Banco BPM will mit Monte Paschi zur zweitgrößten Bank Italiens fusionieren
Der Verwaltungsrat von Banco BPM beschloss einstimmig, Fusionsverhandlungen mit der traditionsreichen Banca Monte dei Paschi di Siena aufzunehmen.

Die Banco BPM SpA hat offiziell den Wunsch geäußert, mit der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) zu fusionieren. Das Mailänder Institut gab am Sonntag bekannt, dass der Verwaltungsrat einstimmig beschlossen hat, Verhandlungen über einen Zusammenschluss unter Gleichen aufzunehmen. Das erklärte Ziel: die Schaffung der zweitgrößten Bankengruppe Italiens mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Euro – und damit sogar die UniCredit zu überholen.
Das geplante Zusammengehen zweier bedeutender italienischer Geldhäuser würde die Kräfteverhältnisse im heimischen Bankensektor grundlegend verschieben. Bislang hat sich die Banca Monte dei Paschi di Siena noch nicht offiziell zu dem Angebot geäußert. Wie aus informierten Kreisen verlautete, steht eine erste interne Beratung bei der MPS jedoch kurz bevor – für Montag ist eine Vorstandssitzung angesetzt.
Milliardäre Synergien und klare Finanzziele
Banco BPM beziffert die erwarteten Synergien vor Steuern auf über 1,1 Milliarden Euro jährlich. Diese setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: Kosteneinsparungen von mehr als 650 Millionen Euro sowie Umsatzsynergien von über 450 Millionen Euro. Das Institut rechnet darüber hinaus mit einem Anstieg des Gewinns pro Aktie um mehr als 10 Prozent und einer Wertschöpfung für die Aktionäre von mindestens 5,5 Milliarden Euro.
Die Pro-forma-CET1-Quote – ein zentraler Kapitalindikator für Banken – wird auf etwa 15 Prozent geschätzt. Laut Banco BPM ist das Ausführungsrisiko aufgrund der komplementären geografischen Präsenz und der operativen Geschäftsfelder beider Banken begrenzt. Beide Institute ergänzen sich demnach regional und strukturell, was die Integration erleichtern soll.
Strategische Dimension: Mediobanca und Generali im Blick
Die geplante Transaktion soll die laufende Integration der Mediobanca durch die MPS ergänzen und eine koordinierte Entwicklung der sogenannten Produktfabriken beider Häuser ermöglichen. Darüber hinaus eröffnet der Zusammenschluss neue Optionen hinsichtlich der Beteiligung von MPS an der Assicurazioni Generali SpA – einem der größten europäischen Versicherungskonzerne.
Hinsichtlich der Unternehmensführung betont Banco BPM das Prinzip der Ausgewogenheit. Beide Marken, die historischen Standorte und die lokalen Wurzeln sollen erhalten bleiben. Im neuen gemeinsamen Gebilde sollen beide Institute gleiches Gewicht erhalten – ein klares Signal, dass es sich um eine Fusion auf Augenhöhe handeln soll.
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Zur AktienanalyseTurbulente Vorgeschichte: UniCredit-Übernahmeversuch gescheitert
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund einer bewegten jüngeren Geschichte. Die italienische Regierung hatte im November 2024 die Reprivatisierung der ehemals staatlich gestützten MPS abgeschlossen und Banco BPM dabei als Kernaktionär eingebunden. Im Jahr 2025 versuchte die UniCredit, die Banco BPM durch ein Übernahmeangebot zu blockieren – dieses Angebot scheiterte jedoch im Juli 2025 und verhinderte zunächst weitere Fusionspläne der Banco BPM.
Nun nutzt Banco BPM das veränderte Marktumfeld für einen neuen Anlauf. Die italienische Bankenlandschaft steht nach einer Fusionswelle im Vorjahr möglicherweise vor einer neuen Konsolidierungsphase. Sollte die Fusion gelingen, würde sie die Wettbewerbslandschaft im europäischen Bankensektor nachhaltig verändern – mit einem neuen Schwergewicht aus dem Süden Europas.


