Asiatische Märkte stabilisieren sich vor Apple-Quartalszahlen und nach Ölpreisrückgang
Die asiatischen Aktienmärkte erholen sich uneinheitlich, während Anleger auf Apples Zahlen und die US-Notenbank blicken.

Die asiatischen Aktienmärkte zeigen sich zu Wochenbeginn uneinheitlich, aber tendenziell erholt. Nach einem turbulenten Wochenschluss an der Wall Street, der von massiven Kursverlusten im Tech-Sektor und Sorgen um die hohen Investitionskosten für Künstliche Intelligenz (KI) geprägt war, deuten die US-Futures auf eine Erholung hin. Die Stimmung der Anleger bleibt dennoch angespannt, denn die hohen KI-Ausgaben und die schwache Entwicklung von Halbleiterwerten lasten weiterhin auf den Kursen.
Ein besonders drastisches Beispiel für den Druck im Technologiesektor lieferte Intel. Der Halbleiterkonzern brach am Freitag um fast 29 Prozent ein. Solche Kursbewegungen verdeutlichen, wie nervös die Märkte derzeit auf Nachrichten aus dem Chip- und KI-Segment reagieren. Die Anleger fragen sich zunehmend, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur tatsächlich auszahlen werden.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht in diesen Tagen der iPhone-Hersteller Apple. Analysten erhoffen sich von dem Technologiegiganten ein Signal der Stabilität, denn Apple investiert im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern keine Milliarden in den Aufbau von Rechenzentren. Die Erwartungen liegen bei einem Gewinn pro Aktie von 2 US-Dollar bei einem Umsatz von 113 Milliarden US-Dollar. Zudem wird mit Spannung auf erste Indikationen zur Nachfrage nach dem neuen iPhone 18 gewartet.
Apple gilt laut Medienberichten als Oase der Ruhe im KI-getriebenen Marktumfeld
Laut Bloomberg und Reuters dient Apple derzeit als „Oase der Ruhe“. Hintergrund ist, dass die Sorgen um den Cashflow bei anderen KI-Unternehmen die Risikoprämien für Unternehmensanleihen in die Höhe getrieben haben. Apple profitiert in dieser Gemengelage davon, dass das Unternehmen nicht zu den großen Kapitalverwendern im KI-Bereich zählt. Für die Anleger wird die Vorlage der Quartalszahlen damit zu einem wichtigen Stimmungstest.
Die Marktdynamik in Asien stellt sich derweil differenziert dar. Der japanische Nikkei 225 gab unter dem Druck von Banken- und Tech-Werten zunächst nach. Zu den belastenden Titeln zählten SoftBank und Sumitomo Mitsui. Andere Märkte in der Region konnten sich dagegen deutlich erholen und setzten damit ein Gegengewicht zur Schwäche in Tokio.
Südkorea und China legen deutlich zu, während Japan unter Druck bleibt
In Südkorea stieg der KOSPI um 2,6 Prozent bis 2,8 Prozent. In China legte der CSI 300 um 1,0 Prozent bis 1,3 Prozent zu. Gestützt wurde die Stimmung in China durch Berichte über geplante regulatorische Maßnahmen zur Stützung der Kapitalmärkte. Diese Aussicht auf politische Unterstützung stärkte das Vertrauen der Anleger spürbar.
Zusätzlichen Rückenwind erhielten die Märkte durch den Rückgang der Ölpreise. Die Brent-Futures fielen um rund 3 Prozent auf unter 110 US-Dollar. Der niedrigere Ölpreis wirkte unterstützend auf die allgemeine Risikobereitschaft, zumal die diplomatischen Bemühungen im Nahen Osten andauern. Sinkende Energiekosten entlasten tendenziell die Inflations- und Kostensorgen der Unternehmen.
Goldman Sachs erwartet starkes, aber nicht mehr beschleunigtes Gewinnwachstum
Die Investmentbank Goldman Sachs merkte in einer Analyse an, dass das Gewinnwachstum zwar stark bleibt, sich aber nicht mehr beschleunigt. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die Investitionsausgaben der Hyperscaler. Laut Prognosen dürften sich diese Ausgaben in diesem Jahr auf 800 Milliarden US-Dollar verdoppeln und bis 2027 auf 1,2 Billionen US-Dollar steigen. Goldman Sachs weist darauf hin, dass die Wachstumsrate der KI-Investitionen ihren Zenit überschreiten könnte.
Auf makroökonomischer Ebene richten sich die Blicke auf die US-Notenbank Federal Reserve. Trotz der Marktturbulenzen preisen die Futures eine 72-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im Dezember ein. Allerdings sind die Erwartungen an das Gesamtausmaß der Straffung gesunken. Die Anleger rechnen also weiterhin mit steigenden Zinsen, aber in geringerem Umfang als zuvor.
