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Family Offices setzen auf Old-Economy-Betriebe statt KI-Aktien

Autohäuser, Fischereien und Brücken: Familieninvestoren meiden KI-Disruption mit anlagenintensiven Nischenbetrieben der Old Economy.

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Family Offices setzen auf Old-Economy-Betriebe statt KI-Aktien

Equity Group Investments (EGI), die Investmentgesellschaft der Familie des verstorbenen Milliardärs Sam Zell, verfolgt eine ungewöhnliche Strategie: Das Unternehmen hält Beteiligungen an einem John-Deere-Händler, einer Blauflossenthunfisch-Fischerei in Baja California und einer Fußgängerbrücke zwischen San Diego und dem internationalen Flughafen von Tijuana. Was auf den ersten Blick wie ein zusammenhangloses Sammelsurium wirkt, folgt einer klaren Investmentlogik: der Fokus auf Unternehmen der sogenannten Old Economy.

Mark Sotir, Präsident von EGI, erklärt die Strategie damit, dass diese Unternehmen weniger anfällig für Disruptionen durch künstliche Intelligenz und andere Technologien seien. Dieser Ansatz gewann Anfang des Jahres an der Wall Street unter dem Begriff „HALO" an Fahrt – ein Akronym für „Heavy Assets, Low Obsolescence", also sachwertstark mit geringer Veralterungsgefahr. Der sogenannte „Anti-KI-Trade" spricht vor allem langfristig orientierte Investoren an.

Warum Family Offices besonders gut positioniert sind

Family Offices – also private Vermögensverwaltungen wohlhabender Familien – wenden laut Sotir bereits dieselbe Strategie auf privaten Märkten an. Der entscheidende Vorteil: Sie investieren über Generationen hinweg und schätzen den stabilen Cashflow, den Old-Economy-Unternehmen häufig liefern. Wirtschaftliche Unsicherheit und aktuelle Steuerreformen haben Beteiligungen an diesen anlagenintensiven Unternehmen zusätzlich attraktiver gemacht.

Anlagenintensive Betriebe schrecken traditionelle Private-Equity-Investoren ab, die typischerweise innerhalb von drei bis sieben Jahren kaufen und wieder verkaufen wollen. Genau hier sieht Sotir eine Chance für Family Offices: Sie können solche Unternehmen mit einem Preisabschlag erwerben, weil der Wettbewerb um diese Assets geringer ist.

Das in den USA verabschiedete Gesetz, das oft als „One Big Beautiful Bill" bezeichnet wird, verschafft den Eigentümern dieser Unternehmen einen weiteren Vorteil: Es verlängert die sogenannte Bonus Depreciation – eine Sonderabschreibung, die es Unternehmen erlaubt, die vollständigen Kosten für qualifizierte Vermögenswerte wie Maschinen oder Fahrzeuge bereits im ersten Nutzungsjahr steuerlich abzusetzen. Handelt es sich um eine aktive Beteiligung, kann diese Abschreibung mit Einkünften aus anderen aktiven Anlagen wie Aktien verrechnet werden – ein erheblicher Vorteil für Familien mit hoch bewerteten Aktienbeständen.

Autohäuser und Händler als Paradebeispiele

Automobil- und Landmaschinenhändler sind laut Joe Mowery, Leiter des Bereichs Dealership Investment Banking bei Stephens, besonders prädestiniert dafür, von Sonderabschreibungen zu profitieren. Sie erfüllen zudem weitere wichtige Kriterien für Familien: verlässlicher Cashflow und strukturelle Widerstandsfähigkeit. Zwar können Inflation und andere wirtschaftliche Trends die Kaufkraft der Verbraucher für Fahrzeuge und Ausrüstung belasten – das Ersatzteil- und Servicegeschäft jedoch sei widerstandsfähig und weise hohe Margen auf, so Mowery.

EGI hält beispielsweise John-Deere- und Kenworth-Händler. Dank der jeweiligen Franchise-Bedingungen müsse sich Sotir keine Sorgen machen, dass ein konkurrierender Händler derselben Marke in unmittelbarer Nähe eröffnet. Solche geografischen „Burggräben" schützen das Geschäftsmodell nachhaltig vor Wettbewerb – ein Aspekt, den Sotir als zentrales Auswahlkriterium bezeichnet.

Auch die Blauflossenthunfisch-Fischerei in Baja California profitiert von hohen Markteintrittsbarrieren: Fangquoten begrenzen den Wettbewerb erheblich und sichern die Marktposition bestehender Betreiber. Solche regulatorischen Schutzwälle sind für langfristig orientierte Investoren besonders wertvoll.

Steigende Anfragen aus der Landwirtschaft

Im Gegensatz zu klassischen Private-Equity-Firmen steht EGI nicht unter dem Druck, Kapital innerhalb bestimmter Fristen investieren zu müssen. Das familiengeführte Unternehmen tätigt in der Regel lediglich ein bis zwei Transaktionen pro Jahr. Diese Zurückhaltung erlaubt es, selektiv und zu günstigen Konditionen zu investieren.

Sotir berichtet, dass EGI zuletzt vermehrt Anfragen von Geschäftsinhabern erhält, die durch Zölle, Inflation und andere Faktoren unter Druck geraten sind. Besonders in der Landwirtschaft sieht er attraktive Möglichkeiten: Die Betriebe stünden unter enormem Stress, unter anderem durch steigende Kosten für Düngemittel und Treibstoff. EGI könne es sich leisten, auf eine Rendite zu warten – ein Luxus, den institutionelle Investoren selten haben.

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