EY verliert vier Partner nach Shell-Prüfungsskandal und Compliance-Verstößen
Big-Four-Gesellschaft muss nach Regelverstößen bei Shell-Audit personelle Konsequenzen ziehen und Mandat verlieren

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat nach schwerwiegenden Compliance-Verstößen bei der Prüfung von Shell vier Partner verloren. Wie die Financial Times unter Berufung auf öffentliche Unterlagen und informierte Kreise berichtet, verließen die Partner das Unternehmen im Dezember 2024. Der Abgang erfolgte, während EY versuchte, die Folgen des Skandals einzudämmen.
Unter den ausgeschiedenen Partnern befindet sich Gary Donald, der die Shell-Prüfung leitete. Ein weiterer Partner hatte erst wenige Monate zuvor eine Position in der obersten Führungsebene von EY übernommen. Der Personalabgang markiert einen erheblichen Reputationsschaden für eine der weltweit führenden Big-Four-Prüfungsgesellschaften.
Shell wechselt zu PwC
Shell hat Anfang Februar 2025 nach einem Ausschreibungsverfahren PricewaterhouseCoopers (PwC) als neuen Abschlussprüfer benannt. PwC wird EY ab dem Jahr 2027 ablösen. Der Wechsel erfolgt nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit zwischen Shell und EY.
Der Ölkonzern hatte bereits im Juli 2024 in einer Mitteilung an die Aufsichtsbehörden erklärt, dass EY gegen fundamentale Prüfungsregeln verstoßen habe. Konkret geht es um die Vorschrift, dass Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ihren leitenden Prüfungspartner alle fünf bis sieben Jahre wechseln müssen – eine zentrale Maßnahme zur Wahrung der Unabhängigkeit.
Britische Aufsicht ermittelt
Der britische Financial Reporting Council (FRC) hat im Dezember 2024 eine formelle Untersuchung eingeleitet. Die Behörde prüft die EY-Prüfung des Shell-Jahresabschlusses 2024 auf potenzielle Verstöße gegen die Regeln zur Rotation von Prüfungspartnern. Solche Verstöße können zu erheblichen Bußgeldern und weiteren aufsichtsrechtlichen Maßnahmen führen.
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Zur AktienanalyseDie Rotation von Prüfungspartnern gilt in der Branche als essenzielles Instrument, um zu verhindern, dass zu enge Beziehungen zwischen Prüfern und Mandanten die Unabhängigkeit gefährden. Der Fall wirft Fragen über die internen Kontrollmechanismen bei EY auf.
Weder EY noch Shell waren für eine unmittelbare Stellungnahme zu den Partnerabgängen erreichbar. Die Entwicklung dürfte die Diskussion über Prüfungsqualität und Compliance-Strukturen bei den Big Four weiter befeuern.