Die Reserve Bank of Australia und wichtige US-Daten stehen im Kalender
In Australien steht die Zinsentscheidung der Reserve Bank of Australia (RBA) im Fokus. Aufgrund der beschleunigten Inflation wird eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,85 Prozent erwartet. Zudem warten Investoren auf wichtige US-Wirtschaftsdaten. Dazu zählen der ISM-Einkaufsmanagerindex und der Arbeitsmarktbericht am Freitag, die Aufschluss über die weitere geldpolitische Ausrichtung geben könnten.
Bereits in den vergangenen Wochen prägten KI-Sorgen und Ölpreisbewegungen das Marktgeschehen
Bereits am 19.10.2026 berichtete aktien.news, dass die asiatischen Aktienmärkte größtenteils abgerutscht waren. Damals drückte die Sorge vor den enormen Finanzierungsbedürfnissen der KI auf das Vertrauen der Anleger, und das in einer Woche mit zahlreichen Quartalszahlen. Ein Rückgang der Ölpreise bot Anleihen und den US-Aktienfutures einen gewissen Stützpunkt und dämpfte die Verluste in Asien. Gestützt wurde die Stimmung zusätzlich durch chinesische Wirtschaftsdaten, die die Prognosen übertrafen. Der breiteste MSCI-Index für Aktien im asiatisch-pazifischen Raum außerhalb Japans glitt dennoch um 0,2 Prozent zurück.
Am 26.10.2026 meldete aktien.news, dass die US-Aktienindex-Futures leicht gestiegen waren, weil die Rohölpreise nachließen, die in der Vorwoche noch ein nahezu sechsmonatiges Hoch erreicht hatten. Etwa ein Drittel der im S&P 500 gelisteten Unternehmen legte in jener Woche seine Gewinnzahlen vor, darunter die Hyperscaler Alphabet, Microsoft und Amazon.com. Deren Ergebnisse wurden aufmerksam daraufhin beobachtet, ob sich die erheblichen KI-Investitionen tatsächlich auszahlen. In einem weiteren Bericht vom selben Tag hieß es, die Futures des Nasdaq-100-Index hätten um 0,2 Prozent zugelegt, nachdem der zugrunde liegende Index einen zweiten wöchentlichen Verlust in Folge verzeichnet hatte.
Bereits am 01.05.2026 hatte aktien.news berichtet, dass glänzende Quartalszahlen aus dem Technologiesektor selbst steigende Ölpreise in den Hintergrund drängten. Besonders auffällig war damals der Kurssprung bei Caterpillar, das überraschend stark vom KI-Boom profitierte, weil die steigende Nachfrage von Rechenzentren nach Energieanlagen dem Konzern half, die Prognosen der Wall Street deutlich zu übertreffen.
Für deutsche Privatanleger bleibt die Gemengelage aus KI-Ausgaben und Zinspolitik entscheidend
Für deutsche Privatanleger ist die aktuelle Lage vor allem durch zwei Kräfte geprägt. Auf der einen Seite stehen die enormen Investitionsausgaben der Hyperscaler und die Frage, ob diese Aufwendungen künftig Erträge liefern. Auf der anderen Seite bestimmt die Geldpolitik der Federal Reserve und anderer Notenbanken die Bewertung von Aktien und Anleihen. Die gesunkenen Ölpreise wirken dabei als dämpfender Faktor für Kosten- und Inflationssorgen.
Die unterschiedliche Entwicklung der asiatischen Märkte zeigt, dass es derzeit keine einheitliche Richtung gibt. Während Japan unter der Schwäche von Banken- und Tech-Werten leidet, profitieren Südkorea und China von regulatorischen Signalen und einer höheren Risikobereitschaft. Anleger sollten die weiteren Unternehmenszahlen und die geldpolitischen Signale daher genau verfolgen, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen.
In den kommenden Tagen stehen Apples Zahlen und wichtige US-Daten im Mittelpunkt
Der unmittelbar nächste wichtige Termin sind die Quartalszahlen von Apple mit den erwarteten Werten von 2 US-Dollar Gewinn pro Aktie und 113 Milliarden US-Dollar Umsatz. Hinzu kommen erste Hinweise zur Nachfrage nach dem iPhone 18. Parallel richtet sich der Blick auf die Zinsentscheidung der RBA, bei der eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,85 Prozent erwartet wird.
Zum Wochenausklang folgen der ISM-Einkaufsmanagerindex und der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Beide Daten könnten Aufschluss über die weitere geldpolitische Ausrichtung der Federal Reserve geben. Die Futures preisen derzeit eine 72-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im Dezember ein.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Marktgeschehens
- Hyperscaler: Große Cloud-Anbieter, die in sehr großem Umfang Rechenzentren und IT-Infrastruktur betreiben.
- Basispunkt: Kleinste gängige Maßeinheit für Zinsänderungen an den Finanzmärkten.
- Risikoprämie: Zusätzlicher Zinsaufschlag, den Anleger für die Übernahme höherer Ausfallrisiken verlangen.
