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ZF trennt sich von Fahrerassistenz

Verkauf an Harman soll Schulden senken und strategische Neuausrichtung stärken

ZF trennt sich von Fahrerassistenz

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat sein Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen an die Samsung-Tochter Harman veräußert. Mit dem Schritt reagiert der Konzern auf seine angespannte finanzielle Lage und schafft sich zusätzlichen Spielraum zur Reduzierung der hohen Verschuldung. Die betreffende Sparte wird mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet, Angaben zum konkreten Kaufpreis machten die Beteiligten nicht. Im Zuge der Transaktion wechseln voraussichtlich etwa 3750 Beschäftigte von ZF zu Harman.

ZF zählt zu den wichtigsten Zulieferern der Automobilindustrie und beliefert unter anderem Hersteller wie BMW und Volkswagen mit Getrieben und weiteren Komponenten. In den vergangenen Quartalen musste das Unternehmen jedoch erhebliche Verluste hinnehmen. Die schwächelnde Fahrzeugproduktion, ausbleibende Aufträge sowie der langsame Hochlauf der Elektromobilität belasten das Geschäft. Bereits angekündigt ist der Abbau von bis zu 14.000 Stellen in Deutschland bis Ende 2028, zahlreiche Arbeitsplätze sind schon weggefallen, zudem wurden Arbeitszeiten reduziert.

Vor diesem Hintergrund überprüft der Konzern sein Portfolio. Mit dem Verkauf des Bereichs für smarte Kameras, Radartechnologien und Fahrerassistenz-Software sieht der neue Vorstandsvorsitzende Mathias Miedreich einen wichtigen Schritt der strategischen Neuausrichtung erreicht. ZF will sich künftig stärker auf Kernbereiche wie Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeuge und industrielle Anwendungen konzentrieren. Andere Aktivitäten, etwa Elektronik für Fahrwerktechnik sowie Fahrerassistenzlösungen für Nutzfahrzeuge, verbleiben im Unternehmen.

Die Erlöse aus dem Verkauf sollen vorrangig zum Schuldenabbau eingesetzt werden. ZF weist derzeit Verbindlichkeiten von rund elf Milliarden Euro aus und zahlt dafür jährlich mehr als 700 Millionen Euro an Zinsen. Durch die Transaktion kann nach Unternehmensangaben etwa ein Zehntel dieser Schulden reduziert werden. Der Fokus der kommenden Jahre liege klar auf Entschuldung und der Sicherung des Cashflows.

Für Harman bedeutet der Zukauf eine Stärkung der Position in einem als zukunftsträchtig geltenden Marktsegment. Fahrerassistenzsysteme gewinnen angesichts zunehmender Softwareorientierung von Fahrzeugen an Bedeutung. Harman ist bereits ein bedeutender Anbieter von Infotainment- und Audiosystemen und beliefert zahlreiche internationale Automobilhersteller. Seit der Übernahme durch Samsung agiert das Unternehmen als eigenständige Tochter und hat seinen Umsatz durch gezielte Zukäufe ausgebaut.

Samsung wiederum verfolgt mit der Expansion im Bereich Autoelektronik das Ziel, seine starke Abhängigkeit von Smartphones und Speicherchips zu verringern. Der Konzern rechnet langfristig mit starkem Wachstum des Marktes für Fahrerassistenzsysteme. Branchenbeobachter sehen in der Transaktion Vorteile für beide Seiten und verweisen auch auf die Perspektiven für die betroffenen Mitarbeiter, die künftig Teil eines global agierenden Technologiekonzerns sein werden.

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