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Fresenius, Rüstung, Streik: Deutschlands Märkte unter Druck

Enttäuschende Prognosen, Handelsspannungen und ein drohender ÖPNV-Streik belasten die deutsche Wirtschaft.

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Fresenius Medical Care hat am Dienstag die Erwartungen der Anleger deutlich verfehlt. Der Dialysespezialist prognostiziert für das laufende Jahr ein weitgehend stabiles Umsatzwachstum – währungsbereinigt. Das operative Ergebnis vor Sonderposten soll auf ähnlichem Niveau bleiben, mit einer möglichen Schwankung von wenigen Prozentpunkten nach oben oder unten.

Analysten hatten hingegen ein Umsatzplus von 4,3 Prozent und ein operatives Gewinnwachstum von 1 Prozent erwartet. Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend harsch aus: Die Aktie verlor im europäischen Mittagshandel 5,9 Prozent und löschte sämtliche Kursgewinne seit Jahresbeginn 2026. Für Anleger ist das ein schmerzhafter Rückschlag.

Rüstungsaktien glänzen im schwachen Marktumfeld

Ein ganz anderes Bild zeigt sich im Rüstungssektor. Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine legten Rüstungstitel deutlich zu – trotz allgemeiner Marktschwäche durch US-Zollunsicherheiten. Rheinmetall, Deutschlands größter Rüstungskonzern, hat seit Kriegsbeginn und der Zeitenwende-Ankündigung von Kanzler Scholz samt dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr einen Kursanstieg von rund 1.690 Prozent verzeichnet.

Auch Hensoldt meldet positive Nachrichten: Der Vorstandsvorsitzende Oliver Dörre verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis Ende 2031. Ihm wird die strategische Neuausrichtung des Unternehmens zum softwaregetriebenen Verteidigungstechnologieanbieter zugeschrieben. Zusätzlich plant die Gabler Group, ein Zulieferer für U-Boote, für den 9. März einen Börsengang – ein weiteres Zeichen für den anhaltenden Boom im Marinebereich.

Heidelberg Materials zeigt sich derweil optimistisch für 2026 und erwartet ein operatives Ergebnis zwischen 3,4 und 3,75 Milliarden Euro. Der Baustoffkonzern setzt auf Stabilisierung in den Kernmärkten, getrieben durch Infrastruktur- und Rüstungsausgaben. Die Rendite auf das investierte Kapital soll dabei über 10 Prozent bleiben.

Handelskonflikte und China-Reise von Kanzler Merz

Auf der politischen Bühne reist Bundeskanzler Merz mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation – darunter Vertreter von VW, BMW und Mercedes-Benz – nach China. Ziel ist es, das massive Handelsdefizit von fast 90 Milliarden Euro im Jahr 2025 zu adressieren und Lieferkettenrisiken zu reduzieren. Besonders die Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden bereitet der Industrie Sorgen: China kontrolliert über 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung.

Gleichzeitig eskalieren die Spannungen mit den USA. Ein führender EU-Handelsgesetzgeber erklärte, die USA hätten die Bedingungen eines im vergangenen Sommer geschlossenen Handelsabkommens verletzt. Das Europäische Parlament pausierte daraufhin die Ratifizierung. Die USA haben einen universellen Importzoll von 10 Prozent verhängt, mit Drohungen einer Erhöhung auf 15 Prozent. Die EU erwägt Gegenmaßnahmen über ihr Anti-Zwangs-Instrument (ACI), doch Deutschland und andere Mitgliedstaaten zeigen sich zurückhaltend.

Deutsche Exporteure stehen vor wachsender Komplexität bei US-Zollvorschriften. Germany Trade and Invest (GTAI) betont, dass eine pauschale Einschätzung nicht möglich sei – jede Produktgruppe erfordere eine individuelle Analyse. Diese Unsicherheit belastet die Exportwirtschaft zusätzlich.

Zweitägiger ÖPNV-Streik droht ab Freitag

Im Inland droht erhebliche Bewegungseinschränkung: Die Gewerkschaft ver.di hat für Freitag und Teile des Samstags zu einem bundesweiten Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr aufgerufen. Betroffen sind Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen in nahezu allen Bundesländern. Die Deutsche Bahn – inklusive Regional- und Fernverkehr sowie S-Bahnen – ist nicht betroffen.

ver.di fordert bessere Arbeitsbedingungen: kürzere Arbeitszeiten, längere Ruhezeiten und höhere Schichtzuschläge. Lohnverhandlungen in mehreren Regionen kommen kaum voran. Der letzte Warnstreik am 2. Februar hatte bereits zu erheblichen Verkehrsstaus und erhöhter Taxi-Nachfrage geführt.

Am Automobilmarkt gab es ebenfalls wenig Erfreuliches: Die Neuzulassungen in Europa sanken im Januar um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Plug-in-Hybride legten um 6,2 Prozent zu und erreichten einen Marktanteil von 38,6 Prozent, während reine Elektrofahrzeuge auf 19,3 Prozent kamen. Insgesamt werden Experten zufolge jährlich rund 2,5 Millionen Fahrzeuge weniger verkauft als noch 2019 – ein strukturelles Problem für die Branche.

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