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Glencore-Rechtsstreit enthüllt Risiken im Handelskreditmarkt

Ein 2-Milliarden-Dollar-Rechtsstreit zwischen Glencore und Radiant World offenbart die Risiken des Handelskreditmarktes.

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Glencore-Rechtsstreit enthüllt Risiken im Handelskreditmarkt

Der Rohstoffhandel gilt seit jeher als eine der undurchsichtigsten Branchen der Finanzwelt. Ein neuer Rechtsstreit zwischen dem Schweizer Rohstoffriesen Glencore und dem angeschlagenen Eisenerzhändler Radiant World bringt nun die fragilen Verflechtungen zwischen Handelshäusern, Banken und dem Markt für Handelskredite ans Tageslicht. Im Zentrum steht eine Klage über zwei Milliarden US-Dollar, die in Singapur verhandelt wird und tiefe Einblicke in die riskanten Praktiken eines weitgehend unregulierten Marktes gewährt.

Die Geschäftsbeziehung zwischen Glencore und Radiant World reicht bis etwa 2008 zurück. Beide Unternehmen handelten gemeinsam mit Eisenerz, bevor sie 2017 eine folgenschwere Vereinbarung trafen. Ein Glencore-Manager, Radiant-Gründer Pinkesh Nahar und ein weiterer Händler entwickelten ein Modell, bei dem Radiant und verbundene Unternehmen Derivategeschäfte mit Glencore als Gegenpartei abschlossen. Entscheidend war: Verluste sollten vorgetragen statt abgewickelt werden, und die Händler unterlagen nicht den üblichen Sicherungsanforderungen.

Der Kollaps einer milliardenschweren Partnerschaft

Im Sommer 2021 eskalierte die Situation. Die Eisenerzpreise kletterten auf Rekordhochs, während Radiant und seine Tochtergesellschaften große Short-Positionen aufgebaut hatten. Die Verluste türmten sich auf. Glencore forderte die Rückzahlung von 1,1 Milliarden US-Dollar. Radiant stand vor dem Aus.

Doch Nahar handelte einen neuen Deal mit führenden Glencore-Führungskräften aus. Der Rohstoffriese sagte zu, weiter mit Radiant zusammenzuarbeiten, bei der Geldbeschaffung zu helfen und möglicherweise einen Anteil am Geschäft zu übernehmen. Das Ziel: eine Bewertung von fünf Milliarden US-Dollar innerhalb von fünf Jahren. Im Gegenzug sollte Radiant die 1,1 Milliarden US-Dollar langsam tilgen.

Auch dieser Plan scheiterte. Radiant geriet erneut unter Druck – diesmal wegen angeblicher Unstimmigkeiten in der Dokumentation, die seinen Handelsgeschäften zugrunde lag. Radiant wiederum behauptet, diese Unstimmigkeiten gingen auf eine ungewöhnliche Vereinbarung mit Glencore zurück. Der Konzern habe die „wahre Natur“ der Beziehung verschleiern wollen, während er unter Überwachung durch das US-Justizministerium stand. Hintergrund: Glencore hatte sich 2022 in einem Schuldspruch wegen Bestechungsvorwürfen schuldig bekannt.

Glencore reiht sich in den Chor der Kläger ein

Glencore ist inzwischen Teil eines ganzen Kreises von Banken und Finanzinstitutionen, die behaupten, Radiant habe falsche Rechnungen verwendet, um Finanzierungen zu sichern. Im Juli stellte Glencore die Zusammenarbeit mit Radiant nach fast zwei Jahrzehnten ein. Von Radiant offengelegte Dokumente deuten darauf hin, dass das Engagement von Glencore bei 480 Millionen US-Dollar liegt.

Nahar hat stets betont, dass Radiant solvent sei und mehr als eine Milliarde US-Dollar an Vermögenswerten in der Bilanz habe – der Großteil davon Forderungen. Doch Dokumente aus einem einstweiligen Verfügungsverfahren am Londoner High Court zeichnen ein düstereres Bild: Demnach verfügt das Unternehmen nur noch über 10.000 US-Dollar an Barmitteln.

