Epic Games bestätigt großen KI-Wandel bei Fortnite-Entwicklung
Fortnite-Hersteller Epic Games stellt die Spieleentwicklung auf maximale KI-Beschleunigung um – CEO Tim Sweeney bestätigt einen massiven Wandel.

Der Entwickler des Erfolgsspiels „Fortnite", Epic Games, vollzieht nach Angaben von Firmenchef Tim Sweeney einen „massiven Wandel" hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in der Entwicklung seiner Videospiele. Der CEO des US-Unternehmens kündigte diesen Schritt über soziale Medien an und erklärte, die Entwickler würden darauf umgestellt, sich „für maximale KI-Beschleunigung neu auszurüsten". Damit rückt der Konzern eine Debatte in den Mittelpunkt, die die Spielebranche seit Monaten beschäftigt.
Auslöser der Ankündigung sind offenbar Berichte von Bloomberg, wonach Epic die Veröffentlichung einer Zusammenarbeit mit Disney verschoben hat. Das Projekt soll Figuren aus den Marken Star Wars und Marvel umfassen. BBC Newsbeat hat sich bezüglich des verstärkten KI-Einsatzes sowie der gemeldeten Verzögerung bei dem Disney-Projekt an Epic Games gewandt.
Details zu dem Spiel wurden bislang nicht bekannt gegeben. Bloomberg berichtete jedoch, dass die Entwickler angewiesen wurden, KI-Tools zur Fertigstellung einzusetzen. Demnach hätten Direktoren den Mitarbeitern mitgeteilt, es gebe „keinen handgeschriebenen Code mehr", und sämtliche Kunstwerke des Spiels würden „vollständig mit KI-Workflows generiert".
Die Details
Epic-Gründer und CEO Sweeney äußerte sich öffentlich nicht zur Disney-Kooperation, bestätigte jedoch weitere Details zur Nutzung von KI im Unternehmen durch eine Reihe von Posts auf der Plattform X. Er betonte, das Ziel sei nicht, „dieselben Dinge mit weniger Personal zu erledigen". Vielmehr gehe es darum, Entwicklern Werkzeuge an die Hand zu geben, um „mehr" und „bessere Produkte" zu schaffen – etwas, das er als „ermächtigend" für Kreativarbeiter bezeichnete.
Die Reaktionen in den sozialen Medien fielen nicht durchgehend positiv aus. Eine Antwort auf Sweenys X-Thread, die 14.000 Likes erhielt, warf ihm vor, die Stimmung im Raum nicht richtig zu erfassen. Sweeney antwortete daraufhin: „Ein großer Teil dieses Raums möchte, dass wir im Jahr 2016 stehen, aber das ist nicht so." Weiter sagte er: „Unsere Aufgabe als Anbieter von Tools und Technologien für einen Großteil der Branche besteht darin, für die gegenwärtige Realität und die Zukunft, die bald kommen wird, zu designen."
Sweeney bezeichnete den Ausbau des KI-Einsatzes als „bescheidenes Ziel, um die KI-Revolution zu überleben" und am Ende „schneller besseren Code und Inhalte zu produzieren". Die Ankündigung erfolgt sechs Monate, nachdem Epic bestätigt hatte, mehr als 1.000 Mitarbeiter zu entlassen. Damals führte Sweeney den Stellenabbau auf einen „Rückgang" der Fortnite-Nutzung zurück – nicht auf KI.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Nachricht fügt sich in eine Reihe von Entwicklungen, über die aktien.news bereits berichtet hat. Bereits am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass Google mit dem Projekt Genie ein KI-System vorgestellt hat, das die Videospielbranche grundlegend verändern könnte. Das als „Weltmodell" bezeichnete Tool ermöglicht es Nutzern, komplette interaktive Spielumgebungen zu erschaffen – ohne traditionelle Programmierkenntnisse. Das System nutzt Googles KI-Technologien Gemini und Nano Banana, um vielfältige virtuelle Welten mit spielbaren Charakteren zu generieren.
Am 08.10.2026 folgte der nächste Schritt: Google stellte eine Plattform namens „Playground" vor, mit der Nutzer Videospiele anhand einfacher Texteingaben erstellen können. Das Produkt wurde gemeinsam mit dem Spiele-Tool-Entwickler Unity präsentiert. Damit geht der Big-Tech-Konzern Partnerschaften ein, um anspruchsvollere Spielerfahrungen zu bieten, während künstliche Intelligenz die Branche auf den Kopf stellt.
