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ZF senkt Umsatzprognose drastisch

Personalabbau und Kostensenkungen als Reaktion auf schwache Nachfrage und hohe Verschuldung.

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ZF senkt Umsatzprognose drastisch

Der Druck auf ZF Friedrichshafen bleibt hoch. Nach schwachen Zahlen für das erste Halbjahr hat der zweitgrößte deutsche Autozulieferer seine Prognose für das Jahr 2024 gesenkt. Das Management rechnet nun mit einem Umsatz von nur noch 42,5 Milliarden bis 43,5 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte das hochverschuldete Unternehmen vom Bodensee die Erlöse noch um 6,5 Prozent auf mehr als 46,6 Milliarden Euro gesteigert. Bei einer weiteren Abschwächung der Konjunktur droht jetzt ein Umsatzminus von fast zehn Prozent.

Der seit eineinhalb Jahren amtierende Vorstandschef Holger Klein will mit einem umfassenden Kostensenkungsprogramm in Höhe von sechs Milliarden Euro gegensteuern. In der vergangenen Woche hatte ZF angekündigt, bis zu 14.000 Stellen in Deutschland zu streichen. Jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande steht damit auf der Kippe. Mit den Arbeitnehmern dürften harte Verhandlungen anstehen.

Bei der Marge hält ZF an seiner Prognose von 4,9 bis 5,4 Prozent für das Gesamtjahr fest, obwohl diese im ersten Halbjahr auf 3,5 Prozent absackte. Finanzchef Michael Frick hofft auf ein Greifen der eingeleiteten Sparmaßnahmen und Ausgleichszahlungen der Autohersteller für bestellte, aber nicht abgenommene Mengen. Um welche Summe es sich dabei handelt, wollte Frick nicht sagen.

Konzernchef Klein begründet die Kürzung der Umsatzprognose mit geringeren Bestellungen der Autohersteller sowie der derzeitigen Nachfrageschwäche nach rein elektrischen Fahrzeugen. „Viele große Pkw-Hersteller haben ihre E-Mobilitätsprogramme drastisch gekürzt. Seit Anfang des Jahres um 35 Prozent und sogar bis zu 50 Prozent in den kommenden Jahren“, sagte der Manager in einer Telefonkonferenz. Das bleibe nicht ohne Folgen für den Zulieferer und seine Strategie.

Wegen des harten Kostenwettbewerbs bei Elektrokomponenten hält Klein eine Welle von Konsolidierungen in der Autozulieferbranche für mehr als wahrscheinlich: „Der Spagat aus hohem Investment und niedrigen Verkäufen stellt vor allem kleinere Unternehmen vor große Herausforderungen.“ Die Geschwindigkeit des Wandels nehme sogar noch zu. Für ZF heiße das: „Tempo, Tempo, Tempo.“

Das Geschäft mit elektrifizierten Antriebstechnologien ist dabei auf der Kostenseite das größte Problem. Klein bricht deshalb mit einem früheren Tabu für Kernsparten. „Der hohe Wettbewerbsdruck erfordert die Offenheit für Kooperationen und starke Partnerschaften, um das nötige Wachstum finanzieren zu können“, sagte Klein.

Die Schwierigkeiten des Markts und eigene Probleme spiegeln sich in der Umsatzentwicklung des ersten Halbjahres wider. Die Friedrichshafener haben in einem stagnierenden Markt mit 22 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr mehr als fünf Prozent Umsatz verloren. Das bereinigte Ergebnis (Ebit) brach von 941 auf 780 Millionen Euro ein. Nach Zahlung von Zinsen und Steuern bleibt nur noch ein magerer Gewinn von 45 Millionen Euro übrig.

Das Stiftungsunternehmen reagiert vor allem mit dem angekündigten Personalabbau. Dabei könnten auch Standorte zusammengefasst werden. ZF hat im Inland noch 36 Produktionswerke. Welche Standorte geschlossen werden sollen, sagte Klein am Donnerstag nicht.

Alle großen Autozulieferer leiden unter der schwachen Autokonjunktur, insbesondere der schleppenden Nachfrage nach Elektroautos bei gleichzeitig hohen Kosten für die Transformation zur Elektromobilität. Bei ZF kommt erschwerend hinzu, dass das Unternehmen durch die Zukäufe der US-Firmen TRW 2015 und Wabco 2020 hoch verschuldet ist. Finanzchef Frick gab jetzt die Nettoverschuldung mit 10,5 Milliarden Euro an. Das Unternehmen muss dafür rund eine halbe Milliarde Euro Zinsen jährlich zahlen. „Ohne die Übernahmen von TRW und Wabco stünden wir heute viel schlechter da", erklärte Klein.

ZF hat in den vergangenen Monaten in der Refinanzierung mehr als drei Milliarden Euro durch Anleihen und Schuldscheine aufgenommen und nach Worten von Finanzchef Frick 1,35 Milliarden Euro Verbindlichkeiten zurückgezahlt. „Mit diesen Finanztransaktionen haben wir für die nächsten Jahre Planungssicherheit geschaffen“, sagte er. Die Eigenkapitalquote gab er mit 20,7 Prozent an. Entlastung auf der Schuldenseite soll zudem der Verkauf oder Börsengang der Airbag-Sparte bringen. Frick erklärte, die dafür notwendige Ausgliederung sei auf Kurs: „Derzeit laufen dafür die letzten formalen Maßnahmen. Wir prüfen ergebnisoffen alle strategischen Optionen.“ Eigentlich sollte die Sparte längst verkauft sein. Doch ein Käufer, der den gewünschten Preis zahlen will, ist bislang nicht gefunden. Der Bereich erzielt fast fünf Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt über 30.000 Mitarbeiter an 46 Standorten in 18 Ländern.

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