Anthropic reicht IPO-Antrag ein und überholt OpenAI im Börsenrennen
Der Claude-Entwickler Anthropic überrascht mit einem vertraulichen SEC-Antrag und will noch vor OpenAI an die Börse gehen.

Anthropic hat am Montag bekannt gegeben, dass das Unternehmen einen Antrag auf einen Börsengang (IPO) eingereicht hat. Der Schritt kommt früher als erwartet und markiert den Startschuss im Rennen gegen OpenAI um den Titel des nächsten Billionen-Dollar-KI-Startups an den öffentlichen Märkten. Der Antrag bleibt während der Prüfung durch die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC zunächst vertraulich.
„Dies gibt uns die Option, an die Börse zu gehen, sobald die SEC ihre Prüfung abgeschlossen hat", teilte Anthropic in einer offiziellen Erklärung mit. Die Anzahl der anzubietenden Aktien sowie der Ausgabepreis stehen noch nicht fest. Bislang war erwartet worden, dass sowohl Anthropic als auch OpenAI erst im Herbst mit dem Handel beginnen würden.
Erst wenige Tage vor der IPO-Ankündigung hatte Anthropic bekanntgegeben, nun mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet zu werden – nach einer weiteren Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar. Sollte das Unternehmen mit einer Bewertung von einer Billion US-Dollar debütieren, würde es sofort in die Riege der wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen. Analysten zufolge würde dies wahrscheinlich den zweit- oder drittgrößten Börsengang aller Zeiten markieren – hinter SpaceX und Saudi Aramco.
Wettlauf um Kapital und Marktführerschaft
Der Zeitpunkt des Börsengangs ist strategisch von großer Bedeutung. Viele Analysten sind der Meinung, dass das Unternehmen, das zuerst an die Märkte gelangt, im Rennen um Finanzierungen besser abschneiden wird – da sowohl Anthropic als auch OpenAI in kurzer Folge neues Kapital in zweistelliger Milliardenhöhe anstreben werden. „Wir glauben, dass dies eine Öffnung der Schleusen für den IPO-Markt darstellt, der seit einigen Jahren relativ ruhig war", sagte Dan Ives, Managing Director bei Wedbush.
Als historisches Vergleichsbeispiel dient das Jahr 2019, als die Ride-Sharing-Apps Uber und Lyft an die Börse gingen. Lyft, das zuerst an den Markt ging, entwickelte sich im Anschluss an den Börsengang besser als Uber. Uber, das als zweites mit dem Handel begann, beendete seinen ersten Handelstag sogar unter seinem Ausgabepreis – ein ungewöhnliches Ergebnis für einen so hochkarätigen Börsengang.
Bereits jetzt bemühen sich KI-Unternehmen sowie deren Zulieferer und Kunden um Billionen US-Dollar an Finanzierungen über die Anleihemärkte, während sie Rechenzentren aufbauen, um die KI-Revolution voranzutreiben. Der öffentliche Markt gilt dabei als der effizienteste Weg, auf das breitestmögliche Spektrum an Investoren und Kapitalquellen zuzugreifen.
Persönlicher Triumph für Anthropic-Gründer
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Zur AktienanalyseOpenAI am öffentlichen Markt zu schlagen, wäre auch ein persönlicher Triumph für die Gründer von Anthropic – von denen einige ehemalige Mitarbeiter von OpenAI sind. CEO Dario Amodei verfügt laut Forbes bereits über ein Vermögen von 7 Milliarden US-Dollar. Der Börsengang dürfte ihn und andere Gründer weiter bereichern.
Das Unternehmen wurde erst vor fünf Jahren gegründet und ist als sogenannte „Public Benefit Corporation" – ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen – strukturiert. Der erklärte Zweck von Anthropic lautet die „verantwortungsvolle Entwicklung und Wartung fortschrittlicher KI zum langfristigen Nutzen der Menschheit". Mit dem Börsengang öffnet Anthropic seinen Aktionären nun die Tür zu den lang ersehnten Renditen – und setzt die gesamte KI-Branche unter Druck, es dem Unternehmen gleichzutun.


