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EZB warnt vor Euro-Stablecoins und blockiert riskante Fördervorschläge

Die EZB lehnte in Nikosia Vorschläge zur Lockerung von Liquiditätsregeln für Stablecoin-Emittenten als Gefahr für Bankenstabilität ab.

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EZB warnt vor Euro-Stablecoins und blockiert riskante Fördervorschläge

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beim informellen Treffen der EU-Finanzminister in Nikosia, Zypern, am Freitag deutlichen Widerstand gegen Vorschläge zur Förderung von Euro-Stablecoins signalisiert. Laut drei mit der Sache vertrauten Insidern warnte die EZB, dass entsprechende Maßnahmen die Kreditvergabe der Banken einschränken und die Steuerung der Zinssätze erschweren könnten.

Auslöser der Debatte war ein Arbeitspapier der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, verfasst von den Ökonomen Lucrezia Reichlin, Bo Sangers und Jeromin Zettelmeyer. Darin fordern die Autoren eine Lockerung der Liquiditätsanforderungen für Krypto-Emittenten sowie einen potenziellen Zugang zu EZB-Finanzierungen. Ziel sei es, den europäischen Stablecoin-Markt zu stärken, der derzeit von auf US-Dollar basierenden Token dominiert wird.

EZB und Lagarde: Sorgen um Bankenstabilität

EZB-Präsidentin Christine Lagarde gehörte zu den Zentralbankern, die dem Vorschlag unmittelbar widersprachen. Die Befürchtung: Bei der Emission eines Stablecoins wird das Geld des Käufers auf das Konto des Emittenten überwiesen und wird damit zu einer weniger stabilen Finanzierungsquelle für die Bank. In größerem Maßstab könnte dies die sogenannte Desintermediation beschleunigen – also die Umgehung klassischer Banken – und durch steigende Refinanzierungskosten die Kreditvergabekapazität des Bankensektors einschränken.

Mehrere Zentralbanker stellten zudem den Bruegel-Vorschlag infrage, die EZB zu einem „Lender of Last Resort" – also einem Kreditgeber letzter Instanz – für Stablecoin-Unternehmen zu machen. Diese Rolle ist bislang ausschließlich dem regulierten Bankensektor vorbehalten. Lagarde hatte sich bereits Anfang Mai skeptisch gegenüber Euro-Stablecoins geäußert und stattdessen für tokenisierte Geschäftsbankeinlagen plädiert, die Sicherheit traditioneller Konten mit der Geschwindigkeit der Distributed-Ledger-Technologie verbinden sollen.

Die Finanzminister bei dem Treffen äußerten geteilte Meinungen zu dem Vorschlag. Mehrere Zentralbanker bekräftigten zudem die Forderung nach EU-Vorschriften, um zu verhindern, dass Inhaber von Stablecoins ihre Token in Europa einlösen und europäische Emittenten damit einem Run auf die Reserven aussetzen könnten.

Digitale Dollarisierung als Gegenargument

Die Bruegel-Ökonomen hatten argumentiert, dass eine im Vergleich zu den USA strengere EU-Regulierung das Risiko berge, Aktivitäten aus dem Block zu verdrängen und die sogenannte „digitale Dollarisierung" zu verstärken. Zentralbanker, die während des Treffens das Wort ergriffen, spielten diese Sorge jedoch herunter.

Der Vergleich mit den USA ist durchaus relevant: Der 2025 verabschiedete US-amerikanische GENIUS Act sieht weniger strenge Anforderungen vor als die seit 2024 geltende EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR). MiCAR verpflichtet Stablecoin-Emittenten, einen großen Teil der Reserven in Bankeinlagen und anderen liquiden Mitteln zu halten. Die EU-Kommission überprüft diese Verordnung derzeit.

Die Zahlen verdeutlichen das Ungleichgewicht: Das globale Stablecoin-Angebot wuchs im vergangenen Jahr um rund ein Drittel auf 300 Milliarden US-Dollar. Auf Euro lautende Stablecoins machen davon lediglich 0,3 Prozent aus. Der größte Euro-Stablecoin, Circle's EURC, rangiert weltweit nur auf Platz 20. Gleichzeitig entfielen im letzten Quartal 2024 immerhin 38 Prozent der weltweiten Stablecoin-Transaktionen auf in Europa ansässige Nutzer.

Qivalis-Konsortium und digitaler Euro als Alternativen

Trotz der regulatorischen Zurückhaltung schreiten private Initiativen voran. Ein Konsortium europäischer Banken im Rahmen des Qivalis-Projekts ist auf 37 Institutionen in 15 Ländern angewachsen und plant, noch in diesem Jahr einen auf Euro lautenden Stablecoin auf den Markt zu bringen. Frühere, kleinere Initiativen gab es bereits von der Société Générale.

Stablecoins werden hauptsächlich für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt, bei denen eine Banküberweisung teurer wäre – eine Verwendung, die die EZB grundsätzlich befürwortet. Sie dienen auch als Zahlungsmittel für andere Kryptowährungen wie Bitcoin. Dass sie nicht risikofrei sind, zeigte der Zusammenbruch des TerraUSD-Tokens im Jahr 2022 eindrücklich.

Die Debatte findet vor dem Hintergrund verstärkter Bemühungen zur Stärkung der europäischen Zahlungsautonomie statt. Die EU-Finanzminister bekräftigten beim Treffen in Nikosia, die Arbeit am digitalen Euro fortzusetzen, dessen Einführung die EZB für 2029 anstrebt. Auch dieses Projekt stößt auf Widerstand von Banken, die befürchten, dass Einlagen von ihnen abgezogen werden könnten.

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