Australische Anwaltskanzleien führen den KI-Einsatz im Rechtssektor an
Vier australische Kanzleien dominieren das FT-Ranking der innovativsten Kanzleien im Asien-Pazifik-Raum 2026.

Drei Jahre nach der Einführung von ChatGPT erweist sich der Rechtssektor als eines der spannendsten Felder für den Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz. Während in den USA zuletzt Negativschlagzeilen für Verunsicherung sorgten, profilieren sich australische Anwaltskanzleien als Vorreiter bei der strukturierten und verantwortungsvollen KI-Integration.
Konkret hatte die US-Elitekanzlei Sullivan & Cromwell im April mit fehlerhaften, KI-generierten Insolvenzanträgen für Aufsehen gesorgt. Die anschließende Entschuldigung vor einem New Yorker Bundesrichter verdeutlichte die sehr realen Probleme bei der Aufsicht und Verifizierung von KI-Outputs im juristischen Bereich. Im Asien-Pazifik-Raum ist die Besorgnis darüber jedoch weniger ausgeprägt.
Australien dominiert das FT-Innovationsranking
Das FT-Ranking 2026 der innovativsten Anwaltskanzleien in der Region Asien-Pazifik wird von vier australischen Kanzleien an der Spitze dominiert. Rechnet man Ashurst und Herbert Smith Freehills Kramer hinzu, die ebenfalls tiefe Wurzeln in Australien haben, wären es sogar sechs Kanzleien aus dem Land.
Eine der treibenden Kräfte ist MinterEllison. Die Kanzlei gehört zu den Vorreitern bei der Neugestaltung der Honorarabrechnung und der Vergütungsstruktur. CEO Virginia Briggs bringt die neue Philosophie klar auf den Punkt: „Die Preisgestaltung muss sich an dem Wert orientieren, den wir für unsere Mandanten erbringen, und nicht an den erfassten Stunden."
Briggs ergänzt: „Wir bauen eine Kanzlei auf, die durch die Qualität unseres Denkens und die Ergebnisse, die wir für unsere Mandanten erzielen, überzeugt. Dort liegt die wahre Marge." Dieser Wandel hin zu einer wertorientierten Abrechnung bedeutet jedoch, dass Partner ihr Handwerk faktisch neu erlernen müssen – eine erhebliche kulturelle und organisatorische Herausforderung.
Technologische Infrastruktur als Schlüssel
MinterEllison setzt dabei auf eine enge technologische Partnerschaft. Als globaler Designpartner des schwedischen Legal-AI-Unternehmens Legora arbeitet die Kanzlei direkt an der Weiterentwicklung der Technologie mit. Die hauseigene Plattform Cortex ist dabei direkt an die Legora-Software angebunden.
Die Verbindung beider Systeme erfolgt über das von Anthropic entwickelte Open-Source-Protokoll „Model Context Protocol". Dieses Protokoll ermöglicht es verschiedenen Softwareprogrammen und Datenbanken, Informationen ohne individuelle Programmierung für jede einzelne Verbindung auszutauschen. Von Anwälten und Technologen wird es als „Game-Changer" bezeichnet.
Gemeinsam ermöglichen Cortex und Legora die Bearbeitung dokumentenintensiver Aufgaben wie Prüfungen und Vertragsentwürfe – wobei die Ergebnisse stets zur Freigabe an einen qualifizierten Anwalt zurückgesendet werden. Aufgaben, für die Associates früher Wochen benötigten, dauern heute nur noch Tage.
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Zur AktienanalyseKI-Kompetenz als Pflicht für Führungskräfte
Die Zeitersparnis durch KI hat bei MinterEllison einen weitreichenden Denkprozess ausgelöst: Die Kanzlei überdenkt grundlegend die Preisgestaltung für juristische Arbeit und die Art der Zusammenarbeit mit Mandanten. KI wird damit nicht nur als Effizienzwerkzeug, sondern als strategischer Hebel zur Weiterentwicklung der Mandantenbeziehung verstanden.
CEO Briggs macht dabei deutlich, dass KI-Kompetenz keine optionale Zusatzqualifikation ist: „Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder über KI-Expertise verfügen muss, insbesondere unsere Führungskräfte." Die Änderung der Partnervergütung sei zwar stets eine Herausforderung, erfordere aber Koordination und die konsequente Einführung neuer Ansätze – einschließlich gezielter KI-Schulungen für alle Partner.


