Chinesische E-Auto-Hersteller wollen nach Volkswagen-Vorbild EU-Zölle umgehen
Nach Cupras Erfolg prüfen chinesische Autobauer individuelle Vereinbarungen mit Brüssel für ihre Europa-Exporte.

Große chinesische Automobilhersteller bereiten sich darauf vor, dem Beispiel von Volkswagen zu folgen und individuelle Zollbefreiungen mit der Europäischen Union auszuhandeln. Die Europäische Kommission hatte dem deutschen Autogiganten diese Woche eine bahnbrechende Ausnahme für das in China gefertigte SUV-Modell Cupra Tavascan gewährt – die erste seit Einführung der EU-Zölle gegen chinesische E-Autos im Jahr 2024.
Die Chinesische Handelskammer bei der EU bestätigte, dass mehrere Hersteller nun ähnliche Anträge prüfen. Allerdings scheuen einige den bürokratischen Aufwand und die erforderliche Offenlegung von Geschäftsdaten. Der Volkswagen-Deal basiert auf einem Mindestpreis und einer Verkaufsquote, wobei VW im Gegenzug Investitionsverpflichtungen in der EU zugesagt hat.
Der vollelektrische Tavascan unterlag bisher einem zusätzlichen Zoll von 20,7 Prozent, zusätzlich zur bestehenden Abgabe von 10 Prozent. Diese Belastung hatte den operativen Gewinn der SEAT/Cupra-Sparte in den ersten neun Monaten 2024 fast vollständig aufgezehrt. Der CEO von Cupra hatte zuvor gewarnt, die Zölle gefährdeten die Zukunft des Modells in Europa.
Mindestpreise statt Zölle
Das neue Modell der Mindestpreisvereinbarungen soll chinesische E-Autos weniger wettbewerbsfähig machen, indem ihre Preise mit europäischen Fahrzeugen derselben Kategorie vergleichbar werden. "Als die ursprünglichen Zölle eingeführt wurden, wurde erwartet, dass chinesische Autos teurer und damit weniger attraktiv werden würden", erklärt Julian Litzinger, Automobilanalyst bei Dataforce.
Stattdessen hätten chinesische Hersteller bisher mit geringeren Gewinnmargen reagiert und verstärkt Verbrenner- und Hybridmodelle verkauft, die nicht von den Zöllen betroffen sind. Eugene Hsiao, Leiter der China-Aktienstrategie bei Macquarie Capital, sieht den Volkswagen-Deal positiv für alle E-Auto-Hersteller in China: "Sie können die effiziente lokale Kostenbasis nutzen." Allerdings würden Genehmigungen Zeit in Anspruch nehmen, da sie modellweise bearbeitet werden.
Europa als Ausweichmarkt
Für chinesische Automobilhersteller wird Europa zunehmend wichtiger. Aufgrund von Überkapazitäten im Inland – Folge eines brutalen Preiskriegs – müssen sie dringend mehr Autos exportieren. Im Januar sanken Chinas Autoverkäufe so schnell wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Zudem sind chinesische E-Auto-Hersteller faktisch von den USA und Indien ausgeschlossen und verkaufen kaum Fahrzeuge in Japan.
Die EU-Zölle von bis zu 35,3 Prozent auf E-Autos stellen die größte Quelle für Handelsspannungen zwischen Peking und Brüssel dar. China warnte am Mittwoch vor möglichen Untersuchungen gegen französische Weine, sollte Frankreich auf Zölle für chinesische Waren drängen. Die EU will ihre Automobilindustrie vor einer Flut billiger Importe von Unternehmen wie BYD und SAIC Motor schützen.
Bilaterale statt kollektive Lösung
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Zur AktienanalyseWährend China ursprünglich eine kollektive Vereinbarung zwischen seinen Automobilherstellern und der EU anstrebte, zeigt der bilaterale Volkswagen-Deal, dass eine gemeinsame Lösung unwahrscheinlich ist. Die Chinesische Handelskammer hielt Ende Januar ein Treffen mit Automobilherstellern ab, um über Verhandlungen zu Mindestpreisen zu beraten.
Volkswagen hatte bereits im vergangenen Jahr Vorschläge an die EU gemacht, noch vor Veröffentlichung der offiziellen Leitlinien im Januar. "VW hat in den letzten Jahren Marktanteile in China verloren, aber verstärkt Anstrengungen unternommen, das Design und die Fertigung ihrer E-Autos zu lokalisieren", so Hsiao. Die Exportperspektive nach Europa biete eine zusätzliche Marktchance für die in China produzierten E-Autos.
Laut Handelsblatt erwägt der deutsche Autobauer, das nächste Modell des Tavascan künftig in Europa statt in China zu bauen. Auch BMWs Joint Venture in China, das den elektrischen Mini produziert, unterliegt einem Zoll von 21,3 Prozent und könnte von ähnlichen Vereinbarungen profitieren.


