

Für Deutschland bleibt die Botschaft aus Athen eindeutig: Reformen zahlen sich aus – auch wenn sie zunächst schmerzhaft sind.

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