Ägyptens Zentralbank hebt Leitzinsen um 100 Basispunkte an
Die Central Bank of Egypt erhöht den Einlagenzins auf 20 Prozent und den Kreditzins auf 21 Prozent – der erste Zinsschritt seit März 2024.

Die ägyptische Zentralbank hat ihren Leitzins am Donnerstag um 100 Basispunkte angehoben. Wie die Central Bank of Egypt (CBE) in einer Bekanntgabe mitteilte, hob das Gremium für Geldpolitik den Einlagenzins von 19 Prozent auf 20 Prozent an und erhöhte den Kreditzins von 20 Prozent auf 21 Prozent. Es ist der erste Zinsschritt seit März 2024.
Die Notenbank begründet den Schritt mit herausfordernden externen Bedingungen und einer hohen Unsicherheit. Die Zinserhöhung diene dazu, die Erwartungen zu verankern und den Pfad der Disinflation zu schützen. Damit reagiert die Währungsbehörde auf ein Umfeld, das sie offenbar als zunehmend fragil einschätzt.
Die Entscheidung kam für den Markt überraschend. Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage unter 13 Analysten hatte vorhergesagt, die Zentralbank werde die Zinsen bei ihrer sechsten Sitzung in Folge unverändert lassen. Statt einer weiteren Pause setzte der geldpolitische Ausschuss nun ein Signal in die entgegengesetzte Richtung.
Die Details
Konkret steigen die Zinsen für Overnight-Geschäfte: Der Einlagenzins klettert von 19 Prozent auf 20 Prozent, der Kreditzins von 20 Prozent auf 21 Prozent. Die Anhebung um 100 Basispunkte entspricht einem Prozentpunkt. Ein Basispunkt ist die kleinste Einheit zur Messung von Zinsänderungen und entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
Die Zentralbank veröffentlichte die Entscheidung an einem Donnerstag. Es handelt sich um den ersten Zinsschritt seit März 2024 – also um die erste Veränderung des Leitzinsniveaus seit mehr als zwei Jahren. In der Zwischenzeit hatte die Notenbank ihren Kurs mehrfach angepasst, zuletzt überwiegend nach unten.
Die CBE äußerte sich zugleich zur Konjunktur. Sie sagte voraus, dass das Wirtschaftswachstum Ägyptens im dritten Quartal 2026 insgesamt stabil bleiben werde und sich nahe dem Niveau bewegen werde, das im zweiten Quartal 2026 verzeichnet wurde. Ein konkretes Wachstumsziel nannte die Notenbank in der Mitteilung nicht.
Die Entscheidung widersprach den Erwartungen der Analysten. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage unter 13 Analysten hatten diese vorhergesagt, die Zentralbank werde die Zinsen bei ihrer sechsten Sitzung in Folge unverändert lassen. Der geldpolitische Ausschuss entschied sich stattdessen für eine Straffung.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die ägyptische Zentralbank ihre Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau belassen hatte. Damals hielt der geldpolitische Ausschuss den Einlagenzins für Overnight-Geschäfte bei 19 Prozent und den Kreditzins für Overnight-Geschäfte bei 20 Prozent. Für den ägyptischen Geldmarkt bedeutete der Beschluss eine Pause, nachdem die Notenbank zuvor ihren Lockerungskurs noch fortgesetzt hatte.
Am 13.02.2026 berichtete aktien.news über eine Zinssenkung der ägyptischen Zentralbank um 100 Basispunkte. Der Einlagenzins fiel damals von 20 Prozent auf 19 Prozent, der Kreditzins von 21 Prozent auf 20 Prozent. Auslöser war der deutliche Rückgang der Inflation: Die jährliche Inflationsrate der städtischen Verbraucherpreise verlangsamte sich im Januar auf 11,9 Prozent.
Noch früher, am 09.02.2026, hatte aktien.news über eine Reuters-Umfrage unter 14 Ökonomen berichtet. Diese erwarteten, dass der geldpolitische Ausschuss die Leitzinsen um 100 Basispunkte senken würde – der Einlagensatz sollte von 21 Prozent auf 19 Prozent sinken, der Leihsatz von 22 Prozent auf 20 Prozent. Die Zinssenkung wäre die achte seit April 2024 gewesen. Im März 2024 hatte die Zentralbank den Leihsatz im Rahmen eines 8-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramms des Internationalen Währungsfonds auf einen Höchststand von 27,25 Prozent angehoben. Gleichzeitig wurde das ägyptische Pfund drastisch abgewertet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem als Signal zu lesen. Ägypten zählt zu den Schwellenländern, deren Anleihen und Währungen wegen ihrer höheren Renditen bei risikofreudigen Investoren gefragt sind. Steigen die Leitzinsen, werden ägyptische Anleihen tendenziell attraktiver – zugleich steigt aber das Risiko von Währungsschwankungen.
Die Notenbank begründet ihren Schritt mit herausfordernden externen Bedingungen und hoher Unsicherheit. Für Anleger bedeutet das: Das Umfeld bleibt fragil. Wer in ägyptische Vermögenswerte investiert, sollte die Wechselkursentwicklung des ägyptischen Pfunds und die weitere Inflationsentwicklung im Blick behalten.
Bemerkenswert ist die Abweichung von den Analystenerwartungen. Wenn selbst 13 befragte Analysten eine Pause erwartet hatten und die Notenbank stattdessen anhebt, zeigt das, wie schwer der geldpolitische Kurs derzeit vorherzusagen ist. Für Positionen in Schwellenländern bedeutet das ein höheres Überraschungspotenzial.
Ausblick
Die Zentralbank hat sich in ihrer Mitteilung nicht zu weiteren Zinsschritten geäußert. Sie verwies lediglich auf das Ziel, die Erwartungen zu verankern und den Pfad der Disinflation zu schützen. Für das dritte Quartal 2026 erwartet sie ein insgesamt stabiles Wirtschaftswachstum nahe dem Niveau des zweiten Quartals 2026.
Der nächste geldpolitische Impuls dürfte von der weiteren Inflationsentwicklung abhängen. In der Vergangenheit hatte die Notenbank ihre Entscheidungen eng mit der Teuerung verknüpft – so fiel im Februar 2026 eine Zinssenkung mit einem Rückgang der jährlichen Inflationsrate der städtischen Verbraucherpreise auf 11,9 Prozent zusammen. Ob sich dieser Zusammenhang bestätigt, wird sich an den kommenden Sitzungen zeigen.
Kurz erklärt
- Leitzins: Zinssatz, zu dem eine Zentralbank Geschäfte mit Geschäftsbanken abwickelt und mit dem sie die Geldpolitik eines Landes steuert.
- Basispunkt: Kleinste Einheit zur Messung von Zinsänderungen, ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
- Disinflation: Rückgang der Inflationsrate, bei dem das Preisniveau weiter steigt, aber langsamer als zuvor.
