Zweites Halbjahr startet: Renditen steigen, Südkorea bricht Exportrekord
Vorsichtiger Auftakt ins zweite Halbjahr: Steigende US-Anleiherenditen, starke Jobdaten und ein historischer Exportboom in Südkorea prägen den Marktstart.

Der Beginn des neuen Monats, Quartals und zweiten Halbjahres verlief an den globalen Märkten in vorsichtiger Stimmung. Die Renditen von US-Staatsanleihen zogen über Nacht sprunghaft an, während Anleger den bevorstehenden Arbeitsmarktbericht für Juni im Blick haben und sich gleichzeitig bereits auf die Berichtssaison für das zweite Quartal vorbereiten.
Einen konkreten Auslöser für den Renditeanstieg gab es nicht. Allerdings folgte er auf überraschend starke Daten vom US-Arbeitsmarkt: Der sogenannte JOLTS-Bericht für Mai zeigte erneut einen Anstieg der offenen Stellen und markierte damit ein neues Zweijahreshoch. Viele Ökonomen hatten nach dem sprunghaften Anstieg im April noch auf eine Korrektur nach unten gehofft – diese blieb jedoch aus.
Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt dem Auftritt von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh auf dem jährlichen Forum der Europäischen Zentralbank in Sintra, Portugal. Anleger werden seine Aussagen genau verfolgen, um Hinweise auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank zu erhalten.
US-Arbeitsmarkt im Fokus
Heute werden die ADP-Beschäftigtenzahlen für den Privatsektor im Juni erwartet. Aufgrund des Feiertags zum Unabhängigkeitstag am Freitag wird der offizielle nationale Arbeitsmarktbericht für Juni bereits einen Tag früher – am Donnerstag – veröffentlicht. Ebenfalls heute erscheint der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Juni.
Abseits der Konjunkturdaten sorgte eine diplomatische Entwicklung für Ernüchterung: Erhoffte hochrangige Gespräche zwischen Vertretern der USA und des Irans kamen am Dienstag nicht zustande. Die iranische Seite erschien nicht, da es Unstimmigkeiten über Details des Rahmenabkommens gab.
An den Devisenmärkten fiel der japanische Yen unter die Marke von 162 Yen pro US-Dollar und erreichte damit neue 40-Jahres-Tiefs. Bislang gibt es keine Anzeichen für eine Intervention der japanischen Behörden, um den anhaltenden Wertverlust der Währung zu stoppen.
Südkorea bricht Exportrekord dank Chip-Boom
Besonders bemerkenswert sind die aktuellen Exportzahlen aus Südkorea. Die Gesamtexporte des Landes stiegen im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 70,9 Prozent auf 102,25 Milliarden US-Dollar. Das ist der stärkste Anstieg im Jahresvergleich seit Oktober 1978 – also seit fast einem halben Jahrhundert – und eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem Zuwachs von 53,4 Prozent im Mai.
Haupttreiber dieses Booms sind die Halbleiterexporte, die um 199,5 Prozent auf 44,8 Milliarden US-Dollar in die Höhe schnellten. Der weltweite Boom bei Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) befeuert die Nachfrage nach Chips massiv. Damit ist Südkorea nach Deutschland, China und den USA erst das vierte Land weltweit, das bei den monatlichen Exporten die Marke von 100 Milliarden US-Dollar überschreitet.
Berichtssaison rückt in den Fokus
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAn der Wall Street richtet sich die Aufmerksamkeit bereits auf die bevorstehende Berichtssaison für das zweite Quartal. Das aggregierte jährliche Gewinnwachstum der US-Unternehmen wird auf rund 22 Prozent geschätzt. Allerdings entfallen davon 60 Prozent allein auf den Sektor für Chips und Technologieausrüstung.
Besonders dominant sind dabei zwei Unternehmen: Nvidia und Micron zusammen machen 40 Prozent des gesamten geschätzten Gewinnwachstums aus. Dies unterstreicht, wie stark die aktuelle Marktdynamik vom KI-Thema und dem Chipsektor getrieben wird – ein Trend, der sich bereits in der letzten Berichtssaison als transformativ erwiesen hatte.
Für deutsche Anleger bleibt die Kombination aus steigenden US-Renditen, einem schwachen Yen und dem anhaltenden KI-getriebenen Chip-Boom ein wichtiges Thema. Die Entwicklungen in den USA und Asien dürften auch die europäischen Märkte in den kommenden Tagen maßgeblich beeinflussen.


