Aktienrally im April: Starke Kursgewinne trotz globaler Unsicherheiten
S&P 500, Nasdaq und DAX legen kräftig zu – doch die Euphorie bleibt aus. Was steckt hinter der rätselhaften Rally?

Der April hat Anlegern weltweit kräftige Kursgewinne beschert. Der S&P 500 legte um knapp 10 Prozent zu, der Nasdaq 100 sogar um mehr als 15 Prozent. Auch der deutsche DAX schloss den Monat rund 6,5 Prozent über seinem Ausgangsniveau. Angesichts eines laufenden Krieges, geopolitischer Spannungen und anhaltender Inflationssorgen wirken diese Zahlen fast surreal.
WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar bringt die Stimmung auf den Punkt: „Immerhin wird nicht mehr geschossen." Im Podcast-Gespräch mit Julia Groth, stellvertretender Leiterin des WirtschaftsWoche-Finanzressorts, beschreibt er eine kollektive Sehnsucht nach Frieden an den Märkten. Eine echte Befreiungsrally sei das jedoch nicht – die Höchststände in den Indizes täuschen über die weiterhin bestehende Unsicherheit hinweg.
Kit Juckes von der Société Générale bringt es nüchtern auf den Punkt: „Wir sind immer noch – unglücklicherweise – dabei, Farbe beim Trocknen zuzuschauen." Der Stratege der französischen Großbank beschreibt damit eine Ratlosigkeit, die viele Marktteilnehmer derzeit erfasst hat.
Anleihenmarkt sendet Warnsignale
Wer nach den eigentlichen Spuren des Schocks sucht, muss den Blick vom Aktienmarkt abwenden und sich den Anleihen zuwenden. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen verharren bei 4,4 Prozent, deutsche Bundesanleihen rentieren bei 3 Prozent – beides historisch hohe Niveaus. Diese Zahlen spiegeln die Erwartungen der Investoren wider: Wirtschaftsabschwung, anhaltende Inflation und wachsende Belastungen für die Staatshaushalte.
Der Aktienmarkt hat sich von dieser Entwicklung in gewisser Weise abgekoppelt. Bemerkenswert ist dabei, dass auf Monatssicht nahezu alle wichtigen weltweiten Leitindizes im Plus liegen. Eine einzige Ausnahme gibt es: der russische MOEX-Index, der als einziger bedeutender Leitindex im Minus notiert.
Quartalssaison treibt die Kurse
Groth und von Buttlar sehen einen wesentlichen Treiber der aktuellen Kursentwicklung in der laufenden Berichtssaison. Viele Unternehmen präsentieren derzeit Quartalszahlen, die auf dem Papier solide aussehen – und das befeuert die Kurse. Es sind also konkrete Gewinnzahlen, nicht bloße Hoffnung, die den Markt nach oben treiben.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDoch eine entscheidende Frage bleibt offen: Wie viel von diesen Gewinnen wird übrig bleiben, wenn die tatsächlichen wirtschaftlichen Belastungen durch den Krieg vollständig sichtbar werden? Diese Unsicherheit ist im Aktienmarkt bislang kaum eingepreist – anders als am Anleihenmarkt, wo das Misstrauen gegenüber den Staaten bereits klar ablesbar ist.
Hinzu kommt laut Groth ein weiterer Faktor: Ein hohes Engagement von ETF-Investoren sowie Marktteilnehmern, die mit Optionen und Hebeln agieren. Beides verstärke die Ausschläge bei einzelnen Aktien erheblich – in beide Richtungen. Für Privatanleger bedeutet das: Die Volatilität bleibt ein ständiger Begleiter, auch wenn die Indizes nach oben zeigen.


