Fed-Protokoll: Wachsende Offenheit für Zinserhöhungen bei März-Sitzung
Das März-Protokoll der US-Notenbank zeigt: Mehr Entscheidungsträger als zuvor erwägen Zinserhöhungen angesichts hartnäckiger Inflation und Nahost-Krieg.

Die US-Notenbank Federal Reserve veröffentlichte am Mittwoch das Protokoll ihrer Sitzung vom 17. bis 18. März – und es offenbart eine zunehmend gespaltene Notenbank. Eine wachsende Gruppe von Entscheidungsträgern hielt Zinserhöhungen für möglich, sollte die Inflation weiterhin über dem 2%-Ziel der Fed verharren. Besonders der Ausbruch des US-israelischen Krieges mit dem Iran am 28. Februar hatte die geldpolitische Debatte neu entfacht.
„Einige Teilnehmer vertraten die Auffassung, dass vieles für eine zweiseitige Beschreibung der künftigen Zinsentscheidungen spreche", heißt es im Protokoll. Damit ist gemeint, dass die Fed in ihrer offiziellen Erklärung signalisieren sollte, die Zinsen künftig sowohl senken als auch anheben zu können. Letztlich wurde diese Formulierung bei der März-Sitzung jedoch nicht übernommen – die bestehende Ausrichtung auf weitere Zinssenkungen blieb bestehen.
Krieg im Nahen Osten als geldpolitischer Störfaktor
Der Konflikt im Nahen Osten ließ den Ölpreis um mehr als 50% in die Höhe schnellen und störte die weltweite Schifffahrt erheblich. „Viele Teilnehmer" wiesen auf das Risiko hin, dass die Inflation angesichts eines anhaltenden Anstiegs der Ölpreise länger als erwartet erhöht bleiben könnte. Sollten die höheren Energiepreise anhalten, „wäre es wahrscheinlicher, dass höhere Inputkosten auf die Kerninflation durchschlagen", so das Protokoll.
Einige Teilnehmer äußerten zudem Bedenken, dass die längerfristigen Inflationserwartungen nach mehreren Jahren einer Inflation über dem Zielwert empfindlicher auf Energiepreissteigerungen reagieren könnten. Die Teilnehmer kamen zu dem Schluss, dass das Risiko einer dauerhaft über dem Zielwert liegenden Inflation zugenommen habe und die Fortschritte in Richtung des 2%-Ziels langsamer als erwartet ausfallen könnten.
Die Fed hielt ihren Leitzins im März unverändert in der Spanne von 3,50% bis 3,75%. Gleichzeitig verwies sie auf die neue Unsicherheit, die der Krieg für die wirtschaftlichen Aussichten mit sich gebracht hatte. In den neuen Wirtschaftsprognosen rechneten die Beamten mit einer höheren Inflation für das Jahr, sahen aber kaum Veränderungen bei der Arbeitslosenquote.
Zinssenkungen bleiben Basisszenario – trotz Inflationsrisiken
Trotz der hawkischen Töne sahen „viele Teilnehmer" Zinssenkungen weiterhin als Teil ihres Basisszenarios an. „Die meisten Teilnehmer" gingen sogar davon aus, dass ein längerer Konflikt im Nahen Osten dem Wirtschaftswachstum so großen Schaden zufügen würde, dass noch stärkere Senkungen gerechtfertigt wären. Ein langwieriger Konflikt könnte die Kaufkraft der Haushalte verringern, die Finanzbedingungen verschärfen und das Wachstum im Ausland bremsen.
Damit zog der Nahost-Konflikt die Fed in gegensätzliche Richtungen: Einerseits drohte er die Inflation weiter anzufachen, andererseits gefährdete er das Vollbeschäftigungsmandat der Notenbank. Die Fed signalisierte, dass sie ihren Leitzins wahrscheinlich erst dann ändern werde, wenn klarer sei, welches Risiko – Inflation oder schwächerer Arbeitsmarkt – das größere darstelle.
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Zur AktienanalyseWaffenstillstand sorgt für Entspannung an den Märkten
Das Protokoll wurde einen Tag nach der Einigung auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran veröffentlicht. Diese Nachricht ließ die Ölpreise um mehr als 15% auf rund 92 US-Dollar pro Barrel fallen. Die Aktienmärkte zeigten sich vom restriktiven Ton des Protokolls unbeeindruckt und legten in der Hoffnung auf eine dauerhafte Beilegung des Konflikts zu.
Händler von Zinsfutures reduzierten ihre Wetten auf eine Lockerung der Fed im weiteren Jahresverlauf geringfügig. Wetten auf eine Zinserhöhung blieben jedoch vernachlässigbar. Verglichen mit der Januar-Sitzung, bei der nur „einige" Beamte bereit waren, die Tür für eine straffere Geldpolitik zu öffnen, zeigt das März-Protokoll dennoch eine deutlich breitere Offenheit für mögliche Erhöhungen – ein Signal, das Anleger im Blick behalten sollten.


