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Fed ringt um Kurs ohne Datenbasis

Shutdown blockiert wichtige Statistiken und erschwert Powells Zinsentscheidung

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Fed ringt um Kurs ohne Datenbasis

Die US-Notenbank Federal Reserve steht inmitten einer kritischen geldpolitischen Phase ohne verlässliche Datengrundlage da. Seit Beginn des Haushaltsstreits im Kongress sind weite Teile der US-Regierung lahmgelegt, wodurch zentrale Wirtschaftsstatistiken nicht mehr erhoben und veröffentlicht werden können. Für Fed-Chef Jerome Powell erschwert sich damit die Vorbereitung auf den nächsten Zinsentscheid Ende Oktober erheblich. Innerhalb der Notenbank herrscht Uneinigkeit über das weitere Vorgehen: Rund die Hälfte der Entscheidungsträger befürwortet deutliche Zinssenkungen, während der Rest einen vorsichtigeren Kurs einschlagen will. Normalerweise stützen sich die Diskussionen auf aktuelle Konjunkturdaten – doch genau diese fehlen nun.

Auslöser der Situation ist der fehlende Übergangshaushalt. Republikaner drängen auf Kürzungen im Gesundheitswesen, was die Demokraten ablehnen. Da keine Einigung erzielt wurde, trat der sogenannte „Shutdown“ in Kraft. Zahlreiche Behörden mussten große Teile ihrer Belegschaft in den Zwangsurlaub schicken, darunter auch die Behörde für Arbeitsmarktstatistik. Nach Regierungsplänen blieb lediglich eine einzige Mitarbeiterin im Dienst, während mehr als 2000 Beschäftigte freigestellt wurden. Hintergrund dieser Einstufung ist, dass die Behörde nicht mehr als systemrelevant gilt, nachdem Präsident Donald Trump öffentlich Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Daten geäußert und die Leitung entlassen hatte.

Die Folgen sind weitreichend. Der monatliche Arbeitsmarktbericht, ein zentraler Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung, wurde nicht veröffentlicht. Auch bei anderen wichtigen Daten wie den Inflationszahlen ist unklar, ob sie termingerecht erscheinen. Fachleute betonen, dass gerade an einem möglichen wirtschaftlichen Wendepunkt verlässliche Daten entscheidend für fundierte Entscheidungen seien. Solange der Stillstand anhält, verzögert sich auch die Erhebung weiterer Kennzahlen, was die Analyse der Konjunktur erheblich erschwert.

Beobachter warnen vor den Risiken für die Fed. Ohne aktuelle Daten muss das geldpolitische Gremium Entscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen treffen. Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sprach davon, dass die Fed „im Nebel stochert“. Damit steigt die Gefahr von Fehlentscheidungen, die nicht nur die US-Wirtschaft betreffen. Da die US-Zinspolitik weltweit Auswirkungen auf Kreditkosten und Finanzmärkte hat, spielen die Beschlüsse der Federal Reserve auch für Europa eine wichtige Rolle.

Powell sieht sich zusätzlich dem politischen Druck des Präsidenten ausgesetzt. Trump kritisiert seit Monaten, die Fed habe zu spät und zu zögerlich auf die wirtschaftliche Lage reagiert. Er fordert deutliche Zinssenkungen und hat mehrfach versucht, Einfluss auf die Zusammensetzung des Fed-Vorstands zu nehmen. Ende Oktober muss Powell erneut eine Zinsentscheidung leiten – wie schon während des fünfwöchigen Shutdowns 2018/19. Ob bis dahin die Regierungsarbeit wieder aufgenommen wird und die fehlenden Konjunkturdaten rechtzeitig vorliegen, ist offen.

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