Auch auf Seiten des Disney-Konzerns gab es Bewegung. Am 04.02.2026 berichtete aktien.news, dass Disney Josh D'Amaro zum neuen CEO ernannt hat. Der bisherige Vorsitzende des Geschäftsbereichs Erlebnisse, der Themenparks und Kreuzfahrtschiffe umfasst, übernimmt damit die Führung des 102 Jahre alten Unterhaltungskonzerns. Am 21.09.2026 folgte die nächste Personalie: Disney ernannte Karandeep Anand, den bisherigen CEO des KI-Startups Character.AI, zu seinem ersten Chief Technology Officer (CTO). Anand verantwortet künftig die interne Technologie und Infrastruktur von Disney sowie die Daten- und KI-Plattformen und berichtet direkt an CEO Josh D'Amaro.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger ist die Ankündigung vor allem ein Signal dafür, wie tief KI inzwischen in die Wertschöpfungskette der Spieleindustrie eindringt. Epic Games ist nicht börsennotiert, doch die Entwicklung betrifft eine ganze Reihe von Unternehmen: Disney als Lizenzgeber großer Marken, Google und Unity als Anbieter von KI- und Entwicklungsplattformen sowie die breite Masse der Spieleentwickler, die ihre Produktionsprozesse umstellen.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Der KI-Vorstoß kommt nur sechs Monate nach dem Abbau von mehr als 1.000 Stellen bei Epic. Sweeney hatte den Stellenabbau damals ausdrücklich auf einen „Rückgang" der Fortnite-Nutzung zurückgeführt und nicht auf KI. Anleger sollten die Aussage, wonach KI nicht für Personalabbau, sondern für „mehr" und „bessere Produkte" eingesetzt werden soll, daher im Kontext dieser Vorgeschichte lesen.
Zugleich zeigt die Debatte um die Disney-Kooperation, dass KI in der Spieleentwicklung nicht nur eine technische, sondern auch eine arbeitsmarktpolitische Dimension hat. Bereits im Jahr 2025 reichte die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA eine Beschwerde wegen des Einsatzes von KI ein, um die Stimme des Star-Wars-Schurken Darth Vader in „Fortnite" nachzubilden. Solche Konflikte können Lizenz- und Produktionspläne verzögern – ein Risiko, das Investoren im Blick behalten sollten.
Ausblick
Konkrete Termine für die Veröffentlichung des Disney-Projekts nannte Epic bislang nicht. Bloomberg berichtete lediglich von einer Verschiebung. Auch Details zum Spiel selbst wurden noch nicht bekannt gegeben. Sweeney hat angekündigt, dass die Entwickler sich „für maximale KI-Beschleunigung neu ausrüsten" sollen – wie sich das auf künftige Produkte auswirkt, bleibt abzuwarten.
Die Einordnung aus der Branche fällt gespalten aus. Lisha Howen, hauptberufliche Spieledesignerin und Live-Streamerin für „Fortnite", erklärt, sie sei „nicht grundsätzlich gegen KI", lehne jedoch deren vollständigen Einsatz zur Generierung von Kunstwerken und Grafiken ab. „Ich habe Freunde, die Spieledesigner sind und KI nutzen, um beim Schreiben von Code unterstützt zu werden", sagt die 23-Jährige, die nicht für Epic arbeitet. „Und ich kenne Künstler, die überhaupt keine KI nutzen, weil Künstler, insbesondere in der Spieleindustrie, sie ablehnen, da sie ihre Jobs gefährdet sieht."
Howen ergänzt: „Man merkt sofort, wenn etwas von KI generiert wurde; es sieht schrecklich aus, wirkt billig und führt dazu, dass Menschen ihre Jobs und ihr Einkommen verlieren." Dennoch glaubt sie nicht, dass die Debatte die Spieler vom Flaggschiff-Spiel von Epic fernhält. Zwar spiele eine „lautstarke Minderheit" Fortnite, die Kernspielerschaft kümmere sich jedoch „wenig um die externen politischen Aspekte". Ihr Fazit: „Sie werden einfach weiter spielen, als wäre nichts geschehen."
Kurz erklärt
- Künstliche Intelligenz (KI): Sammelbegriff für Computersysteme, die Aufgaben übernehmen, für die üblicherweise menschliches Denken nötig wäre.
- KI-Workflow: Eine Arbeitskette, in der KI-Werkzeuge einzelne oder mehrere Produktionsschritte automatisiert übernehmen.
- Weltmodell: Ein KI-System, das die physische Welt verstehen und nicht nur Sprache verarbeiten soll.
