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Golfkrieg und China treiben Schwefelsäure-Preise gefährlich hoch

Der Konflikt am Persischen Golf und neue chinesische Exportbeschränkungen gefährden die Versorgung mit der weltweit meistgenutzten Chemikalie.

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Golfkrieg und China treiben Schwefelsäure-Preise gefährlich hoch

Der Krieg am Persischen Golf und neue chinesische Exportbeschränkungen haben die Preise für Schwefelsäure in die Höhe getrieben. Damit wachsen die Sorgen um die Verfügbarkeit einer Chemikalie, auf die nahezu jede Industrie weltweit angewiesen ist – von der Lebensmittelproduktion über die Metallverarbeitung bis hin zur Halbleiterfertigung.

Schwefelsäure ist die am häufigsten verbrauchte Chemikalie der Welt. Sie entsteht beim Schmelzen und Raffinieren von Nichteisenmetallen wie Kupfer und Nickel oder beim Verbrennen von Schwefel, einem Nebenprodukt der Öl- und Gasverarbeitung. Im Baumarkt kennen viele sie als extrastarken Abflussreiniger – doch das ist nur ein winziger Bruchteil ihrer tatsächlichen Verwendung.

Eine Chemikalie, die alles berührt

Weitaus bedeutsamer ist der Einsatz von Schwefelsäure in der Schwerindustrie und entlang globaler Lieferketten. Sie wird zur Herstellung von Phosphatdüngern benötigt, die die Welternährung sichern, und zum Auslaugen von Kupfer und anderen Metallen aus Gestein. Darüber hinaus kommt sie bei der Zellstoffgewinnung aus Holz, beim Beizen von Stahl, beim Gerben von Leder und beim Vulkanisieren von Kautschuk zum Einsatz.

Auch in weniger offensichtlichen Bereichen ist Schwefelsäure unverzichtbar: Die kommunale Wasseraufbereitung ist ebenso auf sie angewiesen wie Batterie- und Halbleiterhersteller. Selbst alltägliche Konsumprodukte tragen ihre Handschrift – die Zitronensäure in zuckerhaltigen Getränken und das Siliziumdioxid in Zahnpasta werden mithilfe von Schwefelsäure hergestellt.

Knappe Lagerbestände verschärfen das Risiko

Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht nur im Preisanstieg, sondern in der strukturellen Verwundbarkeit der Versorgungskette. Da Schwefelsäure hochgradig korrosiv ist, gestaltet sich ihr Transport schwierig und kostspielig. Das erklärt Kunal Sinha, der zuvor das Schwefelsäuregeschäft beim Bergbaukonzern Glencore leitete und heute Mitbegründer und CEO des Metallverarbeitungs-Start-ups Valor ist.

Abnehmer halten in der Regel keine großen Mengen an Schwefelsäure vorrätig, da sie eine sorgfältige Handhabung und spezielle Lagertanks erfordert. „In der Pipeline und in den Lagern sind Vorräte für lediglich einige Wochen, mit viel Glück für einen Monat, eingeplant", sagte Sinha. Die Puffer sind damit extrem dünn.

Sinha macht deutlich, wie anfällig das System gegenüber Störungen ist: „Störungen in der Lieferkette, sei es ein Bahnstreik oder die Sperrung der Straße von Hormus, stellen ein Problem dar." Gerade die Straße von Hormus – die strategisch wichtige Meerenge am Ausgang des Persischen Golfs – steht durch den aktuellen Konflikt unter besonderem Druck.

Globale Abhängigkeit rückt ins Bewusstsein

Für deutsche Industrieunternehmen und Anleger verdeutlicht die aktuelle Lage, wie stark globale Lieferketten von geopolitischen Ereignissen abhängen können. Ob Düngemittelproduzenten, Kupferverarbeiter, Chiphersteller oder Wasserversorger – kaum eine Branche ist von einer möglichen Schwefelsäure-Knappheit vollständig abgeschirmt.

Die Kombination aus militärischen Konflikten in einer der wichtigsten Rohstoffregionen der Welt und staatlich gelenkten Exportbeschränkungen aus China zeigt, wie schnell vermeintlich selbstverständliche Industrierohstoffe in den Fokus geopolitischer Risiken geraten können. Die Schwefelsäure-Krise ist damit ein weiteres Warnsignal für die Fragilität globaler Versorgungsstrukturen.

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