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Energiekrise: Eskalation im Nahen Osten treibt Öl- und Gaspreise

Eskalation im Nahen Osten treibt Öl auf 99 Dollar und Gas in die fünfte Gewinnwoche.

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Energiekrise: Eskalation im Nahen Osten treibt Öl- und Gaspreise

Die globalen Energiemärkte stehen unter erheblichem Druck. Die eskalierenden militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten verschärfen die Sorgen vor massiven Versorgungsunterbrechungen. Der Ölpreis für Brent-Rohöl notiert kurz vor der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, während die europäischen Erdgaspreise trotz einer leichten Konsolidierung zum Wochenschluss ihre fünfte Gewinnwoche in Folge verzeichneten.

Geopolitische Risiken als Preistreiber

Die Spannungen haben sich durch direkte militärische Konfrontationen zwischen den USA und dem Iran sowie durch Angriffe auf kritische Infrastruktur weiter zugespitzt. Besonders besorgniserregend sind die Angriffe auf Öltanker und US-Basen in Jordanien sowie die Aktivitäten der Huthi-Rebellen. Diese besetzten unter anderem den Hafen von Mocha und gefährden die Sicherheit in der Straße von Hormus – einem Nadelöhr für rund 20 Prozent der weltweiten Flüssigerdgas-Exporte (LNG).

Analysten von OCBC warnen, dass die Angriffe auf saudische Energieanlagen und die Zerstörung iranischer Tanker das Risiko lang anhaltender Versorgungsstörungen massiv erhöhen. Die Straße von Hormus gilt als einer der strategisch wichtigsten Energie-Transitpunkte der Welt. Eine Blockade oder auch nur eine anhaltende Beeinträchtigung der Schifffahrt dort hätte unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Öl- und Gasmärkte.

Marktreaktionen bei Gas und Öl

Der niederländische Erdgas-Benchmark-Kontrakt gab am Freitag zwar um 2,5 Prozent auf 77,60 Euro pro Megawattstunde (MWh) nach, nachdem er zuvor ein Hoch von 79,64 Euro erreicht hatte. Dennoch steht für die Woche ein Zuwachs von 12,1 Prozent zu Buche. Ähnlich verhielt es sich beim britischen NBP-Kontrakt, der nach einem Anstieg auf fast 198 Pence pro Therm leicht nachgab, aber ein Wochenplus von 12,6 Prozent verbuchte.

Am Ölmarkt stieg Brent-Rohöl um 1,3 Prozent auf 99,22 US-Dollar, während WTI bei 94,13 US-Dollar notierte. Priyanka Sachdeva von Phillip Nova betont, dass die 100-Dollar-Marke nicht nur ein psychologischer Meilenstein sei, sondern ein Warnsignal für die Weltwirtschaft darstelle. Ein dauerhafter Verbleib oberhalb dieser Schwelle könnte die Konjunktur in vielen Industrie- und Schwellenländern empfindlich treffen.

Versorgungslage bleibt angespannt

Die europäische Gasversorgung bleibt angespannt. Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen, dass die Speicherstände mit etwa 67 Prozent unter dem fünfjährigen Saisondurchschnitt liegen. Erschwert wurde die Befüllung durch sommerliche Hitzewellen, Wartungsarbeiten in Norwegen und eine ungünstige Preisstruktur (Backwardation). Diese Marktsituation, bei der kurzfristige Lieferungen teurer sind als langfristige, erschwert die wirtschaftliche Einlagerung von Gas.

Für Deutschland und andere europäische Länder ist die Lage besonders kritisch. Die Gasspeicher sind das zentrale Puffersystem für die Wintermonate. Liegen die Füllstände bereits im September unter dem Durchschnitt, steigt das Risiko von Versorgungsengpässen bei länger anhaltender Kälteperiode.

Wirtschaftliche Folgen werden sichtbar

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte auf die durch steigende Energiekosten getriebene Inflation mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent. Höhere Energiepreise heizen die Verbraucherpreise an und zwingen die Notenbanken zu einer strafferen Geldpolitik, was wiederum die Konjunktur belastet.

Auch in Asien wächst die Sorge, dass die hohen Energiepreise die wirtschaftliche Erholung gefährden könnten. Viele Volkswirtschaften dort sind stark von Energieimporten abhängig und haben kaum Möglichkeiten, kurzfristig auf alternative Lieferanten auszuweichen. Die Marktteilnehmer beobachten nun genau, ob die anhaltenden Spannungen in den maritimen Korridoren zu einer dauerhaften Verknappung der globalen Energieflüsse führen werden.

Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen, drohen nicht nur höhere Preise an den Tankstellen und für die Gasheizung, sondern auch eine spürbare Belastung für die gesamte Wirtschaftsaktivität in Europa und darüber hinaus. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Diplomatie eine Deeskalation erreichen kann oder ob die Energiemärkte vor einer neuen Phase extremer Volatilität stehen.

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