Datadog-Aktie setzt steile Verluste nach durchwachsenem Gewinnbericht fort
Die Prognose für das vierte Quartal liegt nur knapp über dem Umsatz des dritten Quartals – die Anleger reagieren enttäuscht.

Die Aktie von Datadog hat am frühen Mittwoch deutlich an Wert verloren und setzt damit ihren steilen Abwärtstrend nach dem Gewinnbericht fort. Auslöser war eine durchwachsene Finanzprognose, die das Unternehmen für seine Observability-Software vorgelegt hat. Die Papiere des Cloud-Monitoring-Spezialisten gerieten damit erneut unter Druck.
Im Zentrum der Enttäuschung steht die Umsatzprognose für das vierte Quartal. Datadog (Ticker: DDOG) stellt für diesen Zeitraum Erlöse zwischen 1,19 Milliarden US-Dollar und 1,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Andrew Sherman, Analyst bei der US-Investmentbank TD Cowen, wies darauf hin, dass diese Spanne „genau im Einklang“ mit den Erwartungen der Analysten lag.
Entscheidend ist für die Anleger die Wachstumsdynamik. Selbst am oberen Ende der Prognosespanne impliziert die Guidance nach Shermans Rechnung ein Plus von lediglich 3 Millionen US-Dollar gegenüber dem im dritten Quartal erzielten Gesamtumsatz von 1,197 Milliarden US-Dollar. Ein derart marginales Wachstum reicht offenbar nicht aus, um die hohen Erwartungen zu erfüllen, die der Markt an den Titel knüpft.
Die Prognose liegt nur knapp über dem Umsatz des dritten Quartals
Die Zahlen machen deutlich, wie eng die neue Guidance am zuletzt berichteten Umsatzniveau liegt. Zwischen dem oberen Ende der Spanne von 1,2 Milliarden US-Dollar und dem dritten Quartal mit 1,197 Milliarden US-Dollar liegt rechnerisch nur eine Differenz von 3 Millionen US-Dollar. Der untere Rand der Prognose von 1,19 Milliarden US-Dollar liegt sogar leicht unter dem Wert des Vorquartals.
Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie stark das Unternehmen im vierten Quartal überhaupt noch wachsen kann. Die Spanne von 1,19 bis 1,2 Milliarden US-Dollar bildet den Rahmen, den Datadog selbst für den Umsatz vorgibt. Analyst Sherman ordnete diese Spanne ausdrücklich als im Rahmen der Konsenserwartungen liegend ein – ein Umstand, der die Enttäuschung an der Börse erklärt.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur jüngeren Unternehmensgeschichte. In den vergangenen Quartalen hatte Datadog mehrfach mit deutlichen Wachstumsraten überzeugt. Nun fällt die Prognose für das Schlussquartal vergleichsweise verhalten aus, was die Anleger mit Kursverlusten quittieren.
Bereits am 29.10.2026 hatte TD Cowen Datadog als Top-Pick für die Berichtssaison genannt
Bereits am 29.10.2026 berichtete aktien.news, dass TD Cowen Datadog als eine seiner Top-Aktien für die anstehende Berichtssaison zum dritten Quartal identifiziert hatte. Die Bank erwartete für den Quartalsbericht eine starke Leistung mit einem Umsatzwachstum von etwa 35 Prozent – deutlich oberhalb der Unternehmensprognose von 29 Prozent. Nach Einschätzung von TD Cowen dürfte sich das Kernwachstum vom oberen Bereich von -20 Prozent auf mehr als 30 Prozent beschleunigen. Als Treiber nannte die Bank positive Impulse durch den Einsatz künstlicher Intelligenz sowie starke Ausgabenabsichten der Kunden. Zugleich galt der 4. November als Termin für die Vorlage der Zahlen.
