BASF überzeugt im Q3 und erhöht Evonik-Angebot auf 24 Euro
Der Chemiekonzern steigert den operativen Gewinn deutlich und erhöht sein Übernahmeangebot für den Rivalen Evonik.

BASF hat für das dritte Quartal 2026 überraschend starke Zahlen vorgelegt und zugleich sein Übernahmeangebot für den Konkurrenten Evonik erhöht. Der deutsche Chemiesektor befindet sich damit in einer Phase des strategischen Umbruchs, in der die Finanzkraft des Ludwigshafener Konzerns auf die Expansionspläne trifft. Während die operative Erholung sichtbar ist, richtet der Markt seinen Blick vor allem auf die Frage, ob die geplante Übernahme gelingt.
Deutlicher Gewinnsprung im dritten Quartal
Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) von BASF stieg um 15 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro. Getragen wurde diese Entwicklung von erfolgreichen Preiserhöhungen und einem moderaten Anstieg der Absatzmengen. Der Gesamtumsatz kletterte im Quartal um 14 Prozent auf rund 16,4 Milliarden Euro.
Angesichts dieser Dynamik hat BASF seine Prognose für das bereinigte Ergebnis 2026 bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Der Konzern erwartet nun ein bereinigtes Ergebnis zwischen 7,4 und 7,8 Milliarden Euro, nach zuvor 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro. Analysten nahmen die Zahlen positiv auf, was die allgemein freundliche Stimmung im DAX stützte – auch getragen von starken Ergebnissen anderer großer deutscher Unternehmen wie der Deutschen Bank.
Das Evonik-Dilemma
Trotz der guten Quartalszahlen fiel die Reaktion der BASF-Aktie verhalten aus. Anleger priorisieren offenbar die strategische Ausrichtung des Konzerns über die reinen Quartalszahlen. Im Zentrum steht dabei die Verfolgung von Evonik: Am Freitag erhöhte BASF sein Übernahmeangebot von 22,15 auf 24 Euro je Aktie.
BASF-Chef Markus Kamieth bezeichnete die mögliche Übernahme als eine „starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb". Zugleich bleibt er vorsichtig: Die Fusion sei eine strategische Option, aber keine Notwendigkeit, und BASF werde den Deal nicht „um jeden Preis" verfolgen. Diese Haltung spiegelt einen grundlegenden Strategiewechsel wider. Nach Jahren des „Abspeckens" – einschließlich des Verkaufs des Farben- und Lackgeschäfts sowie Plänen für einen Börsengang der Agrartochter im Jahr 2027 – strebt BASF nun wieder Wachstum an.
Wettbewerbsdynamik und strategische Hürden
Ein möglicher Deal ist komplex. Sollte die Übernahme von Evonik scheitern, hat sich BASF derzeit nicht auf alternative inländische Ziele festgelegt. Experten zufolge würde der Konzern dann voraussichtlich nach Übernahmezielen in den Vereinigten Staaten suchen.
Evonik ist dabei kein passiver Übernahmekandidat. Berichten zufolge prüft das Essener Unternehmen eine eigene Expansionsstrategie, um seine Marktposition zu stärken und eine Übernahme möglicherweise abzuwehren. Konkret wird eine milliardenschwere Übernahme des US-Spezialchemiekonzerns Ashland erwogen.
Strategisch böte eine Fusion von Evonik und Ashland starke Portfoliosynergien, insbesondere bei pharmazeutischen Hilfsstoffen (etwa Evoniks Marke Eudragit) und Kosmetikpolymeren. Da es kaum Überschneidungen gibt, erwarten Analysten nur wenige kartellrechtliche Hürden. Eine direkte Fusion von BASF und Ashland stünde dagegen vor erheblichen regulatorischen Herausforderungen, da es in Bereichen wie Tabletten-Hilfsstoffen, Kosmetikinhaltsstoffen und chemischen Lösungsmitteln deutliche Produktüberschneidungen gibt.
Breiterer Marktkontext
Während die Chemiebranche mit diesen strategischen Manövern ringt, erlebt der breitere Finanzmarkt einen Optimismusschub durch den Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Globale Märkte legten zu, nachdem der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix Rekordgewinne gemeldet und erklärt hatte, die Nachfrage nach KI-Speicherchips werde das Angebot bis 2030 übersteigen. Diese Stimmung gab dem DAX Rückenwind, der weiterhin von starken heimischen Unternehmensergebnissen profitiert.
Zu den weiteren bemerkenswerten Entwicklungen im deutschen Finanzsektor zählt die DWS Group, die mit 30,9 Milliarden Euro den höchsten Quartalszufluss neuer Mittel ihrer Geschichte verzeichnete. Der Markt bleibt jedoch vorsichtig, da er auf weitere Impulse wartet – darunter die Q3-Zahlen der US-Tech-Giganten Alphabet und Microsoft sowie die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed.
Fazit
Für BASF werden die kommenden Wochen entscheidend. CEO Markus Kamieth steht unter Druck, die interne Restrukturierung mit dem Bedarf an externem Wachstum in Einklang zu bringen. Ob das Evonik-Angebot zu einer erfolgreichen Fusion führt oder BASF den Blick in Richtung US-Markt lenken muss, bleibt offen. Solange Anleger auf Klarheit beim Evonik-Deal warten, dürfte die Fähigkeit des Konzerns, seine aktuelle Ertragsdynamik zu halten, ein wichtiger Gradmesser für seine Widerstandskraft im globalen Wettbewerb sein.
