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Britische Kreditgeber erhöhen Hypothekenzinsen drastisch – Inflation treibt Märkte

Britische Kreditgeber erhöhen Hypothekenzinsen – steigende Inflation und Ölpreise belasten den Markt

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Britische Kreditgeber erhöhen Hypothekenzinsen drastisch – Inflation treibt Märkte

Die größten britischen Hypothekenanbieter haben eine neue Runde von Zinserhöhungen bei festverzinslichen Hypotheken eingeleitet. Santander, HSBC, Nationwide, Lloyds, Halifax, Barclays und TSB erhöhten die Zinssätze um bis zu 0,3 Prozentpunkte. Auslöser sind steigende Inflationszahlen, höhere Ölpreise und ein weltweiter Verkauf von Staatsanleihen, die die Märkte in Unruhe versetzen.

Die Entwicklung trifft Kreditnehmer zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die Herbstsaison, traditionell eine Phase erhöhter Aktivität auf dem Immobilienmarkt, beginnt gerade. Für viele Briten wird der Traum vom Eigenheim oder die Refinanzierung bestehender Kredite damit deutlich teurer.

Mehrere Anbieter heben Zinsen mehrfach an

Besonders auffällig ist die Häufigkeit der Anpassungen. Nationwide nahm bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche eine Erhöhung vor. Am 9. September kamen 0,2 Prozentpunkte auf ausgewählte Angebote hinzu, am Dienstag folgten weitere Anhebungen um bis zu 0,3 Prozentpunkte auf eine Reihe von Produkten. Auch TSB führte am Dienstag höhere Zinssätze ein und kündigte nur wenige Tage später an, diese am 17. September erneut anzuheben. Andere Anbieter verfuhren ähnlich.

Aaron Strutt, Produktleiter beim Makler Trinity Financial, kommentierte die Lage mit deutlichen Worten: „Es ist wahrscheinlich, dass noch mehr folgen wird. Es ist nie gut, wenn die neuen Zinssätze eines Anbieters nur einen Tag live sind und dann wieder erhöht werden.“ Die Unsicherheit an den Märkten spiegelt sich direkt in der Preispolitik der Kreditinstitute wider.

Bank of England hält Leitzins stabil – Inflationssorgen wachsen

Die Bank of England entschied sich am Donnerstag dafür, den Leitzins bei 3,75 Prozent unverändert zu lassen. Doch die britische Inflation stieg im August auf 3,1 Prozent, was die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung im Laufe des Jahres verstärkt. Die Swap-Zinsen, die Kreditgeber zur Orientierung bei der Preisgestaltung von Festzinskrediten nutzen, reagierten entsprechend: Am Montag stiegen sie auf 4,8 Prozent beim zweijährigen Overnight-Satz und auf 4,84 Prozent beim fünfjährigen Satz. Bis Donnerstag fielen sie jeweils auf 4,58 Prozent beziehungsweise 4,63 Prozent – ein Zeichen für die anhaltende Volatilität.

Laut der Finanzwebsite Moneyfacts liegt der durchschnittliche Zinssatz für zweijährige Festhypotheken auf dem höchsten Stand seit Juni. Der durchschnittliche Fünfjahres-Festzinssatz erreichte Niveaus, die seit April nicht mehr gesehen wurden. Rachel Springall, persönliche Finanzexpertin bei Moneyfacts, warnte: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass andere Anbieter nachziehen und die Zinssätze anpassen, und da einige Angebote vom Markt genommen wurden, ist damit zu rechnen, dass zurückkehrende Angebote möglicherweise höher bepreist sein werden.“

Schock für Kreditnehmer mit alten Niedrigzinsverträgen

Besonders hart trifft die Entwicklung jene Kreditnehmer, die noch von den historisch niedrigen Zinsen profitieren. „Im Februar 2022 waren noch Festhypotheken unter 2 Prozent verfügbar, daher wird der Wechsel von diesem Zinssatz für Kreditnehmer ein enormes Schockereignis darstellen“, so Springall. Kreditnehmer, die erst 2027 refinanzieren müssen und derzeit einen günstigen Fünfjahres-Festzins haben, könnten besonders benachteiligt werden.

Makler berichten bereits, dass einige Kunden ihre Kauf- oder Refinanzierungspläne gestoppt haben. Simon Gammon, geschäftsführender Partner beim Hypothekenmakler Knight Frank Finance, beschrieb die Situation nüchtern: „Meiner Erfahrung nach ist ein Hypothekenzins von 4 Prozent oder darunter für die meisten Menschen tragbar. Sobald er 4,5 Prozent erreicht, beginnen Fragen aufzukommen, ob die Leute es wirklich tun wollen oder nicht. Und genau dort befindet sich der Markt gerade, wobei die Anbieter herauskommen und sagen, dass sie die Zinsen erhöhen.“

Keine Entspannung vor Weihnachten in Sicht

Gammon fügte hinzu, dass Spekulationen über weitere Zinserhöhungen durch die Bank of England die Märkte verunsichert hätten. Seine Prognose fällt düster aus: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hypothekenzinsen vor Weihnachten sinken werden.“ Dies markiert eine deutliche Stimmungswende seit Januar, als Kreditnehmer noch mit weiteren Zinssenkungen im Laufe des Jahres rechneten.

David Hollingworth, Direktor beim Makler L&C Mortgages, ordnete die Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein: „Die Märkte reagieren zunehmend empfindlich auf Anzeichen, dass die Inflation hartnäckiger sein könnte als erwartet, insbesondere angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit und höherer Kraftstoff- und Energiepreise.“ Seine Warnung ist eindeutig: „Unruhige Märkte könnten weitere Erschütterungen für Hypothekenzinssätze bedeuten.“

Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Großbritannien auch ein Signal für die Lage in der Eurozone. Die Inflationsdynamik, steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen sind keine rein britischen Phänomene. Sollte die Bank of England die Zinsen weiter anheben müssen, könnte dies auch den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöhen, ähnliche Schritte zu erwägen.

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