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Bank of England hält Zins – Inflationstreiber Nahost-Konflikt sorgt für Druck

Bank of England belässt Leitzins bei 3,75 Prozent, warnt aber vor steigender Inflation durch Nahost-Konflikt.

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Bank of England hält Zins – Inflationstreiber Nahost-Konflikt sorgt für Druck

Die Bank of England (BoE) hat bei ihrer jüngsten Zinssitzung den Leitzins wie erwartet bei 3,75 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel mit 6:3 Stimmen im geldpolitischen Ausschuss (MPC) und spiegelt die zunehmende Zerrissenheit der Währungshüter wider. Drei Mitglieder – Chefvolkswirt Huw Pill sowie die externen Mitglieder Megan Greene und Catherine Mann – stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent.

Notenbankchef Andrew Bailey warnte in der begleitenden Stellungnahme eindringlich vor den Folgen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Der anhaltende Konflikt habe die Preise für Erdgas und Brent-Rohöl in diesem Monat um knapp 20 Prozent in die Höhe getrieben. Dies könnte die Währungshüter zu einer aggressiveren Gangart zwingen.

Inflation steigt deutlicher als erwartet

Die BoE hob ihre Inflationsprognose deutlich an. Die Verbraucherpreise, die im August bei 3,1 Prozent lagen, könnten laut den neuen Projektionen Anfang nächsten Jahres auf etwas über 4,0 Prozent steigen. Bislang hatte die Notenbank für Ende 2026 lediglich einen Höchststand von 3,2 Prozent erwartet. Die Revision markiert eine drastische Verschlechterung der Preisperspektiven.

Die BoE begründete ihre neue Haltung mit den sogenannten Zweitrundeneffekten. In der Mitteilung des MPC heißt es wörtlich: "Angesichts der Verzögerungen, mit denen Zweitrundeneffekte auftreten, wäre es nicht angemessen, zu lange auf Hinweise auf solche Effekte zu warten, bevor man mit der Geldpolitik reagiert." Dieses Signal wird von Analysten als klare Vorbereitung auf weitere Zinserhöhungen gewertet.

Globaler Zinszyklus dreht sich

Die britische Notenbank reiht sich damit in einen globalen Trend ein. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte kürzlich ihre erste Zinserhöhung seit Mitte 2023 vollzogen. Marktteilnehmer werteten diesen Schritt als entschlossenes Zeichen institutioneller Unabhängigkeit. Auch die Europäische Zentralbank hat eine straffere Gangart signalisiert, und die Bank of Japan wird voraussichtlich mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent nachziehen.

Felix Feather von Aberdeen kommentierte, dass die November-Sitzung der BoE, die mit einem vollständigen Satz neuer Konjunkturprognosen einhergeht, als natürlicher Startpunkt für einen neuen Zinserhöhungszyklus dienen könnte.

Strategiewechsel bei Staatsanleihen

Neben dem Zinsentscheid kündigte die BoE eine bedeutende Änderung im Management ihrer Bilanz an. Der MPC wird den aktiven Verkauf von Staatsanleihen (Gilts) für die nächsten sechs Monate pausieren, um eine langfristige Strategie zu finalisieren. Die Notenbank strebt an, ihre Gilt-Bestände bis 2034 auf null zu reduzieren. Dabei sollen langlaufende Anleihen künftig an das staatliche Debt Management Office (DMO) zurückverkauft werden, statt sie am Sekundärmarkt zu platzieren.

Dieser Schritt verschafft der Regierung von Premierminister Andy Burnham und Finanzminister John Healey vor deren Haushaltsvorlage am 28. Oktober etwas fiskalischen Spielraum.

Märkte zeigen sich erstaunlich robust

Trotz der drohenden Zinswende reagierten die europäischen Aktienmärkte mit bemerkenswerter Stärke. Der paneuropäische STOXX 600 legte am Donnerstag um 0,85 Prozent zu und verzeichnete damit den stärksten Tagesgewinn seit über zwei Monaten. Investoren scheinen sich an den entschlossenen Kurs der Notenbanken zu klammern, die verhindern wollen, dass angebotsseitige Schocks die langfristige Inflation verankern.

Positive Unternehmensnachrichten gaben zusätzlichen Auftrieb: Wizz Air hob seine Umsatzprognose an, und die Aktie von Bytes Technology Group sprang nach einer starken Geschäftsentwicklung um über 12 Prozent. Die Raiffeisen Bank International verlor dagegen 7,3 Prozent, nachdem der Leerverkäufer Grizzly Research einen kritischen Bericht veröffentlicht hatte.

Analysten warnen vor Kipppunkt

Trotz der aktuellen Zurückhaltung der BoE bleiben viele Marktbeobachter vorsichtig. Analysten von Evercore ISI wiesen auf eine eklatante Lücke zwischen den Markterwartungen – die derzeit etwa viereinhalb Zinserhöhungen im kommenden Jahr einpreisen – und der Hoffnung der Notenbankführung hin, einen schnellen Straffungszyklus zu vermeiden.

Suren Thiru vom Institute of Chartered Accountants in England and Wales fasste die Stimmung zusammen: "Die Zinssätze befinden sich an einem kritischen Kipppunkt. Während die Geldpolitik in diesem Jahr noch unverändert bleiben könnte, haben die anhaltenden Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran das Risiko einer Zinserhöhung von einer Möglichkeit zu einer Wahrscheinlichkeit gemacht."

Der Arbeitsmarkt in Großbritannien zeigt derzeit zwar Abkühlungstendenzen. Doch die anhaltende geopolitische Volatilität lässt den "Abwarten-und-beobachten"-Ansatz der Notenbank zunehmend obsolet erscheinen. Die Bühne für eine mögliche geldpolitische Wende in den kommenden Monaten ist bereitet.

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