Birkenstock auf Erfolgskurs: Umsatzboom und ehrgeizige Pläne
Wie der Schuhhersteller seinen globalen Einfluss ausbaut und Herausforderungen meistert

Birkenstock hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen beeindruckenden Anstieg seines Umsatzes verzeichnet, während der Absatz nur moderat zulegte. Das Unternehmen vermeldete einen Umsatzzuwachs von beachtlichen 20 Prozent auf insgesamt 1,49 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu stieg der Absatz lediglich um sechs Prozent, was auf eine signifikante Erhöhung des durchschnittlichen Verkaufspreises um 14 Prozent zurückzuführen ist.
Birkenstock sorgte im Oktober 2023 für Aufsehen, als es den Schritt an die Börse in den USA wagte. Zunächst enttäuschte der Aktienkurs, doch inzwischen haben Analysten ihre Kursziele nach oben revidiert. Die Aktie wird derzeit im Durchschnitt auf rund 49 Euro geschätzt, wobei einige Experten prognostizieren, dass sie in den nächsten zwölf Monaten bis zu 54 oder sogar 56 Euro erreichen könnte. Unter den 20 von der Nachrichtenagentur Bloomberg gelisteten Analysten empfehlen zwölf den Kauf der Birkenstock-Aktie.
Trotz des beeindruckenden Umsatzwachstums hat sich der Konzerngewinn von Birkenstock im vergangenen Geschäftsjahr mehr als halbiert, von 187 Millionen Euro auf 75 Millionen Euro. Auch der Gewinn je Aktie ist von 1,02 Euro auf 41 Cent gesunken. Andererseits konnte das Unternehmen einen bereinigten Nettogewinn von über zehn Prozent auf 207 Millionen Euro steigern.
Die an der US-Börse Nasdaq gelistete Birkenstock-Aktie verlor am Donnerstag knapp 9 Prozent und notierte bei etwa 46 Dollar.
Die Erfolgsgeschichte von Birkenstock begann vor mehr als zehn Jahren unter der Leitung von Unternehmenschef Oliver Reichert, der das Familienunternehmen neu ausrichtete und dazu beitrug, dass Umsatz und Gewinn seit 2014 vervierfacht wurden. Im Jahr 2021 wurde die Mehrheit des Unternehmens an den amerikanischen Finanzinvestor L Catterton verkauft, der nun 83 Prozent der Anteile hält. Zusätzlich ist der französische Milliardär Bernard Arnault, Eigentümer des Luxuskonzerns LVMH, über seine Familienholding mit 5,3 Prozent an Birkenstock beteiligt.
Um weiter zu wachsen, plant Birkenstock, auf dem lukrativen asiatischen Markt Fuß zu fassen, insbesondere in China, Indien und dem Nahen Osten. Aktuell erzielt das Unternehmen nur etwa zehn Prozent seines Umsatzes in Asien, während die USA rund die Hälfte ausmachen und Europa etwa ein Drittel.
Um die steigende Nachfrage in Asien zu bedienen, hat Birkenstock ein neues Werk in Mecklenburg-Vorpommern errichtet. Obwohl die Konsumzahlen in China zuletzt schwankten, bleibt die Region für das Unternehmen von großer Bedeutung. Birkenstock hat ehrgeizige Wachstumsziele, darunter eine jährliche Umsatzsteigerung von 15 bis 18 Prozent und eine Ebitda-Marge von 30 Prozent.
Für das Jahr 2024 prognostiziert Birkenstock einen Umsatz zwischen 1,74 und 1,76 Milliarden Euro auf Basis konstanter Wechselkurse, was einem Wachstum von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprechen würde. Das Unternehmen erwartet jedoch auch Herausforderungen in Form von Anlaufkosten und einer vorübergehenden Unterbelegung seines neuen Werks in Pasewalk.
Um auf dem asiatischen Markt erfolgreich zu sein, muss Birkenstock ähnlich wie in den USA mit Influencern und Prominenten zusammenarbeiten, um die Markenbekanntheit zu steigern. Dennoch wird die Konkurrenz in China deutlich intensiver sein, da Influencer verstärkt auf chinesische Zielgruppen ausgerichtet sind.
Um die Expansion in Asien voranzutreiben, holte Birkenstock im November Tiffany Wu an Bord, eine erfahrene Expertin in der Erschließung des chinesischen Marktes. Analysten sehen großes Potenzial für die Marke in Asien, da Birkenstock derzeit nur einen Marktanteil von 0,1 Prozent in der Region hält.
Darüber hinaus plant CEO Oliver Reichert, das D2C-Geschäft (Direct-to-Consumer) weiter auszubauen, um unabhängiger von Händlern zu werden. Im vergangenen Jahr machten Direktverkäufe bereits 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Unternehmen verkauft seine Produkte über eigene Websites sowie 45 eigene Geschäfte direkt an die Endkunden, was in der Branche zu Diskussionen führte.
Birkenstock hat auch vor, sein Produktportfolio zu erweitern und neben Sandalen geschlossene Schuhe, Berufsschuhe und orthopädische Einlagen anzubieten. Bereits im November reduzierte das Unternehmen seine Schulden, indem es einen Teil des Emissionserlöses und des Konzerngewinns zur Rückzahlung von über 500 Millionen Euro Krediten verwendete. Reichert betont weiterhin das Ziel, den Verschuldungsgrad des Unternehmens konsequent zu senken. Birkenstock bleibt eine aufstrebende Marke, die in den kommenden Jahren spannende Entwicklungen und Herausforderungen in der globalen Schuhindustrie erwarten lässt.
