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EZB-Ratsmitglied Rehn sieht keine Zweitrundeneffekte bei Inflation

Olli Rehn äußert sich in London zu Inflation, Arbeitsmarkt und EU-Schuldtiteln.

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EZB-Ratsmitglied Rehn sieht keine Zweitrundeneffekte bei Inflation

EZB-Ratsmitglied Olli Rehn hat sich am Donnerstag bei einer Veranstaltung in London zur aktuellen wirtschaftlichen Lage im Euroraum geäußert. Der Finne betonte, dass derzeit keine klaren Anzeichen für sogenannte Zweitrundeneffekte bei der Inflation erkennbar seien. Damit meint die Notenbank eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale, bei der steigende Preise zu höheren Lohnforderungen führen, die wiederum die Inflation weiter anheizen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) befinde sich angesichts der jüngsten wirtschaftlichen Schocks in einer soliden Ausgangslage, so Rehn weiter. Die Situation habe sich im Vergleich zu früheren Phasen deutlich gewandelt. Dies ist eine wichtige Entwarnung für Anleger, die befürchtet hatten, die Inflation könnte sich in der Eurozone verfestigen.

Arbeitsmarkt entspannt sich merklich

Bezüglich des Arbeitsmarktes stellte Rehn fest, dass dieser nicht mehr die ausgeprägte Anspannung aufweise, die nach der russischen Invasion in der Ukraine und der Post-COVID-Krise im Jahr 2022 zu beobachten war. Damals hatten Lieferkettenprobleme und der Energiepreisschub zu einer historisch hohen Inflation geführt. Dennoch werde die Zentralbank den Arbeitsmarkt sowie weitere Wirtschaftsdaten weiterhin genau beobachten, versicherte das EZB-Ratsmitglied.

Im Hinblick auf die Geldpolitik unterstrich Rehn, dass die EZB über ein Instrumentarium an „tragfähigen Werkzeugen“ verfüge, um eine reibungslose Transmission der geldpolitischen Maßnahmen sicherzustellen. Dabei behalte man auch die politische Landschaft in Europa aufmerksam im Blick – insbesondere die anstehenden Wahlen in Ländern wie Frankreich im kommenden Jahr.

Rehn spricht sich für gemeinsame EU-Schuldtitel aus

Neben geldpolitischen Themen äußerte sich Rehn auch zu finanzpolitischen und strategischen Fragen. Er sprach sich explizit für die Nutzung gemeinsam begebener EU-Schuldtitel aus, um die Verteidigungsfähigkeiten der Region zu stärken. Dies sei aus seiner Sicht „absolut sinnvoll“. Das ist ein bemerkenswertes Statement, da die Frage gemeinsamer Anleihen in der EU traditionell hoch umstritten ist.

Im Bereich der Bankenregulierung plädierte Rehn dafür, bürokratische Hürden abzubauen, ohne dabei die Stabilität der Kapitalpuffer zu gefährden. Diese erachtet er weiterhin als kritisch für den Finanzsektor. Die Balance zwischen Deregulierung und Stabilität bleibt damit ein zentrales Thema für die europäischen Finanzmärkte.

EU bei Künstlicher Intelligenz im Hintertreffen

Abschließend nahm Rehn zur technologischen Entwicklung Stellung. Er merkte an, dass die Europäische Union zwar bei ethischen Leitlinien für Künstliche Intelligenz eine Vorreiterrolle einnehme, jedoch im internationalen Vergleich hinter den USA und China zurückliege. Dies mache eine verstärkte internationale Zusammenarbeit erforderlich.

Für deutsche Anleger sind die Aussagen Rehns insgesamt positiv zu werten. Die Entwarnung bei den Zweitrundeneffekten und die Entspannung am Arbeitsmarkt deuten darauf hin, dass die EZB ihren geldpolitischen Kurs fortsetzen kann, ohne die Konjunktur übermäßig zu belasten. Die Forderung nach mehr Effizienz in der Bankenregulierung und gemeinsamen Verteidigungsanleihen könnte zudem langfristig die europäischen Kapitalmärkte stärken.

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