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Geopolitik, Energiepreise und SpaceX-IPO erschüttern Weltmärkte

Der Iran-Israel-Konflikt belastet Energiemärkte, deutsche Industrie und Luftfahrt – während SpaceX mit 1,75 Billionen Dollar Bewertung an die Börse drängt.

Die Weltwirtschaft steht unter erheblichem Druck. Der anhaltende Konflikt zwischen Iran und Israel sorgt für Turbulenzen an den Energiemärkten, stört globale Lieferketten und verunsichert Investoren weltweit. Gleichzeitig kämpft die europäische Industrie mit einer spürbaren Kontraktion, während der Technologiesektor auf historische Börsengänge vorbereitet.

Deutschland, als größte Volkswirtschaft Europas, spürt die Folgen der geopolitischen Instabilität besonders deutlich. Offizielle Daten vom Montag zeigen, dass die deutschen Fabrikaufträge im April um 3,8 Prozent eingebrochen sind – deutlich schlechter als der von Ökonomen erwartete Rückgang von 2,0 Prozent. Der Einbruch folgt auf einen volatilen März, in dem Unternehmen ihre Lagerbestände vorsorglich aufgestockt hatten, aus Angst vor kriegsbedingten Lieferengpässen.

Deutsche Industrie im Abschwung

Besonders hart trifft es die Schlüsselbranchen: Die Elektroausrüstung verzeichnet einen Rückgang von 16,3 Prozent, der Maschinenbau von 7,4 Prozent und die Automobilindustrie von 5,3 Prozent. Das ifo Institut meldet, dass im Mai 15,9 Prozent der deutschen Unternehmen Lieferengpässe meldeten – ein Anstieg gegenüber 13,8 Prozent im April. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte, die deutsche Wirtschaft könnte im zweiten Quartal schrumpfen, und nannte den Iran-Nahost-Konflikt als Haupttreiber der Unsicherheit und der Energiepreisanstiege.

Auch der deutsche Finanzsektor gerät unter Druck. Die Finanzaufsicht BaFin hat eine Untersuchung der Jahresabschlüsse 2024 der DekaBank eingeleitet. Im Fokus steht die Bilanzierung von 478 Millionen Euro an sogenannten Cum-Cum-Steuererstattungsansprüchen aus den Jahren 2013 bis 2018. BaFin vermutet, dass die Bank IFRS-Standards falsch angewendet hat, indem sie diese Forderungen trotz Ablehnung durch die Steuerbehörden als Vermögenswerte verbuchte. DekaBank hat die Mittel bereits zurückgezahlt und besteht auf der Korrektheit ihrer Buchführung.

Luftfahrt und Tourismus unter Druck

Die geopolitischen Spannungen treffen die Reisebranche mit voller Wucht. Der internationale Luftfahrtverband IATA prognostiziert für 2026 einen Rückgang der weltweiten Airline-Gewinne um 50 Prozent. Ausgelöst wird dies durch einen Anstieg der Treibstoffkosten um 100 Milliarden US-Dollar infolge des im Februar ausgebrochenen US-Iran-Konflikts. EasyJet meldete für das erste Halbjahr einen Vorsteuerverlust von 552 Millionen Pfund, Lufthansa rechnet mit 1,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Treibstoffkosten. Eine Ausnahme bildet Ryanair: Die irische Billigfluglinie hat 80 Prozent ihres Sommertreibstoffs abgesichert und verzeichnet dadurch einen Gewinnanstieg von 40 Prozent.

Spanien erlebt derweil ein zwiespältiges Tourismusjahr. Das Land steuert auf 100 Millionen Besucher in 2026 zu – auch weil Touristen vom Nahen Osten auf als sicherer wahrgenommene europäische Ziele ausweichen. Gleichzeitig wächst der Widerstand in der Bevölkerung: In Barcelona und auf den Balearen protestieren Anwohner gegen Overtourism, den sie für die Verschärfung der Wohnungskrise verantwortlich machen. Lokale Behörden reagieren mit der Rücknahme von Kurzzeitvermietungslizenzen und höheren Touristensteuern.

SpaceX-IPO mit Billionen-Bewertung

Trotz des wirtschaftlichen Gegenwinds bereitet sich der Technologiesektor auf einen historischen Börsengang vor. SpaceX strebt eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an – das entspricht dem 94-fachen des aktuellen Umsatzes. Europäische Privatanleger erhalten über Plattformen wie Trade Republic, ING und Commerzbank erstmals Zugang zu diesem Angebot. Das IPO ist bereits überzeichnet, was Analysten zu Warnungen vor Zuteilungsproblemen und möglicher Volatilität nach dem Börsengang veranlasst. Zudem arbeitet das Unternehmen derzeit mit Verlust.

Europäische Halbleiterwerte wie ASML und ASM International zeigen eine gemischte Performance, da Zweifel aufkommen, ob KI-bezogene Investitionen die erwarteten Renditen liefern werden. Die Ergebnisberichte von Oracle und Adobe gelten als wichtige Gradmesser für die Tragfähigkeit des KI-Booms.

Diplomatie und nukleare Sicherheit

Auf diplomatischer Ebene trafen sich am 7. Juni die Staats- und Regierungschefs aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich in London mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, um Bedingungen für einen Waffenstillstand mit Russland zu erörtern. Parallel dazu untersucht die Internationale Atomenergiebehörde IAEA einen Drohnenangriff auf ein Lager für abgebrannte Kernbrennstoffe in der Nähe des Kernkraftwerks Tschernobyl. Obwohl keine Opfer oder erhöhten Strahlungswerte gemeldet wurden, bezeichneten ukrainische Behörden den Vorfall als „nukleare Erpressung". Das Kernkraftwerk Saporischschja verzeichnete zudem seinen 18. Ausfall der externen Stromversorgung.

Lieferketten und Rohstoffe im Fokus

Im Bergbausektor treibt das Unternehmen Pensana die Entwicklung seiner Longonjo-Mine in Angola voran, mit dem Ziel, eine unabhängige Mine-to-Magnet-Lieferkette für Seltene Erden aufzubauen. Das Projekt, das von strategischen Partnerschaften mit Toyota Tsusho und US-nahen Einrichtungen unterstützt wird, soll 2027 in Betrieb gehen.

Das deutsche Startup Qyobo gewinnt derweil an Bedeutung, indem es der US-Regierung hilft, pharmazeutische Lieferketten zu kartieren und die Abhängigkeit von China und Indien zu reduzieren. Für Washington hat Qyobo bereits 3.000 Medikamente analysiert. Versuche, ähnliche Resilienzmodelle deutschen Politikern anzubieten, blieben bislang jedoch ohne Resonanz – obwohl Deutschland bei kritischen Medikamenten wie Betablockern stark von asiatischen Importen abhängig ist.

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