Glencore: Ferrochromproduktion steigt 29 Prozent im dritten Quartal
Der Rohstoffkonzern fährt seine südafrikanischen Schmelzanlagen schrittweise wieder hoch und meldet zugleich gemischte Ergebnisse bei Kupfer, Kobalt und Kohle.

Glencore hat die Produktion der Eisen-Chrom-Legierung Ferrochrom in den drei Monaten bis zum 30. September deutlich gesteigert. Die zurechenbare Ferrochrom-Produktion legte im Quartalsvergleich um 29 Prozent zu. Grund dafür ist die schrittweise Wiederaufnahme der Ferrochrom-Schmelzprozesse an mehreren südafrikanischen Standorten.
„Wir haben die progressive Wiederinbetriebnahme unserer Ferrochrom-Schmelzanlagen fortgesetzt, wobei Boshoek im September und Wonderkop im Oktober nach Lion zu Beginn des Jahres wieder anliefen. Infolgedessen stieg die zurechenbare Ferrochrom-Produktion 29% quartalsvergleichsweise“, erklärte Glencore-CEO Gary Nagle. Die Standorte Boshoek und Wonderkop liegen in der südafrikanischen Provinz Nordwest, Lion befindet sich in Limpopo.
Der Konzern veröffentlichte seinen Produktionsbericht für das dritte Quartal 2026 am Donnerstag, den 28. Oktober. Glencore ist an den Börsen in London, Johannesburg und Sydney notiert und zählt zu den größten diversifizierten Rohstoffunternehmen der Welt. Für deutsche Anleger ist die Aktie über den Londoner und den Johannesburger Handelsplatz zugänglich.
Die Details
Nagle zeigte sich mit dem Quartalsverlauf insgesamt zufrieden: „Wir freuen uns, eine starke Produktionsleistung im dritten Quartal melden zu können, bei der unsere wichtigsten Anlagen größtenteils entsprechend den Erwartungen und der zuvor kommunizierten Guidance lagen.“
Bei Kupfer meldete Glencore eine eigensourcing-basierte Produktion von 598.600 Tonnen. Das entspricht einem Anstieg von 3 Prozent und liegt 15.100 Tonnen über dem vergleichbaren Zeitraum von 2025. Nach Bereinigung um Kupfer-Verkäufe und die Schließungen der Minen Mount Isa und Kidd lag die Kupferproduktion seit Jahresbeginn 12 Prozent über dem vergleichbaren Zeitraum von 2025. Als Treiber nennt das Unternehmen höhere Abbauraten und verbesserte Gehalte bei African Copper, wo im Quartal 56.700 Tonnen produziert wurden, sowie höhere Gehalte bei Antamina mit 32.300 Tonnen im dritten Quartal.
Deutlich rückläufig entwickelte sich dagegen Kobalt. Die eigensourcing-basierte Kobaltproduktion von 13.700 Tonnen lag 52 Prozent unter dem vergleichbaren Zeitraum von 2025. Als Gründe nennt Glencore das laufende Exportquotensystem für Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo sowie den weiterhin bestehenden Fokus auf die Kupferproduktion. In der Folge wird Kobalt zunehmend in Lösung behalten statt in verkaufbares Hydroxid verarbeitet, wobei der Wert realisiert werden soll, sobald sich die Exportvorschriften weiterentwickeln.
Bei den übrigen Rohstoffen fielen die Zahlen gemischt aus. Die eigensourcing-basierte Zinkproduktion von 547.200 Tonnen lag 23 Prozent niedriger, während die eigensourcing-basierte Nickelproduktion mit 54.600 Tonnen 4 Prozent höher ausfiel. Die zurechenbare Chromerzproduktion von 2.553.000 Tonnen war 7 Prozent niedriger. Die Stahlerzeugerkohle-Produktion von 21,5 Millionen Tonnen lag 13 Prozent unter dem vergleichbaren Zeitraum von 2025. Die Energiekohle-Produktion von 73,9 Millionen Tonnen lag grob im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum von 2025.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.04.2026 berichtete aktien.news, dass Glencore im ersten Quartal 2026 seine Kupferproduktion deutlich gesteigert hatte. Mit 199.600 Tonnen produziertem Kupfer legte das Unternehmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 167.900 Tonnen um 19 Prozent zu. Als Haupttreiber nannte Glencore damals verbesserte Erzgehalte in seinen afrikanischen Betrieben sowie eine höhere Produktion in der Antamina-Mine in Peru.