Am 06.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Datadog-Aktie nach der Veröffentlichung der damaligen Quartalszahlen unter Druck geraten war. Obwohl das Unternehmen sowohl beim Umsatz als auch beim Ausblick die Konsensschätzungen der Analysten übertraf, reagierten die Anleger enttäuscht – der Grund war, dass die Erwartungen schlicht noch höher lagen. Datadog hatte sich im bisherigen Jahresverlauf mit einer mehr als verdoppelten Aktie in eine schwierige Ausgangslage manövriert, weil eine solch starke Kursperformance enormen Druck erzeugt, die Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern deutlich zu übertreffen.
Am 10.02.2026 meldete aktien.news, dass Datadog die Erwartungen der Wall Street für das vierte Quartal deutlich übertroffen hatte. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 953,2 Millionen US-Dollar, während Analysten lediglich mit 916,6 Millionen Dollar gerechnet hatten. Der bereinigte Gewinn erreichte 59 Cent je Aktie und übertraf damit die Konsensschätzung von 55 Cent deutlich. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel am Dienstag um 10 Prozent zu.
Am 07.05.2026 berichtete aktien.news über das erste Milliarden-Dollar-Quartal der Unternehmensgeschichte. Die Aktie von Datadog schoss am Donnerstag im vorbörslichen Handel um 31,08 Prozent in die Höhe – der stärkste Tagesgewinn seit dem Börsengang des Unternehmens im Jahr 2019. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 32,2 Prozent auf 1,01 Milliarden US-Dollar. Durch den Kurssprung stieg die Marktbewertung des Unternehmens um rund 12,03 Milliarden US-Dollar.
Die Kursreaktion folgt einem Muster, das Anleger kennen sollten
Für deutsche Privatanleger ist die Reaktion ein anschauliches Beispiel für das Zusammenspiel von Erwartungen und Bewertung. Datadog hat in der jüngeren Vergangenheit mehrfach starke Quartalszahlen vorgelegt – im Februar 2026 mit einem Umsatzplus von 29 Prozent und im Mai 2026 mit einem Wachstum von 32,2 Prozent. Dennoch fiel die Aktie im August 2026 trotz übertroffener Erwartungen, weil der Markt noch mehr verlangte.
Dieses Muster wiederholt sich nun in abgeschwächter Form: Die Prognose für das vierte Quartal liegt im Rahmen der Analystenerwartungen, doch genau das scheint nicht zu genügen. Wer in Wachstumswerte wie Datadog investiert, sollte daher nicht nur auf die absoluten Zahlen achten, sondern auch auf die Frage, wie viel Wachstum bereits im Kurs eingepreist ist.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von der allgemeinen Stimmung gegenüber Technologie- und Softwaretiteln. Der Ausblick von Datadog wird vor dem Hintergrund eines Umfelds bewertet, in dem KI-getriebene Nachfrage und Kundenausgaben eine zentrale Rolle spielen – Faktoren, die TD Cowen bereits Ende Oktober 2026 als Treiber genannt hatte.
Der Ausblick bleibt von der eigenen Prognosespanne geprägt
Für das vierte Quartal hat Datadog selbst einen Umsatz zwischen 1,19 Milliarden US-Dollar und 1,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Diese Spanne bildet den Rahmen, an dem sich die weiteren Erwartungen messen lassen müssen. TD Cowen hatte für die Berichtssaison zum dritten Quartal noch ein Umsatzwachstum von etwa 35 Prozent erwartet, deutlich oberhalb der damaligen Unternehmensprognose von 29 Prozent.
Ob das Unternehmen die obere oder die untere Grenze seiner eigenen Spanne erreicht, dürfte für die weitere Kursentwicklung entscheidend sein. Weitere konkrete Termine oder Planungen nennt der vorliegende Bericht nicht.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Berichts
- Observability: Sammelbegriff für Werkzeuge, mit denen Unternehmen den Zustand und die Leistung ihrer IT-Systeme und Anwendungen überwachen.
- Umsatzprognose: Die von einem Unternehmen selbst veröffentlichte Erwartung an die Erlöse eines künftigen Zeitraums.
- Konsensschätzung: Der durchschnittliche Erwartungswert, den Analysten mehrerer Banken für eine Kennzahl vorlegen.
