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Abwanderung junger Menschen: Osten verliert weiter Bevölkerung

Ökonomische Unterschiede und Zukunftsperspektiven beeinflussen Wanderungsbewegungen in Deutschland

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Abwanderung junger Menschen: Osten verliert weiter Bevölkerung

Junge Menschen ziehen weiterhin aus Ostdeutschland in den Westen. Laut dem Statistischen Bundesamt verließen im Jahr 2023 netto 7.100 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren die ostdeutschen Bundesländer, ohne Berlin, in Richtung Westen. Seit 1991 besteht ein kontinuierlicher Wanderungsverlust in dieser Altersgruppe, insgesamt 727.000 junge Menschen sind seither abgewandert. Während über alle Altersgruppen hinweg die Wanderbewegungen zwischen Ost und West in den letzten zehn Jahren ausgeglichener wurden, zeigt sich für junge Menschen ein deutlicher Abwanderungstrend in den Westen. Das Durchschnittsalter im Osten ist zudem höher, und weniger Menschen befinden sich im arbeitsfähigen Alter. Laut Zensus 2022 waren 57,5 Prozent der Bevölkerung in den ostdeutschen Ländern (ohne Berlin) zwischen 18 und 64 Jahre alt, während dieser Anteil in den westdeutschen Ländern bei 61,6 Prozent lag.

Experten wie Tim Leibert vom Leibniz-Institut für Länderkunde sehen die Abwanderung als Abstimmung junger Menschen mit den Füßen über die wahrgenommene Zukunftsfähigkeit ihrer Region. Viele sind offenbar der Ansicht, dass ein erfolgreiches Leben in Ostdeutschland nicht möglich ist. Auch die nach wie vor großen Einkommensunterschiede spielen eine Rolle: Im Jahr 2023 verdienten Vollzeitbeschäftigte im Osten durchschnittlich 824 Euro brutto pro Monat weniger als im Westen. Zusätzlich gibt es ein Gefühl unter jungen Ostdeutschen, wegziehen zu müssen, um beruflich voranzukommen. Laut Leibert wird dieser Entscheidungsprozess oft früh getroffen und nicht weiter hinterfragt, obwohl es in einigen Regionen gute Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten gibt.

Die Abwanderung hat auch demografische Folgen. Die Bevölkerung Ostdeutschlands entspricht inzwischen der Größe von 1907. Laut Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle wird es in den ländlichen Regionen immer schwieriger, alle Arbeitsplätze zu besetzen. Der Anteil der Erwerbstätigen könnte in manchen Regionen des Ostens in den nächsten zehn Jahren um zehn bis 15 Prozent sinken. Auffällig sind die Unterschiede zwischen den ostdeutschen Bundesländern: Während Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen in den vergangenen Jahren einen positiven Binnenwanderungssaldo verzeichneten, sind Thüringen und Sachsen-Anhalt seit 1991 von einer Nettoabwanderung betroffen. Brandenburg profitiert von der Nähe zu Berlin und der Ansiedlung von Unternehmen wie Tesla, das in Grünheide derzeit 12.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sachsen erhofft sich einen ähnlichen Effekt durch die geplante Ansiedlung des Chipherstellers TSMC.

Um junge Menschen im Osten zu halten, muss laut Holtemöller das Gesamtpaket stimmen. Im ländlichen Raum wird dies immer schwieriger, da die Fixkosten für die Infrastruktur pro Einwohner steigen, wenn die Bevölkerung abnimmt. Von diesem Phänomen sind ländliche Regionen in Ost- und Westdeutschland betroffen, jedoch stärker im Osten, da dort weniger Ballungszentren und mehr ländlicher Raum vorhanden sind.

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