Geopolitische Risiken: Herausforderungen für Anleger
Strategien zur Sicherung von Investitionen angesichts eskalierender Konflikte und bevorstehender Wahlen

Geopolitische Konflikte sind in den letzten Jahren zu einer der bedeutendsten Bedrohungen für die Finanzmärkte geworden. Besonders besorgniserregend sind derzeit drei Krisenherde: der Nahe Osten, Russland und China. Diese Konflikte können sich schnell auf die Wirtschaft und die Kapitalmärkte auswirken, was Anleger vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Der eskalierende Nahostkrieg ist eine der größten Sorgen der Anleger. Die jüngsten Angriffe des amerikanischen und britischen Militärs auf die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen, nachdem diese Handelsschiffe im Roten Meer angegriffen hatten, haben die Ölpreise um zwei Prozent steigen lassen. Die Sicherheit der wichtigen Schifffahrtsstraßen steht auf dem Spiel, und das beeinflusst die globalen Märkte erheblich.
Die Experten befürchten, dass bei einer Eskalation dieser Konflikte die Aktienkurse um bis zu 40 Prozent einbrechen könnten. Daher ist es für Anleger entscheidend, ihre Portfolios widerstandsfähig zu gestalten. Defensive Aktien, Titel aus den Bereichen Verteidigung, Energie und Datensicherheit sowie hochwertige Staatsanleihen werden als gute Möglichkeiten zur Absicherung gegen geopolitische Risiken betrachtet.
Die jüngste Geschichte hat gezeigt, dass geopolitische Ereignisse erhebliche Auswirkungen auf die Märkte haben können. Die russische Ukraine-Invasion im Jahr 2022 führte zu einem Verlust von rund 20 Prozent des MSCI-Weltaktienindex in nur acht Monaten. Die COVID-19-Pandemie verursachte zwar einen ähnlichen Einbruch, dieser wurde jedoch in kurzer Zeit wieder aufgeholt.
Trotz der laufenden Konflikte befinden sich viele Börsen derzeit nahe ihren Rekordständen. Dennoch warnen Experten davor, diese Ruhe als trügerisch anzusehen. Geopolitik wird voraussichtlich das Jahr 2024 dominieren, und die USA spielen dabei eine Schlüsselrolle.
Früher war Amerika der unbestrittene Weltpolizist und sorgte für relative Ruhe auf den Märkten. Diese Ära ist jedoch vorbei, da China, Russland und andere Mächte die USA herausfordern. Das entstandene machtpolitische Vakuum hat zu Konflikten in vielen Regionen geführt.
Eine akute Bedrohung geht derzeit vom Nahostkrieg aus, bei dem Israel und die USA auf der einen Seite und der Iran mit seinen Stellvertreter-Milizen auf der anderen Seite stehen. Die hohe Anzahl der beteiligten Akteure erhöht die Wahrscheinlichkeit unkontrollierter Entwicklungen. Eine Schließung wichtiger Seewege wie der Straße von Hormus oder des Suezkanals könnte den Ölpreis zeitweise verdoppeln.
Einige Experten glauben jedoch, dass selbst im Fall einer direkten Konfrontation zwischen Israel, den USA und dem Iran die Auswirkungen auf die Wall Street begrenzt sein könnten. In einem solchen Szenario könnte das US-Militär den Iran in Schach halten.
Dennoch gibt es besorgtere Stimmen, die eine Eskalation im Nahen Osten für wahrscheinlicher halten. Israel ist bereit, den Konflikt zu eskalieren, und der Iran beschuldigt Israel bereits für Cyberattacken. Diese Eskalation könnte das Ölangebot am Persischen Golf beeinträchtigen und zu erheblichen Verlusten an den Aktienmärkten führen.
Die Experten verknüpfen die Entwicklung dieser geopolitischen Konflikte eng mit den US-Präsidentschaftswahlen am 5. November. Schlechte Wirtschaftsnachrichten, insbesondere steigende Ölpreise, könnten sich positiv auf Trump auswirken und Biden schaden. Ein erneuter Wahlsieg von Trump wird als möglich angesehen.
Biden steht unter Druck und hat in Umfragen schlechter abgeschnitten als alle amtierenden Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg. Dies birgt geopolitische Risiken, da Biden möglicherweise außenpolitische Maßnahmen ergreifen könnte, um seine Situation zu stabilisieren. Eine Konfrontation mit China oder dem Iran könnte in Betracht gezogen werden.
Ein weiteres potenzielles Konfliktgebiet ist Russland, das wahrscheinlich versuchen wird, die US-Wahlen zu beeinflussen. Dies könnte durch Cyberattacken, eine Begrenzung der eigenen Ölexporte oder andere Einmischungen in den Ölmarkt geschehen. Die US-Regierung müsste dann offensiv reagieren, um einen unbeeinflussten Wahlprozess sicherzustellen.
Eine Eskalation im Osteuropa-Konflikt wird ebenfalls als ernstzunehmendes Risiko angesehen. Wenn es zu einer Konfrontation zwischen Russland und der NATO käme, könnte dies zu einem Einbruch von 40 Prozent an den Aktienmärkten führen.
Neben diesen Konflikten erhebt China Ansprüche auf Taiwan, und ein harter Taiwan-Konflikt könnte zu erheblichen Aktienstürzen führen. Mit den Ergebnissen der Wahlen in Taiwan sind diese Szenarien jedoch weniger wahrscheinlich geworden, obwohl der Druck von Seiten Chinas weiterhin besteht.
In einer Welt mit vielen und unvorhersehbaren Krisenherden empfehlen Experten Anlegern, vorsichtig zu sein. Es wird geraten, die Jahresendrally an den Aktienmärkten für Gewinnmitnahmen zu nutzen und sich auf ein turbulentes Börsenjahr 2024 vorzubereiten. Anleihen sollten gegenüber Aktien bevorzugt werden, insbesondere Staatstitel gegenüber Unternehmensbonds.
