Ehemaliger Exxon-CEO Lee Raymond mit 87 Jahren verstorben
Der legendäre Ölmanager formte Exxon Mobil zum zeitweise größten und profitabelsten Unternehmen der Welt.

Lee Raymond, einer der einflussreichsten Ölmanager der modernen Wirtschaftsgeschichte, ist am Samstag im Alter von 87 Jahren in Dallas verstorben. Das teilte seine Familie mit. Raymond stand mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze von Exxon und hinterließ einen bleibenden Abdruck in der globalen Energiebranche.
Unter seiner Führung wandelte sich Exxon von einem breit aufgestellten Mischkonzern – der von Kernbrennstoffen bis hin zu Büroartikeln alles verkaufte – zu einer hochspezialisierten Erdölmaschine. Diese Fokussierung zahlte sich aus: Das Unternehmen lieferte durch die Höhen und Tiefen schwankender globaler Rohölpreise hinweg beständig branchenführende Gewinne. Zeitweise galt Exxon Mobil als das größte und profitabelste Unternehmen der Welt.
Architekt der größten Industriefusion seiner Zeit
Raymonds wohl bedeutendster Coup war die persönlich ausgehandelte Übernahme von Mobil im Jahr 1999 für rund 80 Milliarden US-Dollar. Diese Transaktion galt damals als die größte industrielle Fusion der Geschichte und schuf den Energiegiganten Exxon Mobil, der bis heute zu den schwergewichtigsten Konzernen der Welt zählt. Für deutsche Anleger und Beobachter der Energiemärkte war dieser Deal ein Meilenstein, der die globale Ölbranche grundlegend neu ordnete.
Raymond war als selbsternannter Mikromanager bekannt, der die weltweiten Aktivitäten und Finanzen des Unternehmens bis ins kleinste Detail prüfte. Im Zuge seiner Umstrukturierungsmaßnahmen strich er bei Exxon tausende Stellen – eine Entscheidung, die seinen Ruf als harter, unnachgiebiger Führungsmann festigte. Innerhalb des Konzerns brachte ihm seine gelegentlich griesgrämige Art schließlich den Spitznamen „Iron Ass" ein.
Krisenmanager und kompromissloser Verhandler
Raymond leitete auch die Reaktion auf eine der folgenreichsten Umweltkatastrophen der US-Geschichte: das Unglück des Öltankers Exxon Valdez im Jahr 1989 im Prince William Sound in Alaska. Die Havarie des Tankers verursachte eine massive Ölpest und zog jahrelange rechtliche Auseinandersetzungen nach sich. Raymond führte die Verhandlungen mit US-Bundesbehörden über die Aufräumarbeiten mit demselben kampflustigen Stil, der zum Markenzeichen von Exxon wurde – ebenso wie in Streitigkeiten mit ausländischen Staaten über Vertragskonditionen.
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Zur AktienanalyseDieser unnachgiebige Stil prägte die gesamte Unternehmenskultur von Exxon nachhaltig. Raymond bemerkte oft, dass er sich wünschte, die Unternehmenszentrale in der Nähe von Dallas mit dem Wort „Rohöl" zu schmücken – damit die Mitarbeiter nie den Fokus darauf verlören, „was wir hier eigentlich erreichen wollen". Diese Aussage verdeutlicht seine klare, kompromisslose Philosophie: Exxon sollte ein Ölunternehmen sein und bleiben, ohne Ablenkung durch branchenfremde Geschäftsfelder.
Lee Raymond hinterlässt ein Unternehmen, das er von Grund auf neu definiert hat. Sein Vermächtnis ist bis heute in der Strategie und Struktur von Exxon Mobil spürbar – einem der mächtigsten Energiekonzerne der Welt.


