Citi erwartet Brent-Rohöl kurzfristig bei 120 Dollar pro Barrel
Die US-Großbank sieht Versorgungsrisiken als unzureichend eingepreist und warnt vor weiteren Preissprüngen beim Rohöl.

Die Citigroup erwartet in naher Zukunft einen Anstieg des Brent-Rohölpreises auf 120 US-Dollar pro Barrel. Die Bank begründete ihre Prognose damit, dass die Ölmärkte das Risiko einer anhaltenden Versorgungsunterbrechung sowie breitere sogenannte Tail-Risiken – also extreme, aber mögliche Szenarien – derzeit nicht ausreichend einpreisen. Diese Einschätzung veröffentlichte Citi am Dienstag.
Besonders auffällig ist das sogenannte Bull-Case-Szenario der Bank: Sollte die Straße von Hormus im Verlauf des dritten Quartals schrittweise wieder geöffnet werden, hält Citi Brent-Preise von bis zu 150 US-Dollar pro Barrel für möglich. Die Straße von Hormus ist eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl und verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. Störungen dort haben historisch stets erhebliche Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Ölpreise unter Druck nach Vance-Aussagen
Trotz der bullischen Prognose von Citi schlossen die Ölpreise am Dienstag niedriger. Auslöser war eine Aussage von US-Vizepräsident JD Vance, der erklärte, dass die USA und der Iran Fortschritte in ihren Gesprächen erzielt hätten und keine der beiden Seiten eine Wiederaufnahme militärischer Aktionen anstrebe. Die Brent-Futures für Juli schlossen daraufhin bei 111,28 US-Dollar pro Barrel.
Diese Entwicklung verdeutlicht die enge Verknüpfung zwischen geopolitischen Signalen und den Rohstoffmärkten. Nachrichten über eine mögliche diplomatische Entspannung zwischen Washington und Teheran können die Risikoprämie im Ölpreis schnell abschmelzen lassen – auch wenn strukturelle Angebotsrisiken weiterhin bestehen.
Langfristiger Ausblick: Normalisierung ab 2027
Für das Jahr 2027 gestaltet sich der Ausblick laut Citi schwerer vorherzusagen. Im Basisszenario rechnet die Bank jedoch mit einer deutlichen Normalisierung: Brent-Preise in einer Spanne von 80 bis 90 US-Dollar pro Barrel werden erwartet – vorausgesetzt, der Iran behält die Kontrolle über die Warenströme in der Straße von Hormus und bringt seine Ölexporte mit dem erwarteten Nachfragewachstum in Einklang.
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Zur AktienanalyseFür das Jahr 2026 prognostiziert Citi einen Rückgang des globalen Ölnachfragewachstums um 0,6 Millionen Barrel pro Tag. Die Bank weist jedoch darauf hin, dass die scheinbare Nachfrageschwäche den tatsächlichen Verbrauchsrückgang wahrscheinlich überzeichnet. Der Abbau von Lagerbeständen und Raffineriekürzungen verschleiern demnach eine relativ begrenzte Zerstörung der Endverbrauchernachfrage.
Darüber hinaus schätzt Citi, dass die weltweiten Ölvorräte im laufenden Jahr um etwa eine Milliarde Barrel sinken werden. Dieser Lagerabbau stützt die Preise zusätzlich und unterstreicht, warum die Bank kurzfristig von einem weiteren Aufwärtspotenzial beim Rohöl ausgeht. Für deutsche Anleger und Verbraucher sind solche Preisentwicklungen besonders relevant, da sie sich direkt auf Energiekosten, Kraftstoffpreise und die Inflation auswirken können.


