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Drei Anlagemythen entlarvt: So schaden sie Ihrem Portfolio

Vergleiche mit Indizes, blindes Kopieren von Buffett und passive Fonds – drei Überzeugungen auf dem Prüfstand.

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Drei Anlagemythen entlarvt: So schaden sie Ihrem Portfolio

Ein großer Teil der Finanzbranche predigt Botschaften, die sich wie Weisheit anhören, aber in Wahrheit bequeme Mythen sind. Sie halten Anleger davon ab, ihr eigenes Geld selbstbewusst zu verwalten. Eine fünfteilige Serie auf Investing.com hat sich dieser Mythen angenommen. Das vierte Kapitel, „Investing Myths Dismantled“, zerlegt drei der größten Irrtümer mit gnadenloser Logik.

Die Kernfrage lautet: Wenn die Mathematik so klar sagt, dass man große Verluste vermeiden, Bewertungen respektieren und auf das Timing achten sollte – warum predigt die Branche dann das Gegenteil? Die Antwort ist einfach: Bequemlichkeit verkauft sich gut.

Mythos 1: Der Vergleich mit dem Index

Vom ersten Tag an wird Anlegern der S&P-500-Index als Maßstab vorgesetzt. Wer ihn übertrifft, gewinnt – wer hinterherhinkt, verliert. Wall Street liebt diese Tabelle, denn sie hält Anleger in Bewegung. Sie jagen dem Fonds hinterher, der im Vorjahr den Index geschlagen hat, und wiederholen denselben Fehler.

Das Problem: Der Vergleich mit dem Index ist manipuliert. Aktienrückkäufe, Substitutionen, fehlende Steuern und keine Handelskosten verhelfen dem Index zu einer scheinbaren Überperformance. Noch wichtiger: Der Index leidet unter einem Survivorship-Bias. Unternehmen, die bankrottgingen oder übernommen wurden, werden stillschweigend aus der Aufzeichnung gelöscht. Ein reales Portfolio erhält diesen „magischen Radierer“ nie.

Der einzige Benchmark, der zählt, sind die eigenen Ziele. „Relative Renditen kann man nicht essen“, schreiben die Autoren. Fällt der Markt um 20 Prozent und das eigene Portfolio um 19 Prozent, hat man den Index geschlagen – aber trotzdem fast ein Fünftel verloren. Im echten Leben fühlt sich niemand reicher, weil er weniger verloren hat als der Index.

Mythos 2: Werden Sie wie Warren Buffett

Das zweite Anlagemythos trägt ein freundlicheres Gesicht: Kaufen Sie gute Unternehmen und halten Sie sie für immer – so wie Warren Buffett. Doch das ist eine Karikatur des größten Investors aller Zeiten.

Buffett ist bis ins Mark ein Value-Investor. Er schätzt den wahren Wert eines Unternehmens und kauft erst, wenn der Preis eine breite Sicherheitsmarge bietet. Er kann jahrelang auf einem riesigen Bargeldhaufen sitzen und warten. Vor allem aber: Er verkauft. Die Geschichte vom „Kaufen und Für-Ewig-Halten“ ist das Gegenteil eines Mannes, der preislich rücksichtslos diszipliniert ist.

Sein Bargeldhaufen schwillt an, wenn der Markt teuer ist, und schrumpft, wenn er billig ist. Buffett nennt Bargeld „Sauerstoff“ – billig, unaufregend, aber absolut notwendig. Zudem investiert er permanentes Kapital, das kein Kunde im falschen Moment abziehen kann. Privatanleger haben ein begrenztes Leben, eine echte Frist und Geld, das jederzeit benötigt werden könnte. Die Lücke zwischen Buffett und normalen Anlegern ist nicht Talent – sie ist strukturell.

Mythos 3: Passiv gewinnt immer

Der dritte Mythos ist der verlockendste: Kaufen Sie einfach den Index, halten Sie die Kosten niedrig, und Sie schlagen fast jeden. Niedrige Kosten sind tatsächlich mächtig. Doch „Passiv gewinnt immer“ verbirgt einen Mechanismus, der stillschweigend Risiko aufbaut.

Ein Indexfonds kauft keine guten Unternehmen – er kauft große. Da der S&P 500 nach Größe gewichtet ist, fließt jeder Dollar am stärksten in das, was bereits am größten ist, unabhängig von Preis oder Qualität. Die zehn größten Aktien sind auf mehr als ein Drittel des gesamten Index angewachsen, fast doppelt so viel wie vor einem Jahrzehnt.

Die Folge: Eine winzige Handvoll Namen bestimmt die Richtung für fast jeden Rentenkonto im Land. Besitzt man einen S&P-Indexfonds, einen Nasdaq-Fonds und einen Technologie-ETF, besitzt man nicht drei verschiedene Dinge – sondern dieselbe Handvoll riesiger Unternehmen dreifach. In einer Krise verschwindet die ohnehin geringe Diversifikation, da Korrelationen gegen eins eilen und alles gleichzeitig fällt.

Passives Geld fragt nie, was etwas wert ist. Der Markt driftet weg von einer Bewertungsmaschine hin zu einer reinen Momentum-Maschine. Steigen die Kurse, fließen passive Zuflüsse – fallen sie, werden dieselben Unternehmen am härtesten getroffen.

Fazit: Wachsamkeit statt Bequemlichkeit

Alle drei Mythen liefern dieselbe Botschaft: Überlassen Sie Ihr Geld anderen. Die Antwort ist nicht ein besserer Guru oder ein clevererer Index. Es sind die eigenen Ziele, das eigene Risiko und die eigene, endliche Zeit. „Die Mythen wollen, dass Sie passiv sind. Die Mathematik will, dass Sie wach sind“, so die Autoren.

Indexfonds sind nicht böse, und niedrige Kosten sind real. Doch Anleger sollten sie mit offenen Augen besitzen und wissen, was sie tatsächlich halten. Das fünfte und letzte Kapitel der Serie wird praktische Regeln geben, wie man das „Langzeit-Spiel“ im Investieren gewinnt.

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