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Bessent: Fed darf bei Zinssenkungen wegen Ölpreisanstieg abwarten

US-Finanzminister Bessent revidiert seine Haltung zur Geldpolitik – angesichts steigender Ölpreise über 100 Dollar pro Barrel.

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Bessent: Fed darf bei Zinssenkungen wegen Ölpreisanstieg abwarten

US-Finanzminister Scott Bessent hat seine bisherige Haltung zur Geldpolitik der Federal Reserve deutlich revidiert. Auf der Semafor World Economy Conference in Washington, D.C. erklärte er, die US-Notenbank könne angesichts des starken Ölpreisanstiegs mit Zinssenkungen vorerst warten. „Glaube ich, dass die Zinsen gesenkt werden sollten? Irgendwann. Ich denke, dass wir jetzt abwarten müssen", sagte Bessent gegenüber Semafor-Chefredakteur Ben Smith.

Diese Aussage markiert eine bemerkenswerte Kehrtwende. Noch im Januar hatte Bessent öffentlich gefordert, Fed-Chef Jerome Powell solle die Zinssenkungen beschleunigen. Zinssenkungen seien „die einzige Zutat, die für ein noch stärkeres Wirtschaftswachstum fehlt. Deshalb sollte die Fed nicht zögern", hatte er damals erklärt. Nun klingt das deutlich zurückhaltender.

Ölpreisanstieg verkompliziert das Fed-Mandat

Der Hintergrund für Bessents Sinneswandel ist der anhaltende Krieg im Iran, der die Ölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel getrieben hat. Dieser Preisanstieg bei Rohöl erhöht den Inflationsdruck erheblich – und stellt die Federal Reserve vor ein klassisches geldpolitisches Dilemma: Sie muss gleichzeitig steigende Inflation und sich verlangsamendes Wirtschaftswachstum im Blick behalten. Zinssenkungen würden zwar das Wachstum stützen, könnten aber die Inflation weiter anheizen.

Auch die Märkte haben ihre Erwartungen angepasst. Laut der Preisgestaltung für Fed-Funds-Futures wird zuletzt erwartet, dass die Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr stabil hält – mit einer minimalen, aber vorhandenen Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung. Für deutsche Anleger ist dies relevant, da die Zinspolitik der Fed stets Auswirkungen auf globale Kapitalmärkte und den Euro-Dollar-Wechselkurs hat.

Bessent verwies zudem auf die wirtschaftliche Ausgangslage: „Nach Januar und Februar – die Wirtschaft war sehr stark", sagte er gegenüber Semafor. Diese Stärke der US-Konjunktur zu Jahresbeginn hatte ursprünglich den Spielraum für Zinssenkungen begrenzt – nun kommt der externe Schock durch die Energiepreise hinzu.

Politischer Druck auf die Fed und Powells Zukunft

Parallel zur geldpolitischen Debatte steht auch die personelle Zukunft der Fed-Führung im Fokus. Powells Amtszeit als Vorsitzender läuft im Mai ab. Er könnte jedoch länger im Amt bleiben müssen, falls Trumps Nominierter für den Vorsitz, Kevin Warsh – an dessen Auswahl Bessent beteiligt war –, bis dahin nicht vom Senat bestätigt werden kann.

Die Bestätigung Warschs ist derzeit politisch blockiert. Senator Thom Tillis hat angekündigt, eine Abstimmung über Warsh zu verhindern, bis die US-Staatsanwältin Jeanine Pirro ihre strafrechtlichen Ermittlungen gegen Powell im Zusammenhang mit Kostenüberschreitungen beim Bau von Fed-Gebäuden abgeschlossen hat. Powell selbst wies diese Ermittlungen zurück und erklärte, sie dienten dazu, ihn seitens der Trump-Administration unter Druck zu setzen, weil er die Zinsen nicht stärker gesenkt habe.

Die Situation rund um die Federal Reserve bleibt damit auf mehreren Ebenen angespannt: geldpolitisch, personell und politisch. Für Anleger bedeutet dies erhöhte Unsicherheit über den weiteren Zinspfad in den USA – mit entsprechenden Implikationen für Aktien, Anleihen und Währungen weltweit.

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