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Deutschlands Lebensmittelpreise steigen, bleiben aber im EU-Vergleich günstig

Discounter-Mentalität und starke Konkurrenz halten Preise trotz Inflation auf niedrigem Niveau

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Deutschlands Lebensmittelpreise steigen, bleiben aber im EU-Vergleich günstig

Die Lebensmittelpreise in Deutschland sind seit dem Beginn des Ukrainekriegs um fast 26 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg ist deutlich höher als in Ländern wie Italien oder Frankreich, wo die Preise um 19 beziehungsweise 21 Prozent gestiegen sind. Trotz dieser signifikanten Erhöhung zahlen die deutschen Verbraucher immer noch weniger für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs als in anderen europäischen Ländern. Dies geht aus einer Analyse des Londoner Marktforschungsunternehmens Circana hervor, die im Auftrag des Handelsblatts durchgeführt wurde.

In einem Vergleich von sechs Ländern, die zusammen über 70 Prozent des europäischen Lebensmittelmarktes ausmachen, zeigt sich, dass ein Warenkorb mit 32 typischen Produkten in Deutschland etwa 72 Euro kostet. Im Vergleich dazu müssen Verbraucher in Frankreich für den gleichen Warenkorb 105 Euro zahlen, was 45 Prozent mehr ist. Der Durchschnittspreis in den sechs Ländern liegt bei rund 83 Euro. Besonders auffällig ist, dass 13 der 32 Produkte in Deutschland am günstigsten sind, darunter Butter, Schokolade und Joghurt. Kein einziges Produkt war in Deutschland am teuersten.

Ein wesentlicher Grund für die vergleichsweise niedrigen Lebensmittelpreise in Deutschland ist die sogenannte "Geiz-ist-geil"-Mentalität der Verbraucher. Diese Mentalität wird durch die starke Präsenz von Discountern wie Aldi und Lidl verstärkt, die in Deutschland einen Marktanteil von über 40 Prozent haben. Zum Vergleich: In Frankreich liegt der Anteil der Discounter bei nur zehn Prozent. Dieser große Marktanteil der Discounter zwingt auch andere Händler wie Edeka und Rewe dazu, ihre Preise niedrig zu halten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dies führt dazu, dass die preisgünstigeren Eigenmarken des Handels in Deutschland einen großen Anteil am Umsatz ausmachen, während sie in Ländern wie Italien oder Frankreich weniger verbreitet sind.

Interessanterweise zeigen die deutschen Verbraucher trotz der relativ niedrigen Preise eine hohe Sensibilität gegenüber Preissteigerungen. Studien zeigen, dass die Preise in deutschen Supermärkten seit Anfang 2022 um fast 21 Prozent gestiegen sind, was der geringste Anstieg in den untersuchten Ländern ist. Trotzdem klagen viele deutsche Haushalte über die steigenden Preise. Experten erklären dies damit, dass die deutschen Verbraucher im Supermarkt sehr preisfokussiert sind und selbst marginale Preisunterschiede stark wahrnehmen.

Auf der anderen Seite profitieren deutsche Produzenten von den höheren Preisen im Ausland. So berichten Unternehmen, dass sie im Ausland deutlich profitabler wirtschaften können, da die Margen in Deutschland aufgrund der starken Konkurrenz deutlich geringer sind. Dies liegt auch daran, dass in Deutschland nur wenige große Handelsketten den Markt dominieren, was den Erzeugern gegenüber den Händlern eine schwächere Verhandlungsposition verschafft.

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