Schon damals gab das Unternehmen bekannt, dass die Handelssparte weiterhin auf Kurs ist, das obere Ende der jährlichen Gewinnprognose zu übertreffen. Die Prognosespanne für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) der Handelssparte lag für das Gesamtjahr bei 2,3 bis 3,5 Milliarden US-Dollar. Die nun vorgelegten Quartalszahlen knüpfen damit an den Trend des Jahresauftakts an, auch wenn sich die Dynamik zwischen den einzelnen Rohstoffen unterscheidet.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger sind mehrere Punkte relevant. Erstens bestätigt Glencore seine Produktionsguidance für das Gesamtjahr 2026 für die Schlüsselkommoditäten. Nach Angaben von CEO Nagle werden Zink und Energiekohle voraussichtlich im oberen Bereich ihrer jeweiligen Spannen liegen, Kupfer und Stahlerzeugerkohle im unteren Bereich und Nickel etwa in der Mitte.
Zweitens bleibt die Ertragsseite im Fokus. Wie bereits in der Aktualisierung der Marketing-Guidance-Methodik des Unternehmens am 2. Oktober mitgeteilt, erwartet Glencore, dass die marketingbereinigten Earnings Before Interest and Tax (EBIT) für das Gesamtjahr 2026 die Marke von 5 Milliarden US-Dollar überschreiten werden. Diese Größe ist für die Bewertung der Aktie zentral, weil sie die Ergebnisbeiträge des Handelsgeschäfts abbildet.
Drittens zeigt der Bericht, wie stark einzelne Rohstoffsegmente auseinanderlaufen. Während Ferrochrom, Kupfer und Nickel zulegten, gaben Kobalt, Zink, Chromerz und Stahlerzeugerkohle nach. Anleger sollten daher nicht allein auf die Gesamtproduktion schauen, sondern die Entwicklung der einzelnen Kommoditäten getrennt bewerten. Hinzu kommt die geografische Konzentration: Die Ferrochrom-Anlagen stehen in Südafrika, wo regulatorische und logistische Rahmenbedingungen das Geschäft beeinflussen können.
Ausblick
Für das laufende Gesamtjahr bleibt die Produktionsguidance unverändert. Glencore erwartet, dass Zink und Energiekohle am oberen Rand ihrer Spannen abschließen, Kupfer und Stahlerzeugerkohle am unteren Rand und Nickel etwa in der Mitte. Beim marketingbereinigten EBIT rechnet das Unternehmen für 2026 mit einem Wert von mehr als 5 Milliarden US-Dollar. Bei Kobalt will Glencore den in Lösung gehaltenen Wert realisieren, sobald sich die Exportvorschriften in der Demokratischen Republik Kongo weiterentwickeln. Konkrete neue Termine oder zusätzliche Prognosen nannte das Unternehmen in dem Bericht nicht.
Kurz erklärt
- Ferrochrom: Eine Legierung aus Eisen und Chrom, die vor allem in der Herstellung von Edelstahl eingesetzt wird.
- Eigensourcing-basierte Produktion: Fördermenge aus eigenen Minen und Betrieben, ohne zugekaufte Fremdware.
- Zurechenbare Produktion: Menge, die dem Konzern entsprechend seiner Beteiligungsquote zugerechnet wird.
- Marketingbereinigtes EBIT: Ergebnis vor Zinsen und Steuern, bereinigt um Sondereffekte des Handelsgeschäfts.
- Guidance: Die von einem Unternehmen selbst veröffentlichte Prognose für künftige Kennzahlen.
