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BP-Führungskrise: Verwaltungsratschef Manifold wegen Mobbing-Vorwürfen abgesetzt

Der britische Ölkonzern BP stürzt in die nächste Führungskrise: Verwaltungsratschef Albert Manifold muss nach Mobbing-Vorwürfen gehen.

BP-Führungskrise: Verwaltungsratschef Manifold wegen Mobbing-Vorwürfen abgesetzt

Der britische Ölkonzern BP erlebt einen weiteren dramatischen Führungswechsel. Das Unternehmen gab bekannt, dass Verwaltungsratsvorsitzender Albert Manifold abgesetzt wird, nachdem „ernsthafte Bedenken" bezüglich seines Verhaltens aufgekommen waren – darunter explizit Vorwürfe des Mobbings. Es ist der jüngste Akt in einem anhaltenden Machtkampf an der Spitze des Konzerns.

Manifold selbst wies die Vorwürfe scharf zurück. „Ich wurde ohne Vorwarnung und ohne Erklärung abgesetzt", ließ er über einen Sprecher mitteilen. „Ich bestreite die Darstellung meines Verhaltens vollumfänglich und werde nicht zulassen, dass eine falsche Darstellung unwidersprochen bleibt." Der Verwaltungsrat hingegen traf laut BP eine „einstimmige" Entscheidung zur Absetzung.

Machtkampf mit der neuen CEO

Manifold war erst im vergangenen Juli zum Vorsitzenden ernannt worden und hatte den langjährigen Amtsinhaber Helge Lund nach sechs turbulenten Jahren abgelöst. Er trat sein Amt an, kurz nachdem der aktivistische Investor Elliott Management eine bedeutende Beteiligung an BP offengelegt und damit Druck auf Kostensenkungen sowie eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft mit Öl und Gas ausgeübt hatte.

Manifold leitete daraufhin rasch eine strategische Überprüfung ein und suchte den Kontakt zu Elliott. Im Zuge dieser Neuausrichtung wurde Ende letzten Jahres auch Vorstandsvorsitzender Murray Auchincloss ersetzt. Manifold spielte eine zentrale Rolle dabei, Meg O'Neill als neue CEO zu gewinnen, die seit April im Amt ist.

Doch auch das Verhältnis zwischen Manifold und O'Neill soll sich rasch verschlechtert haben. Einer mit der Angelegenheit vertrauten Person zufolge soll Manifold versucht haben, O'Neills Möglichkeiten einzuschränken, sich unabhängig mit den nicht geschäftsführenden Verwaltungsratsmitgliedern zu treffen. O'Neill, die sich als Leiterin von Woodside Energy den Ruf einer harten Managerin erarbeitet hatte, soll verärgert auf Herausforderungen ihrer Autorität reagiert haben. Sie ist Mitglied des Gremiums, das die Entscheidung zur Absetzung Manifolds traf.

Strategische Unsicherheit wächst

Die erneute Führungskrise wirft grundlegende Fragen über die Stabilität und Steuerungsfähigkeit des Konzerns auf. Innerhalb von nur drei Jahren wurden bei BP nun zwei Vorstandsvorsitzende und zwei Verwaltungsratsvorsitzende ausgetauscht – ein Zeichen, das Kritiker als Beleg dafür werten, dass BP nahezu unregierbar geworden ist.

Dabei hatte die Neuausrichtung unter Manifold durchaus Früchte getragen: Die BP-Aktie stieg seit seinem Amtsantritt um mehr als 20 Prozent. O'Neill hatte zudem bereits erste strukturelle Weichen gestellt und BP in zwei Hauptgeschäftsbereiche aufgeteilt – eine Rückkehr zur Konzernstruktur, bevor BP versuchte, sich in ein Unternehmen für erneuerbare Energien zu transformieren.

Andere Beobachter sehen in der Entwicklung jedoch auch ein positives Signal: dass eine neue CEO endlich Ordnung in einen Konzern bringt, der jahrelang unter Turbulenzen litt. Dennoch bleibt die Frage offen, ob BP die strategische Neuausrichtung, die Elliott und Manifold vorangetrieben hatten, konsequent weiterführen kann – nun, da ein vom aktivistischen Investor unterstützter Vorsitzender entlassen wurde.

Übernahmekandidat BP?

Die anhaltenden Unruhen nähren auch Spekulationen über die Zukunft des Konzerns als eigenständiges Unternehmen. BP war in der Vergangenheit bereits Ziel von Übernahmeinteresse – unter anderem durch den britischen Rivalen Shell. Nachdem diese Spekulationen zuletzt abgeflaut waren, könnten die neuerlichen Führungswirren das Thema wieder auf die Agenda bringen.

Parallel zu den Entwicklungen bei BP sorgen weitere Meldungen aus der Finanzwelt für Aufmerksamkeit: Der Software-fokussierte Private-Equity-Investor Hg hat sich laut informierten Kreisen darauf geeinigt, das kalifornische Rechte- und Lizenzmanagement-Unternehmen Rightsline für rund 500 Millionen US-Dollar inklusive Schulden zu übernehmen. Und die EU bereitet eine eingehende Untersuchung wegen ausländischer Subventionen bezüglich des Gebots des chinesischen E-Commerce-Konzerns JD.com für den deutschen Elektronikhändler Ceconomy vor – ein weiteres Zeichen für die zunehmend kritische Haltung Brüssels gegenüber chinesischen Investitionen in Europa.

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