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Chinas Stahlproduktion schwächelt – Eisenerzimporte bleiben stark

Ein wachsender Widerspruch in Chinas Rohstoffsektor deutet auf einen tiefgreifenden strukturellen Wandel im weltgrößten Stahlmarkt hin.

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Chinas Stahlproduktion schwächelt – Eisenerzimporte bleiben stark

China produziert etwas mehr als die Hälfte des weltweiten Stahls – doch die Zahlen für 2026 zeigen ein ungewöhnliches Bild. Im April lag die Stahlproduktion bei 86,63 Millionen Tonnen, ein Rückgang von 2,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist der schwächste April-Wert seit 2018. In den ersten vier Monaten des Jahres summierte sich die Produktion auf 331,12 Millionen Tonnen – ein Minus von 4,1 % im Jahresvergleich.

Gleichzeitig stiegen die Eisenerzimporte in den ersten vier Monaten des Jahres um 8 % auf 418,6 Millionen Tonnen. Im April allein wurden 103,9 Millionen Tonnen des wichtigsten Stahlrohstoffs importiert. Auf Tagesbasis entspricht das sogar einem leichten Anstieg gegenüber den 104,74 Millionen Tonnen im März, da der April einen Tag kürzer ist.

Immobilienkrise und sinkende Exporte belasten die Stahlnachfrage

Die Gründe für die schwache Stahlproduktion liegen auf der Hand. Die anhaltende Flaute im chinesischen Immobiliensektor drückt die Inlandsnachfrage erheblich. Hinzu kommen rückläufige Exporte: Im April sanken die Stahllieferungen ins Ausland um 9 % gegenüber dem Vorjahresmonat auf 9,5 Millionen Tonnen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 gingen die Stahlexporte insgesamt um 9,7 % auf 34,2 Millionen Tonnen zurück.

Für deutsche Anleger und Rohstoffbeobachter ist dieser Rückgang bedeutsam, da China als weltgrößter Stahlproduzent maßgeblich die globalen Rohstoffpreise beeinflusst. Sinkende chinesische Stahlexporte können Druck auf internationale Stahlpreise ausüben und gleichzeitig die Nachfrage nach Eisenerz aus Australien, Brasilien und anderen Förderländern beeinflussen.

Eisenerzimporte: Lageraufbau nahe Rekordhöhen

Die Stärke der Eisenerzimporte lässt sich laut Analysten sowohl auf temporäre als auch auf strukturelle Faktoren zurückführen. Der wichtigste kurzfristige Treiber ist der Wiederaufbau von Lagerbeständen. Die vom Beratungsunternehmen SteelHome überwachten Hafenbestände liegen nahe Rekordhöhen: In der Woche bis zum 22. Mai beliefen sie sich auf 160,35 Millionen Tonnen – ein minimaler Anstieg gegenüber den 160,34 Millionen Tonnen der Vorwoche.

Für den Mai erwarten Analysten von DBX Commodities, dass die Importe robust bleiben. Die auf dem Seeweg eintreffenden Mengen werden auf 104,67 Millionen Tonnen geschätzt. Das würde den Trend hoher Importvolumina trotz schwacher Stahlproduktion fortsetzen.

Struktureller Wandel oder temporäre Verwerfung?

Die entscheidende Frage für Marktbeobachter lautet: Handelt es sich um eine vorübergehende Diskrepanz oder um einen dauerhaften Strukturwandel im chinesischen Stahl- und Rohstoffmarkt? Die Kombination aus anhaltend schwacher Stahlproduktion, rückläufigen Exporten und gleichzeitig hohen Eisenerzimporten mit rekordnahen Lagerbeständen deutet zunehmend auf Letzteres hin.

Für den globalen Rohstoffmarkt bedeutet dies eine erhöhte Unsicherheit. Sollte China seine Stahlproduktion dauerhaft drosseln, könnte dies mittelfristig auch die Nachfrage nach Eisenerz belasten – trotz der aktuell noch starken Importzahlen. Anleger in Bergbauunternehmen und Stahlproduzenten weltweit sollten diese Entwicklung genau im Blick behalten.

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