SpaceX sagt vor New Yorker Stadtrat zu KI-Sicherheit aus
Nach einem Ladebescheid will SpaceX nun doch vor dem Technologieausschuss des New Yorker Stadtrats zur KI-Sicherheit aussagen.

SpaceX hat sich bereit erklärt, vor dem Stadtrat von New York City auszusagen. Das teilte der Rat am Dienstag mit. Die Anhörung findet am Freitag um 10:00 Uhr Eastern Time vor dem Technologieausschuss statt. Damit endet ein wochenlanger Streit über die Aussagebereitschaft des Unternehmens von Elon Musk.
Hintergrund ist eine legislative Untersuchung des Stadtrats zu den Sicherheitsrisiken durch künstliche Intelligenz (KI). Die Aussage von SpaceX ist Teil dieser Untersuchung. Zuvor hatte der Rat einen Ladebescheid (Subpoena) erlassen, um die Aussage zu erzwingen. Der Stadtrat eröffnete seine Untersuchung nach einem Monat intensiver Debatten über die Risiken, die von fortschrittlichen KI-Modellen ausgehen.
Julie Menin, Sprecherin des Rates, und Nwamaka Ejebe, General Counsel, hatten den Ladebescheid am 28. September gegen Elon Musk und die KI-Einheit von SpaceX erlassen. Er sollte eine Aussage für eine Anhörung erzwingen, die bereits in der vergangenen Woche stattfand. Vertreter von Anthropic, OpenAI, Google und Meta sagten am 5. Oktober in der Anhörung aus. SpaceX erschien jedoch nicht.
Die Details
Menin erklärte in der Erklärung vom Dienstag, SpaceX habe sich zwei Tage später zur Aussage bereit erklärt. Zuvor hatte der Rat angekündigt, den Ladebescheid von einem Richter vollstrecken zu lassen. Der Rat hatte zudem gewarnt, dass die "Nichtbefolgung" des Ladebescheids das Unternehmen gemäß den Gesetzen und Vorschriften der Stadt New York Strafen oder anderen Sanktionen aussetzen könnte.
Carmen De La Rosa, Vorsitzende des Technologieausschusses, sagte CNBC in einer Erklärung, der Rat erwarte Antworten von SpaceX. Das Unternehmen reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
In seinem ursprünglichen Brief, der Musk oder einen anderen SpaceX-Führungsverantwortlichen zur Aussage aufforderte, hieß es, die Untersuchung werde dazu beitragen, "zu beurteilen, ob schnell entstehende Risiken für die öffentliche Sicherheit, Cybersicherheit, wirtschaftliche Stabilität, Privatsphäre, Verbraucher und Unternehmen sofortige legislative Maßnahmen zum Schutz der New Yorker erforderlich machen".
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Stadtrat von New York City am Montag eine Vorladung an Elon Musk erlassen hatte. Sie verpflichtete ihn oder einen anderen Vertreter von SpaceXAI, im Rahmen einer Untersuchung zu den Sicherheitsrisiken der künstlichen Intelligenz auszusagen. Das Schreiben war vom Vorsitzenden des Stadtrats, Julie Menin, und einer Anwältin des Gremiums, Nwamaka Ejebe, unterzeichnet. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob schnell aufkommende Risiken für die öffentliche Sicherheit, die Cybersicherheit, die wirtschaftliche Stabilität, den Datenschutz sowie für Verbraucher und Unternehmen sofortige gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der Einwohner von New York erforderlich machen.
Am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie von SpaceX im nachbörslichen US-Handel deutlich nachgegeben hat. Auslöser war die Bekanntgabe unerwartet hoher Ausgaben für den Geschäftsbereich Künstliche Intelligenz, die einen insgesamt starken ersten Quartalsbericht überlagerten. Die Anteilscheine brachen im nachbörslichen Handel um rund 7 Prozent ein. Hintergrund war die Mitteilung, dass die Investitionsausgaben im zweiten Quartal auf etwa 18,4 Milliarden US-Dollar angestiegen sind – ein Wert, der die Erwartungen der Analysten offenbar deutlich übertraf.
Bereits am 04.04.2026 berichtete aktien.news über den Druck von Elon Musk auf die Banken des geplanten Börsengangs von SpaceX. Laut einem Bericht der New York Times soll er die beteiligten Geldhäuser aufgefordert haben, Abonnements für seinen KI-Chatbot Grok zu erwerben. Mehrere Banken sollen bereits zugestimmt haben, jährlich zweistellige Millionenbeträge in US-Dollar für den Dienst auszugeben, und haben mit der Integration in ihre IT-Systeme begonnen. Zu den federführenden Banken des geplanten SpaceX-IPOs zählten laut Reuters einige der größten Wall-Street-Häuser – darunter Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Vorgang vor allem ein Reputations- und Regulierungsrisiko. SpaceX ist seit Juni börsennotiert und wird nun mit mehr als $2 trillion bewertet. Das Unternehmen konkurriert auf dem KI-Markt mit Anthropic und OpenAI, wobei Grok den Modellen der führenden Wettbewerber deutlich hinterherhinkt. Die Bewertung hängt damit zunehmend an der Frage, ob SpaceX im KI-Geschäft aufholen kann.
Hinzu kommt rechtlicher Druck: Gegen SpaceX häufen sich Klagen, nachdem der Bildgenerator von Grok die Massenproduktion und Verbreitung von Deepfake-Porno basierend auf Bildern realer Personen ermöglichte, die nicht zugestimmt hatten. Solche Verfahren können finanzielle Belastungen und weitere regulatorische Aufmerksamkeit nach sich ziehen. Der Ausgang der Anhörung in New York dürfte daher auch für die Wahrnehmung des Unternehmens an den Märkten relevant sein.
Auch die Integration der KI-Aktivitäten spielt eine Rolle. Im Februar hatte Musk sein KI-Unternehmen xAI in SpaceX integriert und so ein Konglomerat geschaffen, das auch seine Grok-Modelle umfasst, die von einigen Bundesbehörden, einschließlich des Pentagon, genutzt werden. Im August schloss SpaceX zudem die Übernahme des KI-Coding-Startups Cursor für $60 billion ab. Damit bündelt das Unternehmen mehrere KI-Bereiche unter einem Dach – und trägt entsprechend auch die regulatorischen Risiken dieser Bereiche.
Die Untersuchung in New York reiht sich in eine breitere Debatte über die Risiken fortschrittlicher KI-Modelle ein. Der Stadtrat hatte sie nach einem Monat intensiver Beratungen eröffnet. Im Zentrum steht die Frage, ob die bestehenden Regeln ausreichen oder ob die Stadt selbst tätig werden muss.
Ausblick
Der Stadtrat erwartet nach den Worten von Carmen De La Rosa Antworten von SpaceX. Die Anhörung ist für Freitag um 10:00 Uhr Eastern Time angesetzt. Ob der Rat nach der Aussage legislative Maßnahmen ergreift, ist im Quelltext nicht angegeben. Klar ist: Die Untersuchung soll klären, ob sofortige gesetzgeberische Schritte zum Schutz der New Yorker erforderlich sind.
Kurz erklärt
- Ladebescheid (Subpoena): Eine behördliche oder gerichtliche Anordnung, mit der eine Person oder ein Unternehmen zur Aussage oder Herausgabe von Unterlagen verpflichtet wird.
- Deepfake: Ein mit KI erzeugtes, täuschend echtes Medienprodukt, das reale Personen in nicht stattgefundenen Situationen zeigt.
- Konglomerat: Ein Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss mehrerer Geschäftsbereiche oder Firmen unter einem Dach entsteht.
