ZF verhandelt weiter über mögliche Verlagerungen
Standorte fürchten zusätzliche Stellenrisiken trotz laufender Programme

Bei ZF Friedrichshafen stehen die Beschäftigten weiterhin vor erheblichen Unsicherheiten. Nach der Vorstellung des Zukunftsplans zu Beginn des Oktobers war zwar klar, dass tiefgreifende Einschnitte unausweichlich sind, doch die nun laufenden Gespräche an mehreren Standorten zeigen, dass zusätzliche Maßnahmen nicht ausgeschlossen sind. Bereits beschlossen ist eine Arbeitszeitverkürzung, die Verschiebung einer tariflichen Entgelterhöhung und der Abbau von 7600 Stellen in der Antriebssparte Division E bis 2030. Auch ein Freiwilligenprogramm wurde gestartet, das den Personalabbau sozialverträglich gestalten soll. Trotzdem schließen Arbeitnehmervertreter betriebsbedingte Kündigungen nach wie vor nicht aus.
In einer Broschüre erklärten Vertreter von Betriebsrat und IG Metall den Beschäftigten das vereinbarte Maßnahmenpaket. Darin wird betont, dass die Division E entgegen ursprünglicher Pläne nicht ausgegliedert wird. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass Verlagerungen von Produktion und Produktionsumfängen in Länder mit niedrigeren Kosten weiterhin zur Diskussion stehen und bis zum 15. Dezember auf Standortebene verhandelt werden müssen. Die Belegschaft sieht sich somit einer weiteren Frist gegenüber, deren Ausgang entscheidende Folgen für die Zukunft der deutschen Werke haben kann.
Der Vorstand hat bereits mehrere mögliche Produktionsverlagerungen in seine strategische Planung aufgenommen. Sollte es dazu kommen, könnten zusätzliche personelle Auswirkungen entstehen, die über die bisherigen Abbauziele hinausgehen. An verschiedenen Standorten der Division E, darunter Schweinfurt, Saarbrücken, Brandenburg, Auerbach, Gotha und Thyrnau, laufen derzeit Gespräche über mögliche Verlagerungen in Länder mit günstigeren Kostenstrukturen. Konkrete Entscheidungen liegen noch nicht vor.
Insider halten es für möglich, dass die Verkündung von Ergebnissen nicht wie vorgesehen Mitte Dezember erfolgt, sondern auf Januar verschoben wird. Verzögerungen im Zusammenhang mit der Chipkrise und die Nähe zum Weihnachtsfest gelten als Gründe für eine mögliche Verschiebung. Parallel zur Standortdiskussion beschäftigen weitere Themen das Unternehmen. Der geplante Zukauf von E-Motoren und Invertern könnte Standorte wie Schweinfurt und Auerbach erheblich belasten, da dort wichtige Fertigungsvolumina wegfallen würden. Eine erneute Prüfung der Wettbewerbsfähigkeit der Eigenproduktion läuft bis Ende März.
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Zur AktienanalyseDie finanzielle Situation des stark verschuldeten Konzerns erschwert die Entscheidungsfindung zusätzlich. Investitionen konzentrieren sich derzeit bevorzugt auf Getriebe, während für Bereiche der Elektromobilität externe Partner notwendig wären. Das laufende Freiwilligenprogramm verzeichnet laut Unternehmensangaben großes Interesse. Ob es die erforderlichen Zielgrößen erreicht, bleibt offen. Ist dies nicht der Fall, sollen Arbeitgeber und Betriebsrat über alternative Maßnahmen beraten, um betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden.