Systemische Risiken für die Finanzwelt

Der Fall ist kein Einzelfall. Vor etwa einem Jahrzehnt begann die Finanzwelt, Rohstoffhändler wie Glencore, Vitol und Trafigura ernst zu nehmen. Nun könnte eine Reihe großer Zusammenbrüche im Handelskreditgeschäft die Kreditgeber zwingen, diesem lange ignorierten Marktsegment mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Internationale Rohstoffhandelshäuser wurden lange unterschätzt – auch von Finanzaufsichtsbehörden und Medien. Dabei sind die größten Gruppen auf dem Niveau etablierter Finanzinstitute mächtig und profitabel. Sie sind tief mit Banken verwoben, von denen sie hohe Kredite aufnehmen, um ihre Aktivitäten zu finanzieren. Der 2-Milliarden-Dollar-Rechtsstreit zwischen Glencore und Radiant zeigt nun, wie fragil dieses Geflecht sein kann.

Weitere Turbulenzen an der Wall Street

Parallel zu diesen Entwicklungen gibt es auch in der Anwalts- und Investmentbanking-Welt bemerkenswerte Verschiebungen. Bei Weil, Gotshal & Manges hat sich der Abgang von Partnern in den letzten Wochen beschleunigt. Der Dealmaker Michael Aiello, Vorsitzender der Corporate Practice mit mehr als 600 Anwälten, wechselte zu Cravath. Fünf weitere M&A-Partner folgten ihm. Sullivan & Cromwell stellte zudem den Leiter der Londoner M&A-Praxis von Weil, David Avery-Gee, sowie Partnerin Sarah Flaherty ein.

Avery-Gee, ein führender europäischer Dealmaker, der unter anderem den vorgeschlagenen Zusammenschluss von Glencore mit Rio Tinto beraten hat, wird künftig die europäische M&A-Praxis von S&C mit leiten. Sein Abgang schwächt das starke europäische Geschäft von Weil erheblich. Ein weiterer Londoner Partner, Murray Cox, wechselt zur Energie- und Infrastrukturpraxis von Simpson Thacher. Innerhalb einer einzigen Woche verlor Weil einen großen Teil seiner erfahrensten M&A-Anwälte an die Konkurrenz.

Secondaries-Fonds entdecken neue Finanzierungswege

Auch im Private-Equity-Sektor zeichnen sich Veränderungen ab. Der Secondaries-Markt, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, hat einen neuen Weg gefunden, Versicherungsgelder einzubringen. Einige Secondaries-Fonds-Manager haben begonnen, sogenannte Net Asset Value (NAV)-Kredite zu tranchieren. Diese Kredite werden gegen den Wert ihrer Anteile an zugrunde liegenden Buyout-Fonds aufgenommen.

Die Senior-Tranchen erhalten zuerst Ausschüttungen aus den Buyout-Fonds, was für Versicherer attraktive Ratingstufen schafft und die Kosten für den kreditnehmenden Secondaries-Fonds senkt. „Vom letzten Jahr in dieses Jahr hinein haben wir mehr strukturierte Schuldtitel gesehen, die dafür konzipiert sind, Anleger mit unterschiedlichen Risikotoleranzen anzuziehen“, sagte Thomas Speller, Co-Leiter der Fund Ratings bei Kroll Bond Rating Agency.

Diese Entwicklung ähnelt den collateralisierten Fondsobligationen (CFO), einem weiteren Finanzierungsinstrument, das die angeschlagenen privaten Märkte stützt. Während CFOs Schuldtitel emittieren, die gegen den Secondaries-Fonds selbst gesichert sind, werden tranchierte NAV-Kredite durch die Anteile des Secondaries-Fahrzeugs an Hunderten von Buyout-Fonds besichert. Secondaries-Fonds haben zunehmend CFOs ausgegeben – von etwas über 400 Millionen US-Dollar im Jahr 2021 auf 6,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.

Die Entwicklungen zeigen: Die Finanzwelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Ob im Rohstoffhandel, in der Anwaltsbranche oder im Private Equity – alte Strukturen bröckeln, neue Risiken entstehen. Für Anleger wird es zunehmend wichtiger, die versteckten Verflechtungen hinter den großen Namen zu verstehen.

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