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Banken könnten vorsichtiger bei Kreditvergabe werden

EZB warnt: Kreditvergabe-Risiken für Banken in unsicherer Konjunkturlage

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Banken könnten vorsichtiger bei Kreditvergabe werden

Nachdem sich die Finanzmärkte zu Beginn des Jahres etwas beruhigt hatten, gibt es nun wieder neue Sorgen. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) könnten Banken sich bei der Kreditvergabe zurückhalten. Die EZB-Bankenaufsicht warnt zudem vor einem steigenden Kreditausfallrisiko.

Einige Marktbeobachter, wie die Analysten der DZ-Bank, sehen Hinweise darauf im jüngsten ZEW-Konjunkturbarometer. Bis Februar waren die Konjunktur-Erwartungen unter Finanzmarkt-Profis fünf Mal in Folge angestiegen. Nun sorge der Stress im Bankensystem für einen deutlichen Dämpfer, schreiben die DZ-Bank-Analysten.

Wenn die Banken also zurückhaltender bei der Kreditvergabe werden sollten, könnte das letzten Endes der Wirtschaft schaden, warnt Corporate-Finance-Professor Michael Grote von der Frankfurt School. Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der in Liechtenstein ansässigen privaten VP Bank, hält die Sorgen vor einer Auswirkung auf die Konjunktur für nicht unberechtigt. Dabei stehe weniger die Furcht vor weiteren Bankenschieflagen im Vordergrund als vielmehr die Frage, ob die Banken dies- und jenseits des Atlantiks nun nicht noch restriktiver werden.

Bei den Banken selbst sei das derzeit kein Thema, heißt es auf Nachfrage von tagesschau.de bei verschiedenen Instituten. Dennoch erklärt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, der als Deutsche Kreditwirtschaft stellvertretend für alle Bankenverbände antwortet: "Die Kreditvergabestandards bei Firmenkundenkrediten haben sich seit Herbst 2022 verschärft. Als Gründe nennen die Banken vor allem die schwierige konjunkturelle Situation und Branchenentwicklungen bei den Kunden."

Auch die EZB-Bankenaufsicht ruft die Banken im Euroraum angesichts einer unsicheren Konjunkturlage zur Wachsamkeit auf. Im gestern vorgestellten EZB-Jahresbericht zur Aufsichtstätigkeit warnt der Chef-Bankenaufseher, Andrea Enria, wenn die Energiekrise nicht behoben werde, könne das Kreditrisiko bei Darlehen an Unternehmen mit stark energieabhängigen Geschäften steigen. Zudem sei die konjunkturelle Abschwächung Ende 2022 mit einem Wiederanstieg der Zahlungsausfälle von Unternehmen einhergegangen.

Die im Juli 2022 von der EZB eingeleitete Zinswende im Euroraum ist nach Einschätzung der Bankenaufsicht nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik insgesamt positiv für die Branche. Wenn sich die Konjunktur wie derzeit erwartet entwickele, würden sich weitere geordnete Zinsanhebungen wahrscheinlich günstig auf die Erträge auswirken, sagte der Chef-Bankenaufseher. Allerdings könnten Kreditnehmer Probleme haben, ihre Schulden bei Portfolios zurückzuzahlen, die traditionell sehr empfindlich auf Kreditkosten reagieren. Im Fokus der Bankenaufsicht stünden dabei insbesondere Verbraucherkredite, Immobilienkredite und Kredite an hochverschuldete Unternehmen, sogenannte leveraged finance. Angesichts der geldpolitischen Straffung müssten Banken zudem Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken stärker im Blick behalten, erklärte Enria. Es gelte, Risikomanagement und strategische Steuerung anzupassen. Manche Strategien zur Handhabung von Verbindlichkeiten könnten durch ein schwierigeres Finanzierungsumfeld infrage gestellt werden.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel befürchtet derzeit keine Kreditklemme. Es sei "zu früh", um zu diesem Schluss zu kommen, sagte Nagel im Interview mit der "Financial Times". Der deutsche Notenbankchef schloss darin nicht aus, dass die europäischen Banken nach den Turbulenzen um die angeschlagene Credit Suisse und der Pleite der Silicon Valley Bank bei der Kreditvergabe nun vorsichtiger werden.

Die Frage ist aus Sicht von Finanzprofessor Grote allerdings, ob sich die Wirtschaft nicht ohnehin gerade abkühle. "Wenn wir auf den Bausektor schauen, dann sehen wir das." Es sei schwer zu sagen, ob das ein Nachfrageproblem sei aus der Wirtschaft oder ein Angebotsproblem von Seiten der Banken. Fakt ist: Seit 2019 ist in Deutschland die Zahl der Unternehmenskredite um 19 Prozent gewachsen, die der Privatkredite um 16 Prozent. Der Anteil sogenannter ausfallgefährderter oder "fauler" Kredite sank zuletzt sogar leicht, unter ein Prozent - all das geht aus jüngsten Zahlen der Bundesbank hervor.

Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Banken in den kommenden Monaten hinsichtlich der Kreditvergabe verhalten werden. Die Warnungen der EZB-Bankenaufsicht zeigen jedoch, dass es derzeit einige Risiken gibt, die die Banken im Auge behalten müssen. Die aktuelle Gemengelage aus hoher Inflation, gestiegenen Zinsen und einer unsicheren Konjunkturlage könnte sich letztendlich auch auf die Kreditvergabe auswirken und somit die Wirtschaft beeinträchtigen.

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