Chip-Aktien im Fokus: Wall Street erholt sich nach Kursrückgang
Tech-Megacaps und KI-Werte führen die bescheidene Erholung an der Wall Street an – doch 60 Prozent des S&P 500 schlossen im Minus.

Die Wall Street zeigte am Montag eine verhaltene Erholung, die sich vor allem auf Tech-Megacaps und KI-Werte konzentrierte. Ob es sich dabei um eine echte Erholungsrally, Käufe bei Kursrücksetzern oder lediglich einen sogenannten „Dead-Cat-Bounce" handelt, bleibt unter Marktteilnehmern umstritten. Fakt ist: Trotz der Aufwärtsbewegung schlossen erneut rund 60 Prozent der S&P-500-Unternehmen im negativen Bereich.
Besonders im Rampenlicht stand der Chiphersteller Marvell Technology, dessen Aktie um 9 Prozent zulegte. Ausschlaggebend war die Ankündigung, dass Marvell Technology in den S&P 500-Index aufgenommen wird – eine Maßnahme, die regelmäßig zu erhöhter Nachfrage durch Indexfonds führt und den Kurs entsprechend beflügelt.
KI-Börsengänge dominieren den Markt
Der Blick richtet sich zunehmend auf eine Welle bevorstehender Börsengänge im KI-Sektor. Elon Musks SpaceX plant noch in dieser Woche eine erste Börsennotierung und strebt dabei eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an. Das Unternehmen will im Rahmen des IPO 75 Milliarden US-Dollar einsammeln und würde damit zu den zehn wertvollsten an US-Börsen notierten Unternehmen zählen. Zum Start am 12. Juni sollen allerdings nur 7 Prozent der börsennotierten Aktien frei handelbar sein.
Der Verkauf ist Berichten zufolge zweifach überzeichnet, und bis zu 30 Prozent – also rund 22,5 Milliarden US-Dollar – sind für Privatanleger reserviert. Dennoch verweigerte S&P Global SpaceX vergangene Woche die schnelle Aufnahme in den S&P 500, da das Unternehmen das Kriterium der Profitabilität nicht erfüllt. Der Indexanbieter MSCI hingegen bestätigte am Montag, dass er die bestehenden Regeln für die vorzeitige Aufnahme großer Börsengänge in seine Global Standard Indizes anwenden wird – was SpaceX den Weg in diese Indizes ebnen dürfte.
Darüber hinaus gab OpenAI am Montag bekannt, vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang gestellt zu haben. Auch Anthropic soll noch in diesem Sommer an den Markt gehen. Der Markt steht damit vor einem beispiellosen Emissionsvolumen im KI-Bereich.
Chinas Exportdaten befeuern KI-Nachfrage
Unterstützung für die These eines anhaltenden KI-Booms lieferten die chinesischen Handelsdaten für Mai. Das Exportwachstum übertraf die Erwartungen deutlich und stieg im Jahresvergleich um fast 20 Prozent. Als wesentlicher Treiber gilt die enorme Nachfrage nach Speicherchips und technologischer Ausrüstung sowie stark steigende Preise für diese Produkte.
Diese Entwicklung hat jedoch eine Kehrseite: Die potenziellen inflationären Auswirkungen des KI-Booms könnten die Lage für Zentralbanken verkomplizieren. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in dieser Woche gilt als ausgemachte Sache. Auch die Bank of Japan soll sich Erwartungen zufolge noch in diesem Monat in diese Richtung bewegen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseGeopolitik und Ölpreise beeinflussen Stimmung
Für etwas Entspannung an den Märkten sorgte die Lage im Nahen Osten. Sowohl der Iran als auch Israel deuteten an, dass der jüngste Schlagabtausch mit Raketen vorerst eingestellt wurde. Die Ölpreise, die am Montag zeitweise um bis zu 5 Prozent gestiegen waren, gaben ihre frühen Gewinne daraufhin wieder ab. Dies nahm auch den Wetten auf Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve etwas an Schärfe und trug zur bescheidenen Aktienerholung bei.
Am Dienstag erholten sich die asiatischen Aktienmärkte, und die US-Futures legten vor Handelsbeginn leicht zu, während die Ölpreise weiter fielen. Im weiteren Wochenverlauf richtet sich der Blick auf die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise für Mai am Mittwoch sowie auf die Quartalsergebnisse von Oracle nach Börsenschluss. Zudem stehen die US-Handelsbilanz für April und die Verkäufe bestehender Häuser für Mai auf dem Datenkalender.


